Dienstag, 23. Oktober 2018

 
Freitag, 12. Oktober 2018

TORGAU

"In Nordwest muss etwas passieren"

Zahlreiche fahruntüchtige Autos stehen entland der Zinnaer Straße im Schatten der Wohnblocks und sind ein Dorn im Auge der Bewohner.Foto: TZ/Stützel

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Eine Bewohnerin des Torgauer "Problembezirks" berichtet über die Zustände, die dort herrschen. Kriminalität, Wandalismus, Gewalt und andere Probleme plagen die Bewohner dort schon seit Jahren.

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„Sehr geehrter Herr Leukhardt, sehr gerne treffe ich mich mit ihnen, um über die Zustände bei uns in Torgau Nordwest ausführlich zu reden, aber nicht direkt dort, sondern auf neutralem Boden. Ich möchte nicht mit der Zeitung gesehen werden, da habe ich wirklich Angst.“ Diese Antwort auf eine Interviewanfrage erreichte TZ-Redakteur Nick Leukhardt in dieser Woche von einer Bewohnerin des Stadtteils Torgau Nordwest, nachdem diese sich mit einem Brief samt Unterschriftensammlung an die Stadtverwaltung sowie an die Torgauer Zeitung gewandt hatte. Frau B., wie wir sie hier nun einfach nur nennen, möchte unbedingt anonym bleiben, hat Angst um sich und ihre Familie und sich deshalb auch extra mit der Zeitung zu einem Kaffee im PEP Torgau getroffen, anstatt zu einem Spaziergang durch Nordwest.

Auf offener Straße angespuckt

Die Zustände in dem Stadtteil, in dem Frau B. bereits seit 1996 wohnt, lassen ihr keine andere Möglichkeit als sich nach Hilfe umzusehen. „Wir fühlen uns hier mittlerweile wie eine Randgruppe“, bringt sie es auf den Punkt. „Immer dann, wenn man jemanden sagt, dass man in Torgau Nordwest wohnt, wird man erschreckt angesehen.“

Vor ungefähr zwei Jahren fingen die Zustände dort an, sich rapide zu verschlechtern. Müll auf den Straßen und auf öffentlichen Plätzen, laute Musik und Feiern bis spät in die Nacht und immer wieder Polizeieinsätze im gesamten Viertel. Mittlerweile sei es soweit, dass sich viele Leute nicht einmal mehr auf die Straße trauen würden. „Wir kriegen hier immer wieder mit, wie Leute zusammengeschlagen oder angepöbelt werden. Erst letzte Woche, da wurde mein Nachbar auf offener Straße einfach angespuckt.“

Ein Beispiel, welches die Zustände der Bürger in Torgau Nordwest perfekt aufzeigt, ist der Spielplatz der Wohnungsbaugenossenschaft, welcher bis dieses Jahr noch zwischen zwei Wohnblocks in der Zinnaer Straße stand. „Ein wirklich schöner Spielplatz, der vielen Kindern eine Menge Freude bereitet hätte“, beschreibt ihn Frau B., welche im Block direkt daneben wohnt. „Regelmäßig haben dort Kinder und Jugendliche bis spät in die Nacht rumgelungert, einen riesigen krach gemacht und ihren Müll dort gelassen. Die haben dort hingepinkelt und einmal haben wir dort sogar Spritzen gefunden.“

Daraufhin beschwerte man sich bei der Wohnungsbaugenossenschaft, welcher die beiden hinteren Blocks in der Zinnaer Straße gehören und welche auch für den Spielplatz verantwortlich war. Diese befragte daraufhin die Mieter und ließ diese abstimmen, wie in dem Fall weiter vorgegangen werden sollte. Die Entscheidung war eindeutig und der Spielplatz wurde entfernt.

Ein friedliches Zusammenleben

Doch solch ein Vorgehen lässt sich natürlich nicht auf alle Plätze in dem Torgauer „Problemviertel“ beziehen, das möchte Frau B. auch überhaupt nicht. „Wir wohnen wirklich gerne hier“, sagt sie. „Aber es muss wirklich etwas passieren. Wir wollen hier ja niemanden abschieben oder jemandem das Recht aufs Feiern verbieten. Das einzige was wir wollen, ist ein harmonisches und friedliches Zusammenleben. Und das ist aktuell nicht möglich.“

Ihren hoffnungsvollen Blick richtet sie dabei vor allem in Richtung der Stadtverwaltung mit Oberbürgermeisterin Romina Barth an der Spitze. An sie hat Frau B. vor drei Wochen einen Brief geschrieben, in dem sie ganz deutlich auf die Probleme aufmerksam macht. „Die derzeitige Situation überfordert den guten Willen der schon lange hier lebenden Bürger“, heißt es dort. Geltendes Recht und Normen im Umgang miteinander werden nicht beachtet. Spricht der Bürger die Missstände an, so erhält er freche Antworten und Beschimpfungen oder sogar Tätlichkeiten.“ Weiter wird in dem Brief gefordert, die Sportanlage und Spielplätze massiv zu umzäunen, deren Platzordnung und das nächtliche Betretungsverbot stärker zu kontrollieren und auch den Stadtteil Nordwest noch stärker zu bestreifen.

„Hier ist die Politik gefragt und deshalb wenden wir uns auch an eben diese“, sagt Frau B. Zwar sei bislang noch keine Antwort der Oberbürgermeisterin bei ihr eingegangen, doch die Hoffnung ist noch nicht aufgegeben.

Integration ist der Schlüssel

Da viele der Probleme, welche in Torgauer Nordwest herrschen, laut Aussage von Frau B. ihren Ursprung bei südosteuropäischen Mitbürgern haben, ist für sie neben stärkerer Kontrolle vor allem Integration in Torgau Nordwest der Schlüssel zum Erfolg. Man müsse den Menschen zeigen,  welche Regeln es gibt und warum sie sich an diese zu halten haben. „Alles was wir möchten, ist ein gemütliches Beisammensein. In den 90ern hat das mit den eingewanderten Russen auch funktioniert, obwohl es am Anfang Probleme gab, warum also jetzt nicht auch.“ Die Parallelgesellschafte, wie sie aktuell in Torgauer Nordwest herrschen, würden diese Integration jedoch enorm schwer machen. „Wie lernt man am besten die deutsche Kultur kennen? Indem man unter deutschen lebt“, sagt B.

Wie es nun in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen soll, weiß sie auch noch nicht genau. Sie hofft, genauso wie die 65 weiteren Bewohner der Zinnaer Straße, die ihre Unterschrift an den Brief an die OBM beigelegt haben,nach wie vor auf eine Antwort der Politik. „Wir Bürger können nur auf die Probleme aufmerksam machen. Gelöst werden müssen sie dann aber schlussendlich von der Politik.“

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