Dienstag, 11. Dezember 2018

 
Montag, 19. November 2018

TORGAU

Kann Liebe trotz herrschender Intoleranz und Ausgrenzung bestehen?

Anna Lina-Schröder und Julius Brendler, beides Zwölftklässler des JWG, schlüpfen im Stück in die Rollen von Eva und Paul.Foto: Georg Milling

von unserer Volontärin Elisa Perz

Torgau. „Blindgänger ´43 – Leben unterm Hakenkreuz“ – so lautet der Titel des neuen Theaterstückes, das zwei Zwölftklässlerinnen des JWG geschrieben haben und das sich mit dem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus befasst.

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Bekleidet mit Hakenkreuzuniformen liefen mehrere Schüler des Johann-Walter-Gymnasiums (JWG) vor wenigen Wochen durch Torgau. Vor heimischer Kulisse auf den Torgauer Elbwiesen streckten sie den rechten Arm mit flacher Hand ind die Höhe - zum Hitler-Gruß. Kritische, entsetzte, teilweise sogar feindliche Blicke von Beobachtern blieben dabei nicht aus. Doch die Gymnasiasten stellten diese Szenen nicht grundlos dar. Sie waren Teil der Dreharbeiten für den Trailer der neuen Musik-Theater-Inszenierung „Blindgänger ´43 – Leben unterm Hakenkreuz“. Diese stellt das JWG in Zusammenarbeit mit der Torgauer Lebenshilfe und der Musikschule „Heinrich Schütz“ gerade auf die Beine. Geschrieben haben das Stück die Zwölftklässlerinnen Lena Pihan und Franziska Franke, die das Video sogar bei der VISIONALE LEIPZIG 2018 sowie beim Sächsischen Schülerfilmfestival einreichten. Die letztere der beiden Bewerbungen sieht bis jetzt vielversprechend aus. Immerhin wurde der Trailer für den diesjährigen „Film ab!“-Preis nominiert. Am Samstag entscheidet sich, ob „Blindgänger ´43 – Leben unterm Hakenkreuz“ wirklich den ersten Platz belegt.

Worum geht es?

Das Theaterstück spielt, wie der Name schon erahnen lässt, im Jahr 1943, als das Reichskriegsgericht und das damit verbundene Wehrmachtsstrafgefängnis Fort Zinna/Brückenkopf in Torgau seinen Sitze hatte. Die fünfköpfige wohlhabende Familie Grundenberg lebt zu jenem Zeitpunkt in Berlin. Vater Georg zählt zu den Richtern des Reichskriegsgerichtes und muss zusammen mit seinen Töchtern Eva und Margarethe sowie dem jüngsten Sohn Konrad den Verlust seines Ältesten, Eugen, verkraften, der als Soldat bei der Schlacht um Rschew ums Leben kam. Lediglich Ehefrau Elisabeth sieht das Ansehen der Familie in Gefahr anstatt in Trauer zu versinken. Deshalb ist es für sie unausweichlich, die neunzehnjährige Krankenschwester Eva in die Hände eines ehrwürdigen Mannes zu geben. Sie ist abgesehen von dem siebenjährigen Konrad neben Margarethe das letzte Kind, dessen Hochzeit noch nicht geregelt ist.

Von den Wünschen ihrer Mutter ist Eva allerdings gar nicht begeistert und flüchtet mit ihrer Freundin Charlotte nach Schlesien an die Front, um in einem dortigen Feldlazarett ihren Dienst für das Vaterland zu leisten. Während der Arbeit verliebt sich die Krankenschwester Hals über Kopf in einen ihrer Patienten, in den Soldaten Paul Mai. Beide heiraten nach der Genesung des charmanten jungen Mannes, der sich anschließend in den Krieg stürzt. Seine Liebste kehrt hingegen nach Berlin zurück und verliert vor lauter Sehnsucht nach Paul ihre beiden Freundinnen Charlotte und Marthe aus den Augen. Letztere ergriff nicht die Flucht nach Schlesien,  sondern blieb in der Reichshauptstadt und nahm einen Job als Krankenschwester für Euthanasie in der Charité an. Eine Entscheidung, die sie stark veränderte. Denn durch die systematische Ermordung von unschuldigen Personen ist sie immer gefühlloser geworden.

Aber auch das Leben von Charlotte hat sich enorm gewandelt. Sie ist mittlerweile trotz der Rassenschande im Dritten Reich mit dem Juden Elias liiert. Als dieser sie wegen seines Arbeitseinsatzes in Auschwitz verlassen muss, fällt „Lotte“ in ein tiefes Loch der Verzweiflung und vertraut sich ihren Freundinnen an. Doch das nationalsozialistische Regime, dessen Propaganda und der scheinbar endlose Krieg stellen sowohl die Verbindung der drei jungen Frauen als auch die Moral von Paul und Elias auf eine harte Probe. Demzufolge stellt sich die Frage: Können Freundschaft, Familie und die Liebe trotz der vorherrschenden Konventionen angesichts Intoleranz und Ausgrenzung weiter bestehen?  

Intention der Autoren

„Es entwickelt sich im Laufe des Stückes ein Konflikt zwischen der Regimetreue und der eigenen Menschlichkeit. Diesen haben wir genauso wie die anderen Themen wie Nationalsozialismus, Holocaust oder Euthanasie ganz bewusst ausgewählt. Für uns war und ist es wichtig, in der aktuellen Zeit wieder aufkommender rechtsextremer Strömungen ein klares Zeichen gegen Gewalt, Ausgrenzung, Intoleranz und den übertriebenen Stolz auf das eigene Land zu setzen“, sagt Franziska ganz klar.

Franziska Franke (links) und Lena Pihan haben das Stück geschrieben. Foto: TZ/Perz

Sie und Lena wollen jedem mithilfe der Inszenierung verdeutlichen, wie wichtig Toleranz, Akzeptanz und Nächstenliebe sind. Dafür beschäftigen sie sich seit Herbst 2016 intensiv mit der Ausarbeitung ihres Projektes. Auf die Recherche folgte der erste Entwurf. Bis zum fertigen Konzept zog eine Änderung die nächste nach sich. Selbst die Suche nach dem richtigen Titel gestaltete sich schwieriger als gedacht. Erst einer der Protagonisten kam auf die Idee für Blindgänger. „Der Begriff steht bei uns weniger für die allgemeine Bezeichnung einer Bombe, die nicht explodiert und somit ihren Zweck nicht erfüllt. Vielmehr bezieht sich der Name einerseits auf die Hauptfigur Paul, der als Soldat im Krieg nicht wie gefordert kämpft“, erklärt Lena die Intention. Anderseits seien die Akteure gemeint, die dem Regime nicht blind folgen, sondern die Entscheidungen der Regierung in Frage stellen.

„Eine derart kritische Betrachtungsweise zieht sich durch die gesamte Handlung unseres Stückes. Das wird nicht allen Zuschauern gefallen. Ganz im Gegenteil, sicherlich fallen auch einige negative Kommentare“, vermuten die Schülerinnen. Doch das sei für sie in Ordnung, solange keiner die Intention ihres Werkes komplett verdrehe.

Viel Unterstützung

Außerdem können die beiden Mädchen schon jetzt auf eine Vielzahl an Befürwortern bauen. Neben Familienmitgliedern, Freunden, Lehrern – allen voran Dr. Gabriele Hönicke, die ihnen als Lehrerin im Fach Medien in den letzten Monaten stets zur Seite stand – haben sie ebenso schon von den Darstellern viel positive Resonanz erfahren. Insgesamt wirken 123 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zwölf, Menschen mit Behinderung sowie Musiker an dem Projekt mit. Außerdem wurde das Team bei der Erstellung des Trailers und der im Theaterstück integrierten Filmsequenzen von der Leipziger Produktionsfirma 99pro Media unterstützt. Ohne die Torgauer Justizvollzugsanstalt und deren Leiter Erico Anselmi wären unter anderem die Herstellung der Kulissen und Requisiten nicht möglich gewesen, während die Oper Leipzig die Kostüme bereitstellte. „Nicht zu vergessen ist zudem das Torgauer Dokumentations- und Informationszentrum, deren Mitarbeiter die Inszenierung auf die inhaltliche richtige geschichtliche Darstellung überprüft und uns bei der Hintergrundrecherche unter die Arme gegriffen haben. All jenen Unterstützern sowie den zusätzlichen Sponsoren gilt unser herzlichster Dank“, versichert Franziska, bevor Lena Sebastian Gemkow auf der Aufzählung hinzufügt. Den Sächsischen Justizminister konnten die Gymnasiastinnen nämlich als Schirmherrn gewinnen.

Premiere im Juni 2019

Für beide ist das Projekt nicht schlichtweg irgendeine eine Note im Abitur, sondern eine Herzensangelegenheit. Zu sehen, wie alles immer größere Gestalt annehme, sei beeindruckend, schwärmen die Autoren. „Schon bei den Dreharbeiten für den Trailer haben wir gesehen, dass jeder der Mitwirkenden sein Bestes gibt, um unseren Vorstellungen gerecht zu werden.“ Dabei waren gerade diese zwei Tage enorm anstrengend. Bis abends um acht oder neun Uhr standen die Darsteller vor der Kamera. „Aber der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Selbst die Akteure waren während des Drehs von der Authentizität, die durch die Kostüme und Kulissen entstand, beeindruckt, teilweise sogar schockiert. So wuchs von Aufnahme zu Aufnahme die Begeisterung für das Theaterstück und auch die Vorfreude auf die Proben.“

Diese starten ab Dezember. Rund sieben Monate verbleiben anschließend, um die fünf Akte bestehend aus 26 Szenen von „Blindgänger ´43 – Leben unterm Hakenkreuz“ einzustudieren. Denn bis zur Premiere am 22. Juni 2019 im Torgauer Kulturhaus muss jedes Detail sitzen. Schließlich wartet auf das 123-köpfige Team ein großes Publikum. 500 Gäste haben in dem Saal Platz.

Wer sich momentan noch unsicher ist, ob sich das Zuschauen lohnen wird, sollte ab Januar nächsten Jahres im Kino in der Kulturbastion vorbeischauen. Von da an wird der Trailer des Projektes im KAP ausgestrahlt.


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