Mittwoch, 21. August 2019
Donnerstag, 8. November 2018

DOMMITZSCH

Fährhaus wird vermisst

Fährhaus um 1992.Foto: Archiv Museum

Von Hermann Förster

Das Brau- und Schankwesen in der Stadt Dommitzsch

 

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Dommitzsch. 1847 bis 1862 wurden die Elbdämme errichtet. Grund dafür war das große Hochwasser Ende März 1845. An der Dommitzscher Fähranlegestelle, noch heute Anlaufziel für Spaziergänger, Radfahrer, Autofahrer und Bootsnutzer, herrschte auch schon früher zeitweise reger Verkehr. So legten zum Beispiel im 19. Jahrhundert die Dommitzscher Bürger Sickert und Ehrlich, gleich neben der Fähranlegestelle ihre Elbkähne vor Anker, die mit Böhmischer Braunkohle beladen waren. Sie wurden hier entladen und vielfach gleich vor Ort verkauft. Aus diesem Grunde gab es hier auch eine Fuhrwerkswaage.

Einer der Elbkahnbesitzer kam nun auf den Gedanken, aus diesem Verkehr einen zusätzlichen Nutzen zu ziehen. Und da Arbeit vor allem im Sommer bekanntlich durstig macht, wollte er die Möglichkeit schaffen, den Durst in einer Gaststätte zu stillen. Dieser Schiffseigner und Kohlenhändler, Pächter der Prettiner Elbfähre (die Fähre gehört zur Stadt Prettin) und Fährmann, Friedrich Gotthelf Ehrlich, errichtete also 1865 ein Fährhaus und versah es, neben seiner Wohnung, mit einer Gaststätte. Er beantragte und erhielt auch die erforderliche Schankkonzession. Die Arbeiter, die die Kohle transportierten, die Kohlenkäufer, aber auch die Benutzer der Elbfähre nahmen die Gaststätte schnell an und es dauerte nicht lange, bis auch Dommitzscher Bürger hier einkehrten. Der Sohn von Ehrlich wurde mit den gleichen Berufen sein Nachfolger und diesem folgte 1890 der Schwiegersohn des älteren Ehrlich, der Kapitän Gustav Ebenhan. Da die Gaststätte gut besucht wurde, erweiterte Ebenhan das Angebot durch die Errichtung eines Saales im Jahre 1893.

Nun konnten auch Tanzveranstaltungen und kleinere Feste durchgeführt werden. 1907 wurde das Fährhaus durch einen Brand völlig vernichtet, jedoch wieder aufgebaut. Um 1909 verzog Ebenhan nach Dommitzsch. Das Fährhaus führte der Gastwirt Otto Gerlach weiter und danach dessen Nachkommen. 1935 wurde hier der Fährmann Otto Mattersteig genannt, sicher nur als Pächter, denn 1935/36 ist Georg Zolchow als Besitzer ausgewiesen. Diesem folgte 1936 bis 1961 die Familie Anton Kempara als Besitzer und Gastwirt. Zu seiner Zeit fanden viele gemütliche Veranstaltungen im kleinen Saal des Fährhauses statt.

A. Kempara musste den zweiten großen Schicksalsschlag für das Fährhaus hinnehmen. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges flüchteten Armeeteile und Zivilbevölkerung auf einer Pontonbrücke über die Elbe. Im Fährhaus war eine Volkssturmeinheit untergebracht. Als die sowjetischen Einheiten Prettin erreichten, wurde die Brücke gesprengt. Am 23. April 1945, brannte auch das Fährhaus ab. Nach Aussagen von Bürgern soll es angebrannt worden sein, andere Aussagen geben den Beschuss als Ursache an. Der Neuaufbau, zunächst ohne Saal, machte viele Schwierigkeiten, da es an Baumaterial fehlte. Kempara verkaufte 1961 an den Bäckermeister Alfred Schmidt Senior, der weiter umbaute. Schmidt verkaufte es wieder 1976 an die Familie Dietmar Staude. Diese nahm erneut Umbauten vor. Es wurden Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen, sodass die Gaststätte auch als Hotel genutzt werden konnte.

Durch gute Angebote und eine freundliche Atmosphäre wurde die Gaststätte sehr gern aufgesucht. Die an manchen Tagen völlig gefüllten Parkplätze zeigten durch die Autokennzeichen, dass auch Gäste mit weiten Anfahrtswegen den Besuch nicht scheuten. Reisegruppen bei Schlachtfesten und viele Familienfeiern machten die Gaststätte unverzichtbar und bezeugten, dass sich eine Einkehr hier lohnte. Obwohl von der Elbe nur durch den Damm getrennt, haben die Elbfluten ihr kaum geschadet. Lediglich die Zufahrtsstraße stand früher öfters unter Wasser, was für die Bewohner des Hauses gewisse Schwierigkeiten beim Zugang mit sich brachte.
So hätte es weitergehen können, wenn nicht das Jahr 2002 mit seinem Hochwasser und dem Dammbruch am Musikantendamm alles geändert hätte.

Das Fährhaus wurde am 17.08.2002 aufgegeben, da schon an einigen Stellen Wasser über die Dämme lief. Am gleichen Tag, um 13.30 Uhr, brach der Musikantendamm. Das Wasser ergoss sich über die Kabelfelder. Das Erdgeschoss des Fährhauses stand unter Wasser und das Wohnhaus des Wirtes versank im Wasser. Nach dem Verschwinden der Flut wurde ab 20.08.2002 sofort die Renovierung eingeleitet. Am 4.09.2002 bediente der Wirt wieder seine Gäste. Nach über 30 Jahren verkaufte D. Staude altershalber das Fährhaus. Am 18.01.2008 geschah die Neueröffnung durch Michael Mattersteig, man konnte im Fährhaus weiter feiern und übernachten.

Im Juni 2012 wurde jedoch bekannt, dass die Ackerflächen zwischen Dommitzsch, Drebligar und Polbitz in Zukunft bei Hochwasser als Polderflächen ausgewiesen werden sollen. Auf der Fläche von etwa 275 Hektar sollen rund 9 Millionen Kubikmeter Wasser der Elbe zurückgehalten werden. Hier stand aber auch das Fährhaus. Nach der Schließung am Jahresende rissen Bagger im April 2016 das Fährhaus ab. Und die Dommitzscher Bürger? Wir haben schon so manches verloren, auch das müssen wir überstehen. Sicher ist die Fähre zwischen Prettin und Dommitzsch nicht vom Fährhaus abhängig und wird weiterhin die Verbindung zwischen den zwei Orten gewährleisten, aber das Haus, das über 150 Jahre hier stand und zur Einkehr lud, wird fehlen. Ging doch mit dem Fährhaus nicht nur eine der letzten Gaststätten der Stadt verloren, sondern auch eine Möglichkeit für Familienfeiern im vorhandenen kleinen Saal.
                                                                        (Quellen: Chronik ) Fortsetzung folgt. 


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