Dienstag, 18. Dezember 2018

 
Donnerstag, 27. September 2018

BELGERN-SCHILDAU

Singen zur Beerdigung war Schulpflicht

Von Lieselotte Schulze

Schildau. Schildauerin berichtet über ihre Schulzeit um 1948

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Die Wandertage waren für uns Schüler etwas Besonderes. Mit Herrn Heitkämper bis in die Hohburger Berge zu ziehen, das war ganz schön weit.
Bei Herrn Bussian hatten wir Musik. Wir lernten die schönen Volkslieder und es gab zu meiner Zeit einen Schulchor, wir waren so ungefähr 25 Schüler.
Im Musikunterricht wurde ausgesucht, wer als Kirchensänger geeignet war. Wir waren so 10 bis 12 Mädchen und haben bei jeder Beerdigung gesungen. Wir bekamen große, schwarze Umhänge und eine schwarze Kappe. Schick haben wir da bestimmt nicht ausgesehen. Die Beerdigungen gingen von zu Hause los, wo der Verstorbene zuletzt gewohnt hatte. Das Singen zu den Beerdigungen gehörte mit zur Schulpflicht, wann diese Pflicht aufhörte, weiß ich nicht.

Eine ganz große Sache war, was da unser Lehrer Herr Bussian mit uns unternahm. Wir fuhren in das Elbsandsteingebirge nach Wehlen. Mit dem Ziegeleitraktor und dem dazugehörigen Anhänger ging es bis nach Sitzenroda. Mit dem Bus zu der Schiffsanlegestelle, dann mit dem Elbdampfer bis nach Wehlen. Wir haben schöne Wanderungen gemacht, Kuhstall, Basteibrücke, Dampferfahrt – ein unbeschreibliches Erlebnis. Unser Ziel in Wehlen war eine große Scheune: große Strohballen und viel Heu waren unsere Betten. Es dauerte nicht lange und da bauten unsere Jungs aus den Strohballen eine Rutsche und es ging rauf und runter. Verpflegung? Da waren wir Selbstversorger: Horst brachte zur Mehlsuppe Mehl mit, der Vater war Müller. Kartoffeln hatten wir von den Schilderhainer Jungs Merker und Rieger. Brot brachten unser Mitschüler mit, dessen Vater eine Bäckerei hatte. Es war für uns Schüler ein ganz großes unvergessliches Erlebnis.

Bei Herrn Steffen hatten wir Deutsch und Rechnen. Herr Steffen war ein strenger Lehrer, wir hatten großen Respekt. Im Deutschunterricht mussten wir Gedichte aufsagen. Der Lieblingsdichter von Herrn Steffen war Theodor Storm. Ich musste das Gedicht aufsagen: „Abseits – Die Heide liegt im warmen Mittagssonnenstrahle“ usw. Ich muss das Gedicht doch gut vorgetragen haben, der sonst so gestrenge Lehrer zeigte Rührung.

Samstag in der letzten Stunde hieß es oft: „Alle aufstehen, Kopfrechnen“. Wer die Aufgabe zuerst raushatte, konnte gehen. 1. Aufgabe, gewusst wer? Rudolf hatte es zuerst raus und klapperte mit seinen Holzpantoffeln die 6er Bank entlang und weg war er. Dann Horst, Uli – wir waren dann auch dabei und so nach und nach leerte sich das Klassenzimmer.

Was haben wir in unserer Freizeit gemacht? Sonntags ging es in die Kartoffelfelder, Kartoffelkäfer suchen. Das mussten wir als Kinder machen. Die Spiele, die wir gespielt haben, die kennt bestimmt keiner mehr. Völkerball, Hopse, Handstand an die Wand, Reifen und mit dem Kreisel. Im Sommer war es das Größte, in die Neumühle zu gehen. Der Eintritt zum Seebad betrug 20 Pfennige. In der sogenannten Gaststube wurde eine Blonde für 15 Pfennige bestellt. Die Umkleidekabinen:  eine Bretterbude, keine Tür ging zu und die Wände, da sperrten die Bretter auseinander. Das war aber alles Nebensache. Der herrliche, große Neumühlenteich das war es.

Im Winter sind wir bei Steinerts Berg Schlitten gefahren und auch mal im Heidebach gelandet. Am Schildberg den großen Hang hinunter und auf Völkers Teich Schlittschuh gelaufen. So richtig  kann ich das alles gar nicht beschreiben, das muss man selbst erlebt haben. 

Es gab noch kein Handy, kein Smartphone, kein Fernseher und kein Radio. Die Radios mussten 1945 abgegeben werden. So blieb eigentlich nur der Ausklingler. Für die Bekanntmachung in Schildau war Herr Veit, später Herr Kürsten, zuständig. Mit einer großen Glocke gingen sie durch die Straßen, es wurden geklingelt und das Neueste vorgelesen. Im Juli 1948 wurden wir aus der Schule entlassen. In einer kleinen Feierstunde im Rathaussaal bekamen wir unsere Abschlusszeugnisse. Ich habe mein Zeugnis in der Hand und eine Buchprämie und habe geheult.
Herr Steffen fragte mich, warum weinst du denn? Ich sagte: „Weil die Schulzeit zu Ende ist.“


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