Dienstag, 18. Dezember 2018

 
Freitag, 12. Oktober 2018

TORGAU

Kein Martinshorn mehr bei der Feuerwehr?

Carolin Stützel

Torgau. Der 300. Feuerwehreinsatz ist Geschichte. Warum die Kameraden so oft ausrücken mussten und warum sie zukünftig ohne Martinshorn ausrücken sollen, lesen Sie hier:

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Am vergangenen Montag gegen 13 Uhr rückte die Feuerwehr Torgau zu ihrem 300. Einsatz aus. Der Inhalt einer Papierpresse hinter dem LIDL-Markt stand in Flammen und musste von den zehn freiwilligen Feuerwehrmännern und -frauen, die vor Ort waren, gelöscht werden. Wie auch bei den Einsätzen zuvor fuhr die Feuerwehr auch dieses Mal mit Blaulicht und eingeschaltetem Martinshorn zum Einsatz. Schließlich war, wie immer, höchste Eile geboten.

Doch der Einsatz des Martinshorns ist in Deutschland immer wieder Streitthema. Während die Einen sich über das laute „Tatütata“ in der Nacht und die damit verbundene Schlaf- und Ruhestörung beschweren, regt sich die andere Seite über die auf, die sich über die Retter und die  akustischen Signale beschweren.
Einer Mutter aus München stößt das „Tatütata“ in ihrem eigentlich ruhigen Stadtteil hart auf. „Täglich wacht unser Baby durch den inflationären Gebrauch des Martinshornes auf bzw. kann gar nicht erst einschlafen. Die Martinshörner ertönen zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit - unabhängig der Dringlichkeit des Einsatzes bzgl. der Verkehrslage: Sonntag Abend um 22:00 Uhr, montags um 21:45 Uhr, Dienstag mittags oder Samstag morgens um 08:00 Uhr: Martinshörner ertönen, obwohl es auf der Straße weit und breit keine Autos oder Menschen gibt, die vor dem rasanten Einsatz des herannahenden Polizei-, Rettungs- oder Feuerwehrautos gewarnt werden müssten.“ schrieb sie in ihrer im Internet gestarteten Petition. „Ich plädiere dafür, die MitarbeiterInnen der Polizei, Feuerwehr und des Rettungsdienstes für einen sinnvollen, zielführenden und sachgemäßen Einsatz des Martinshornes zu sensibilisieren.“ Doch mit ihrer Petition beißt sie auf Granit und erntet Spott und Häme von anderen Usern.
Auch in Torgau hört man immer wieder das Martinshorn von Rettungsdienst, Polizei oder Feuerwehr. „Wir versuchen schon die Bevölkerung zu schonen, aber das ist nicht immer möglich“erklärt Thomas Bein, Torgaus Stadtwehrleiter.

Warum muss Martinshorn sein?

Klar, gerade in der Nacht könnte man meinen, dass der Gebrauch des Martinshorns überflüssig sei. Die Straßen seien frei und Anwohner werden aus ihrem Schlaf gerissen. Doch warum wird es dennoch eingeschaltet? Das erklärte Thomas Bein, der TZ gegenüber so: „Wenn wir zum Einsatz gerufen werden, ist immer höchste Eile geboten. Das machen wir nur kenntlich, wenn zusätzlich zum Blaulicht auch das Martinshorn eingeschaltet ist. Nur so dürfen wir Sonder- und Wegerechte in Anspruch nehmen.“ Das ist sogar gesetzlich geregelt, heißt es doch im Paragraph 35 Absatz 5a der Straßenverkehrsordnung „Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.“. Wird die Feuerwehr, Polizei oder der Rettungsdienst alarmiert, ist das der Fall. „Der Fahrer ist für die Sicherheit des Fahrzeuges und der Besatzung im Straßenverkehr verantwortlich und bei einem Unfall wird immer erstmal gegen den Helfer ermittelt, wenn er das Martinshorn nicht angeschaltet hat.

Wann genau rückt die Feuerwehr aus?

Wie man es aus dem klassischen Bild eines Feuerwehrmanns kennt, werden natürlich Brände gelöscht. Bisher waren es 32 so genannte Mittelbrände. Das bezeichnet Feuer, zu dem mindestens zwei Fahrzeuge ausrücken. Doch darüber hinaus gibt es noch viele weitere Gründe mit höchster Eile zum Einsatzort zu fahren. Oft werden die Feuerwehrleute zum „BMA“ gerufen. Das bedeutet, dass eine Brandmeldeanlage, meist in einem öffentlichen Gebäude, ausgelöst wurde und es möglicherweise dort brennt, meist aber auch nicht. „Die Leute denken immer, dass wir dann nur hinfahren, den Brandmelder ausschalten und wieder abrücken. Doch das ist ein Irrtum. Wir müssen kontrollieren, dass es auch wirklich nicht brennt, denn wenn wir 20 Minuten später wieder zur selben Einsatzstelle gerufen werden und man uns nachweisen kann, dass wir den Brand hätten verhindern können, können wir belangt werden“ erklärt Thomas Bein. Dieses Jahr gab es schon 49 BMA-Einsätze, das sind schon jetzt sechs mehr als im gesamten letzten Jahr.

Doch nicht nur Feuer

Dazu kommen zahlreiche Technische Hilfe Einsätze, zu diesen gehören auch Tragehilfen. Hierbei wird die Feuerwehr zur Unterstützung des Rettungsdienstes angefordert. Unsere Aufgabe ist es hierbei, den Rettungsdienst mit unter die Arme zu greifen, Patienten oder und Equipment zum Rettungsfahrzug zu tragen.
Eine weiter Technische Hilfe ist die Türöffnung, da werden wir Alarmiert, wenn besorgte Nachbarn …., sind das klassische Fälle einer Türöffnung mit Spezialwerkzeug zum Türöffnen und/oder bei Spezialen Türschlössern mit Brechwerkzeug.

Doch die wirklich belastensten Einsätze, die die freiwillige Feuerwehr Torgau hinter sich bringen musste, waren nicht die knapp 100 Sturm- und Regenschäden durch „Friederike“, die sehr wohl körperlich an den Kräften zehrten, sondern zwei schwere Verkehrsunfälle in der Vergangenheit, nach denen es psychologische Hilfe für die Kameraden bedurfte. Verständlich, denn derartige Einsätze sind sicher nicht leicht zu verkraften.

Und dann müssen sich eben solche freiwilligen Einatzkräfte, die in jeder Notlage zur Stelle sind, zahlreiche Lehrgänge und Dienststunden hinter sich haben, sich nachts um 3 Uhr in kürzester Zeit aus dem Bett quälen, zur Wache fahren und dort innerhalb von nicht einmal fünf Minuten einsatzbereit im Fahrzeug sitzen, Vorwürfe machen lassen, dass es Anwohnern nachts und mittags zu laut ist. Diesen Leuten bleibt wohl nur zu wünschen, dass ihnen nachts nicht mal etwas passiert.

Im Gemeindegebiet Torgau ist dem Stadtwehrleiter Thomas Bein keine Beschwerde über den Einsatz des Martinshorn bekannt. Angesichts dessen, was diese Menschen 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag bereit sind zu tun, um anderen zu helfen, ist das auch gut so.


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