Mittwoch, 14. November 2018

 
Mittwoch, 7. November 2018

NORDSACHSEN

Krankenpfleger kämpft um internationale Starts

Marco Kroß ist ein reiner Freizeitportler und nun doch Teil des "Team Tokio" des sächsischen Landessportbundes.Foto: TZ/Archiv ?

Von Norbert Töpfer

Marco Kroß wurde gemeinsam mit Paul Pigorsch ins sächsische "Team Tokio" berufen. Und doch unterscheidet die beiden Trapschützen ein wichtiger Fakt. Marco Kroß ist kein Profisportler.

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Marco Kroß vom SSC Neiden hat in diesem Jahr die Rückkehr in die Deutsche Nationalmannschaft der Trapschützen geschafft. Seine Nominierung rechtfertigte er gleich zu Beginn des Jahres mit dem 21. Platz beim Weltcup-Wettkampf in Mexiko.
Der Neidener bestätigte seine Zugehörigkeit zu dieser Auswahl mit weiteren starken Auftritten. Dazu gehört Rang vier bei den Deutschen Meisterschaften und der Sieg bei einem der  deutschen Ranglistenwettkämpfe. Die Qualifikation zur Wurftauben-Europameisterschaft verfehlte der 26-Jährige allerdings. „Meine Flinte war kurz zuvor kaputt gegangen, so dass ich mit einer anderen schießen musste. Dieses Handicap konnte ich nicht ausgleichen.Für die Saison 2019 hat Kroß anspruchsvolle Ziele: „Ich möchte sowohl bei der Welt- als auch bei der Europameisterschaft starten.“ Dafür muss der Neidener in der Qualifikation der besten Deutschen für diese Saisonhöhepunkte mindestens Rang drei schaffen. EM- und WM-Teilnahme wären Etappen „zu meinem großen Traum“. Der Nordsachse verrät sein anspruchsvolles Ziel: „Ich möchte 2020 bei den Olympischen Spielen starten. Im Augenblick sehe ich mich noch nicht in Tokio. Aber ich habe eine Chance, wenn ich meine Leistungen weiter verbessere. Das Größte wäre, dort mit meinem SSC-Teamkollegen Paul Pigorsch zu schießen. Wir verstehen uns gut, obwohl wir eigentlich Konkurrenten für den Kampf um die Plätze in der Nationalmannschaft sind.“ Kroß lächelt, wenn er von Olympia spricht, obgleich er weiß, wie schwer der Weg dorthin ist.
Knallharter Kampf
Um den Sprung nach Tokio zu schaffen, müssen die deutschen Trapschützen die zwei möglichen Quotenplätze für die Olympischen Spiele erkämpfen. Erst dann werden die zwei Olympia-Teilnehmer in einer nationalen Qualifikation ausgeschossen. Zu denen möchte Kroß gehören. Um die Quotenränge gibt es einen knallharten Kampf gegen starke internationale Konkurrenz. Dafür müssen einmal die Plätze eins oder zwei bei Welt- und Europameisterschaften, bei Weltcups oder bei einigen weiteren wichtigen Wettkämpfen erreicht werden. Belegen diese Ränge Schützen, die bereits Quotenplätze belegt haben, könnten auch die Plätze drei und vier dafür reichen.
Kroß selbst sieht sich im Augenblick unter Deutschlands besten Trapschützen als Nummer drei bis vier. Seit dem Umzug von Schießlehrer Uwe Kammer zum Berliner Schützenclub Diana wird Kroß im SSC Neiden von Andreas Murche trainiert.
Eigentlich ist es ein ungleicher Kampf von Kroß gegen die nationale und internationale Konkurrenz. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern ist der Neidener zwar Leistungssportler, aber gleichzeitig lupenreiner Freizeitschütze. Der Nordsachse arbeitet im Krankenhaus Eilenburg als Pfleger im Schichtdienst. Das Training absolviert er in seiner Freizeit.
Traumberuf Krankenpfleger
Für Trainingslager mit der Nationalmannschaft und für Wettkämpfe nimmt er meist freie Tage, resultierend aus Überstunden in seinem Schichtdienst. Zu einigen Wettkämpfen wird er auch von seinem Arbeitgeber freigestellt. Kroß gesteht ein: „Sportlich wäre es günstig, wenn ich mich als Sportsoldat oder Sportpolizist voll aufs Schießen konzentrieren könnte. Aber andererseits mache ich meine Arbeit als Krankenpfleger gern. Es ist mein Traumberuf.“
Kroß hat nach seinen Wettkampfhöhepunkten in diesem Jahr praktisch keine Trainingspause eingelegt. Eine Woche im Sommer habe er mal ausgesetzt. An freien Tagen trainiert er den ganzen Tag. „Ich schieße gern. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen mal eine Woche nicht trainieren kann, werde ich unruhig.“ Am liebsten übt er vor dem Spätdienst. „Dann bin ich von 9 bis 12 Uhr auf dem Schießstand und habe genügend Zeit. Dass ich danach noch arbeiten muss, stört mich nicht. Wenn das so wäre, brauchte ich gar nicht erst anzufangen mit dem Training. Nach der Frühschicht ist es im Winter ungünstig mit dem Üben, weil ich erst gegen 15 Uhr beginnen kann. Und ab 16 Uhr wird es dunkel.“
Fitness-Training absolviert er selten. „Ich bewege mich während meiner Arbeit genug“, sagt er lachend. Sein Ziel, Starts bei den wichtigen nationalen und internationalen Wettkämpfen, sieht Kroß als real an. „Ich trainiere umfangreich trotz meines Jobs. Ich habe den Vorteil, locker an meinen Sport rangehen zu können, weil ich nicht davon lebe“, sagt der Nordsachse und fügt lächelnd an: „Mich baut auf, dass ich als voll Berufstätiger unsere Profis ab und zu ärgern kann.“ Und Kroß sieht einen weiteren Pluspunkt für sich: „Mit 26 Jahren habe ich meine beste Zeit als Schütze noch vor mir.“ Norbert Töpfer

Info: Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften wurden die ersten vier Quotenplätze ausgeschossen und gingen an Spanien, Slowakei, Kuwait und Australien. Weitere Quotenplätze für die Einzelwettbewerbe gibt es bei den Weltcups 2019 in Acapulco (Mexiko), Al Ain (Vereinigte Arabische Emirate), Changwon (Südkorea) und Lima (Peru), bei den European Games 2019 in Minsk, den Europameisterschaften 2019/2020 sowie bei europäischen Olympia-Qualifikationsturnieren 2020. Die letzten drei Plätze für die olympischen Wettkämpfe in Japan werden über die Weltrangliste (1) und über eine ISSF-Kommission (2) vergeben (ISSF: International Shooting Sport Federation – Schießsport-Weltverband.

Bundestrainer zieht Hut vor Marco Kroß

Uwe Möller ist Bundestrainer der deutschen Trapschützen. Zu seinen Schützlingen gehört neben Paul Pigorsch (27) aus Süptitz seit diesem Jahr auch der Neidener Marco Kroß (26). Beide Sportler sind für den SSC Neiden aktiv. TZ sprach mit Möller über Kroß, den einzigen „Freizeitsportler“ in der Deutschen Nationalmannschaft.
TZ: Marco Kroß gehört erst seit diesem Jahr zur deutschen Nationalmannschaft. Wie schätzen Sie ihn ein?
Uwe Möller:
Von der sportlichen Technik her hat Marco Kroß ein unheimlich großes Potential. Er ist unter unseren Schützen vorne mit dabei und erreicht sehr gute Werte.
Reicht das, um für die großen internationalen Wettkämpfe nominiert zu werden?
Jetzt muss er seine Fähigkeiten im Wettkampf umsetzen. Er soll dafür Wettkampferfahrung sammeln. Deshalb braucht er  unbedingt Einsätze. Wir sind derzeit noch in der Planung für die Besetzung der internationalen Events im nächsten Jahr.
Wie schätzen Sie die Leistung von „Freizeitsportler“ Marco Kroß ein. Ist er in der Lage ist, in der deutschen Spitze mitzumischen?
Marco ist kein Sportler, der bei einer Behörde angestellt ist und sich voll auf das Schießen konzentrieren kann. Er muss sich als Krankenpfleger seine Brötchen mit normaler Arbeit verdienen. Umso so höher ist es ihm anzurechnen, dass er eine solche beachtliche Leistungsentwicklung genommen hat. Marco muss sein tägliches Leben so abstimmen, dass er sein Training in seiner Freizeit absolviert. Auch mit seinem Arbeitgeber muss er diese Zeiten immer wieder abklären. Das ist alles gar nicht so leicht. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, wie er das alles bewerkstelligt.
Wird er von Ihnen trotz seines „Freizeitsportlerstatuses“ behandelt wie seine Teamkollegen?
Ja natürlich. Marco bekommt im nächsten Jahr Weltcup-Einsätze. Die Gespräche dafür finden gerade statt.
Wie sind seine Chancen für einen Olympiastart einzuschätzen?
Das ist schwierig einzuordnen, weil im Moment erst mal der Kampf um die Olympischen Startplätze, auch Quotenplätze genannt, im Gange ist. Der steht im Vordergrund. Erst einmal brauchen wir diese Startplätze, dann können wir uns konkreter über Olympia unterhalten.

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