Dienstag, 11. Dezember 2018

 
Dienstag, 13. November 2018

OSTELBIEN

Die lautlose Gefahr

Hoch ragen die Windräder auf der brandenburgischen Seite über den Bäume der Beilroder Falkenstruth.Foto: Schulz

Von Niels Schulz

Ostelbien. TZ-Umweltseiten-Autor Niels Schulz meint, Infraschall von Windkraftanlagen sei nicht zu unterschätzen

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Nicht alles, was als sauber bezeichnet wird, ist auch sauber. So bin ich immer wieder erzürnt, wenn mir Naturfreunde aus der ganzen Republik von den Auswirkungen berichten, die das Aufstellen und der Betrieb dieser überdimensionierten Windkraftanlagen (WKA) erzeugen. Als Ostelbier, der direkt an der Grenze zu Brandenburg wohnt, bin ich selber unmittelbar mit diesen Energieumwandlern konfrontiert.

Dabei stütze ich mich nicht nur auf eigene Beobachtungen, sondern lese aufmerksam Fachbeiträge und sehe entsprechende Dokumentationen im Fernsehen. Und mich ärgert sehr das Herunterspielen entsprechender Forschungsergebnisse von Verantwortlichen oder von Freunden der Windkraft, um ihre Interessen durchzusetzen.

Eine Meldung in der regionalen Presse lies mich aufhorchen: Wenn bei WKA, die älter als zwanzig Jahre sind, die üppige Förderung wegfällt, nimmt der Betreiber sie vom Netz, weil sie für ihn unrentabel sind. Das bedeutet, dass diese Anlagen auch nach der langen Laufzeit nicht wirtschaftlich geführt werden können.

Was soll also ein vermehrter, kopfloser Ausbau der WKA in der Zukunft bringen? Wenn diese Anlagen keinen Profit mehr erwirtschaften, bleiben sie also einfach stehen und der Betreiber verdient an neuen Anlagen?

Der Infraschall – dessen Frequenzen liegen unterhalb der menschlichen Hörfähigkeit – wird oft unterschätzt. Die Behauptung: Was ich nicht höre, ist nicht gefährlich, wird nach neuester Forschung nicht bestätigt. Die Auswirkungen auf die Lebewesen sind enorm und werden nicht entsprechend gewürdigt. Denn Infraschall ist Energie und jede Energie hat auf unserem Organismus Auswirkungen. So untersuchte Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, mit seinem Team die Auswirkungen des Infraschalls auf die menschlichen Herzmuskelfasern. Er stellte bei seinen Versuchen fest: „…hat man eine eindeutige Verminderung der Herzmuskelkraft bei Beschallung mit Infraschall-Signalen gesehen...“. Eine Tatsache, die keiner ignorieren kann und für Anrainer an solchen Anlagen gefährlich wäre.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigten auf, dass der  unbewusst wahrgenommene Infraschall Lebewesen möglicherweise in Dauerstress versetzt, weil er die Schallwellen nicht hört, die Vibrationen aber spürt, demzufolge nicht die Ursache lokalisieren kann. Offiziell wird von den Behörden der Schall nach der DIN 45680 gemessen. Diese fasst benachbarte Frequenzen zu sogenannten Terzbändern zusammen. Damit glättet sie mögliche Spitzen einfach weg. Und Frequenzen unter 8 Hz werden erst gar nicht in die Betrachtung einbezogen.

Wer selber mal in der Nähe einer Windanlage stand, wird wissen, wie stark die Vibrationen auf den Organismus wirken, wenn die überdimensionierten Rotoren den Turm passieren und die Luft zusammendrücken. Und nach den Messungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ist der Infraschall noch in 20 Kilometern zu messen und bei Windparks noch weiter. Inwiefern der Infraschall in das Ortungs- und Kommunikationssystem der Tiere eingreift, sollte auch unabhängig erforscht werden.

Ansonsten wird der Ausbau der WKA zum großen Feldexperiment an der Umwelt und könnte – so wie damals ähnlich – wie die Röntgenstrahlen enden. Diese galten anfänglich auch als ungefährlich, weil nicht sichtbar. Heute sind wir klüger, auch weil es immer Forscher gab, die sich nicht einschüchtern ließen. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht und im Zweifel sollte die Umwelt im Vordergrund stehen und nicht der Profit einiger weniger, der noch subventioniert wird.


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