Sonntag, 16. Dezember 2018

 
Montag, 27. August 2018

BELGERN-SCHILDAU

Unterm guten Zeichen des Maulbeerbaums

Immer wieder erläuterte Schultheiß Thomas Heller die Geschichte des 500-jährigen Maulbeerbaumes. Foto: TZ/Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Schildau. Hätte Kurfürst Friedrich der Weise gewusst, dass er mit dem Auftrag zum Pflanzen eines Maulbeerbaumes 500 Jahre später ein Fest auslösen würde – er wäre gern dabei gewesen. Warum dabei in der Schule auch ein Rohrstock gebraucht wurde, erfahren Sie in der TZ.

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Sagenhaft! 500 Jahre alt ist der Maulbeerbaum in Schildau, und dieser Geburtstag wurde von Freitag an bis Sonntag mit einem wahrlich sagenhaft schönem Fest gefeiert. Mit großem Aufwand war es vorbereitet worden, und letztlich lief alles so urig gemütlich ab – ohne Hektik, ohne Stress – als würden die Schildauer jahrein, jahraus nichts anderes tun, als jeden Monat solche Feste planen und feiern.

Das stimmt so freilich nicht. Denn gerade dieser Höhepunkt war einzigartig. Und „Schultheiß“ Thomas Heller, seines Zeichens Vorsitzender des Geschichtsvereins, bringt es auf den Punkt, als Gäste von außerhalb fragen, wann es denn bitteschön das nächste Maulbeerbaumfest gibt. Sie würden unbedingt wiederkommen wollen. Da antwortet der Oberschildbürger schelmenhaft verschmitzt – und ohne jeden Zweifel erhaben: „In 500 Jahren!“

Ein einzigartiges Fest

„Besuch vom anderen Stern“ begrüßten die Schildauer schon diesmal – mit dem überaus herzigen Musical der Grundschule unter Leitung von Ina Bär am Freitag (TZ berichtete). Klangvoller „Sonnengesang“aus vielen Jahrhunderten durchflutete die Stadtkirche St. Marien am Abend bei einem exzellenten Konzert mit Sabine Lindner aus Erfurt und Dominik Schneider aus Essen.

Als am Samstag um 11 Uhr Belgern-Schildaus Bürgermeisterin Eike Petzold das erste – und (vermutlich) auch einzige für jetzige Generationen erlebbare – Maulbeerbaumfest eröffnete, ahnte sie wohl schon, dass dieses Ereignis wie ein funkelnder Mosaikstein in die Chronik von Schildau  eingehen wird.

Schon im Oktober 2017 hatten Pfarrerin Hanna Jäger und Matthias Schulze vom Gemeindekirchenrat alle Vereine und auch die Stadt angeschrieben und sie mit dem Gedanken infiziert, zu Ehren der Pflanzung des Maulbeerbaumes im Jahr 1518 ein Fest zu veranstalten. Immerhin soll Kurfürst Friedrich der Weise die Pflanzung einst angeordnet haben, um den Seidenraupen Futter zu geben. Auch wenn sich der kurfürstliche Traum von eigener Seide nicht erfüllt hat, halten die Schildauer ihren Maulbeerbaum seit eh und je in Ehren, er soll sogar der älteste seiner Art in Deutschland sein. Am Wochenende hat der grüne Riese jedenfalls ganz Schildau vereint und Hunderte von Besuchern angelockt.

Die Idee, mit dem Fest zugleich die Eröffnung des Hortes und das 160-jährige Bestehen der Schule mit einem Tag der offenen Tür zu feiern, erwies sich als genial, denn beides offenbarte Erstaunliches und Gegensätzliches, machte das Fest noch abwechslungsreicher! Im Hort war es vor allem das moderne und funktionale Ambiente, was von den Besuchern gelobt wurde, doch in der altehrwürdigen Schule herrschten Töne, wie man sie dort nur im vorigen Jahrhundert vermutet hätte! Frau Oberlehrerin spazierte gar mit einem Rohrstock umher, obwohl die Schüler mucksmäuschenstill und brav in korrekter Schuluniform auf ihren Holzbänken saßen. Akkurat übten sie sich mit Feder und Tinte in der Deutschen Schrift. Als Hausaufgabe sollte dies vervollständigt werden, doch erst, wenn die Kinder zu Hause bei der Ernte geholfen haben. Und: Frau Direktorin forderte ebenfalls einen Anteil an der Kartoffelernte ein!

Mucksmäuschenstill waren übrigens nicht nur die Schülerinnen in der Klasse, auch die vielen Zuschauer wagten kaum ein Wort zu sagen, so gebannt waren sie von der Inszenierung, die  als historisches Klassenzimmer wie ein lebendiges Museum wirkte. Gemeinsam mit dem Geschichtsverein waren dafür Mobiliar und Kleidung aus dem Schulmuseum Eilenburg geholt worden, inklusive Schiefertafeln und Schwämmchen. Eine Woche lang hatten die Kinder in der Projektwoche jeweils zehn Minuten lang diesen „Unterricht“ einstudiert und sich dabei „sehr gelehrig“ gezeigt, wie Schulleiterin Rosmarie Fischer und ihre Kolleginnen augenzwinkernd bestätigten. Dass seit vielen Jahrzehnten ein völlig anderer „Geist“ das Miteinander von Schülern, Lehrern und Eltern bestimmt, konnten ausnahmslos alle jetzigen Schüler, aber auch Eltern, Großeltern und viele weitere Gäste bestätigen, die dieses Haus  noch immer gern als „ihre Schule“ bezeichnen. Dass im Schulhof gespielt wurde wie zu alten Zeiten, ließ weitere Erinnerungen wach werden.

Den Regenschauer freudig begrüßt

Auch Petrus gab seinen Segen. Als es am Samstagnachmittag aus dunklen Wolken kurzzeitig regnete, konnte niemand so recht böse sein, selbst die Händler an ihren Ständen nicht: „Wir  brauchen den Regen“, bekundete Christina Dimde. Sie hatte aus ihrer Beckwitzer Imkerei honigsüße Produkte mitgebracht und spannte schnell einen bunten Schirm darüber. Auf den Sonnenschirmen vor der Schule plätscherte ebenfalls der Regen. Darunter wurde es eng beim Kaffeetrinken. Sage und schreibe mehr als 40 Kuchen hatten die Eltern und viele Frauen gebacken. Einen um den anderen trug Rosemarie Fischer aus dem Kuchenlager an den Stand der Schützengilde, wo die Schlange der Hungrigen selten abriss. Was übrig blieb, wurde am Sonntag nach dem festlichen Gottesdienst beim Mitbring-Picknick-Brunch unterm Maulbeerbaum verzehrt. Das war sein sehr gemütlicher Abschluss..


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