Samstag, 15. Dezember 2018

 
Mittwoch, 19. September 2018

DOMMITZSCH

Katastrophe perfekt: Alle Fische tot

Endzeitstimmung. Als das Wasser verschwand, kamen auch viele wild entsorgte Dinge wieder zum Vorschein. Der Grund des Gewässers, verkrustet und mit Rissen. Foto: TZ/N.Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbern. Nun ist das eingetreten, was viele Angler befürchtet haben: die Alte Elbe in Döbern ist komplett ausgetrocknet. Bis auf ein paar nasse sumpfige Stellen, in denen aber vermutlich kein Fisch überlebt hat.

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„Wir müssen von 100 Prozent Verlust ausgehen“, bedauert Rolf Wilsdorf, Chef des Anglervereins. Der große Trubel, wie zuletzt bei der Dürre im Sommer 2015, bleibt diesmal allerdings aus. Damals hatten die Petrijünger verschiedene Rettungsaktionen gestartet, um das Gewässer vor dem Austrocknen zu bewahren. Tagelang berichtete unsere Zeitung über unterschiedliche Initiativen und Arbeitseinsätze. Fotos mit großen Fischkadavern sorgten selbst in der überregionalen Presse für Aufsehen.

„Das hing auch damit zusammen, dass man diese Extremsituation seit gut 40 Jahren nicht mehr kannte. Mittlerweile ist wohl schon ein bisschen Gewohnheit und Resignation eingetreten“, erklärt der Anglerchef die relativ entspannte Ruhe in Döbern und Umgebung. Man konnte das Unausweichliche ohnehin nicht ändern. „Damals hatte sich gezeigt, dass der Versuch, Wasser über den Großen Teich Torgau zuzuführen, nichts bringt. Es kam in der Alten Elbe kaum etwas an“, so Wilsdorf. Auch alle anderen Ideen, die im Raume standen, um die Grube zu befüllen, waren nicht finanzierbar und hätten allenfalls ein paar Tage etwas Entspannung gebracht.

Also waren die Angler diesmal zum tatenlosen Zuschauen verdammt. Ein paar beherzte Angler entnahmen in einer spontanen Aktion Mitte August noch etwa 100 Hechte und 100 Karpfen und setzten sie in den Süptitzer Stausee bzw. in die Elbe um. Das geschah extra spät abends, als es kühler war. Doch das dürfte nur ein Bruchteil des Gesamtbestandes gewesen sein. Dass diesmal keine großen Kadaver den Uferrand säumen, liegt einfach daran, dass solche Graskarpfen nach der Dürre 2015 nicht wieder in die Grube gesetzt wurden. „Diese Exemplare stammten noch aus dem alten Jahrtausend. Die Graskarpfen sah man zu DDR-Zeiten als Allheilmittel gegen Verkrautung an“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Man habe in den vergangenen Wochen kaum tote Fische in den Uferzonen gesehen. „Im oberen Teil der Alten Elbe in Richtung Torgau war einige Zeit ein übler Geruch zu vernehmen. Aber weil es dort keine Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe gibt, hat es niemanden gestört“, so Wilsdorf. Mitarbeiter des Leipziger Anglerverbandes hätten versucht, etwas zu bergen. Aber der Schlamm ist zu tief. Die Gefahr für Leib und Leben war zu groß. „Wir haben auch versucht, ein paar tiefere Stellen zu schaffen, in denen die Fische gewisse Zeit hätten überleben können. Aber wir bekamen die Ämter nicht auf unsere Seite. Bis jetzt gab es von der Umweltbehörde nicht einmal eine Antwort. Und das war vor etwa fünf Wochen“, ärger sich Rolf Wilsdorf.

Die Mitarbeiter der Wasserbehörde seien gleich vor Ort gewesen, wollten das Problem an das Umweltamt weitergeben. Dabei blieb es. Die Angler in Döbern blicken jetzt schon wieder nach vorn: Demnächst wird der Große Teich abgelassen. Die Grube dürfte sich im Verlauf des Herbstes und Winters rasch wieder mit Wasser füllen. Dann geht es weiter wie gehabt. Der Anglerverband Leipzig werde für neuen Fischbesatz sorgen. Die Angler selbst führen regelmäßig Fische zu, die sie anderswo gefangen haben. So könnte bald wieder Normalität eintreten.

„Ich denke, dass die Alte Elbe sofort wieder beangelbar ist, zumindest was Karpfen betrifft. Aber das macht eben nicht so viel Spaß“, so der Vorsitzende. Es habe sich gezeigt, dass die Grube sehr produktiv ist. In etwa drei Jahren dürfte der ursprüngliche Zustand wieder erreicht sein. Die aktuelle Situation sei noch extremer als 2015, aber nicht so schlimm wie 1976. Damals war der Altarm der Elbe zum letzten Mal richtig ausgetrocknet. „Man konnte tatsächlich mit dem Moped oder mit dem Fahrrad von einem Ende zum anderen über das Flussbett fahren“, blickt der Döberner zurück.

So trocken sei es derzeit noch nicht. Ob die aktuelle Dürre schon mit dem Klimawandel zu tun hat, da will sich Rolf Wilsdorf lieber nicht festlegen. Ein Teil der Angler wolle auf jeden Fall am heutigen Mittwoch an der Informationsveranstaltung im Gasthof Döbern teilnehmen. Dazu lädt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag ein. Thema: „Das Tafelsilber Nordsachsens − Schutz der Alten Elbe Mockritz und Döbern als Biosphärenreservat“. „Wir werden uns das anhören und uns eine Meinung bilden“, kündigte der Anglerchef an.


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