Dienstag, 11. Dezember 2018

 
Freitag, 7. Dezember 2018

TORGAU

So viel soll der neue Bahnhof kosten

Foto: IB Zinnert

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Die TZ war zu Gast beim Ingenieurbüro Zinnert und ließ sich ganz genau erklären, wie sich die Kosten für die Sanierung sowie den Abriss und Neubau des Torgauer Bahnhofs zusammensetzen.

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3,7 Millionen Euro würde laut aktuellem Planungsstand die Sanierung des alten Bahnhofs kosten, 2,24 Millionen der Abriss samt Neubau. Stellt man die beiden Zahlen gegenüber, scheint die wirtschaftliche Entscheidung ganz einfach zu sein. Neubau vor Sanierung. Nichtsdestotrotz werden jetzt, kurz bevor der Stadtrat am kommenden Mittwoch den Abriss beschließen soll, Stimmen laut, die diese Zahlen anzweifeln und gerade die der Sanierungskosten für überzogen halten. Das für die Planung des neuen Bahnhofs engagierte Torgauer Ingenieurbüro Zinnert präsentierte der TZ die aufgeschlüsselten Kosten und Bauzeiten, um in den ganzen Prozess etwas Transparenz zu bringen.

Ein Fünftel dafür, dass die Züge fahren

Zuerst einmal zum geplanten Abbruch und Neubau. Hier ist zuallererst festzuhalten, dass sich die 2,24 Millionen Euro, mit denen das Projekt zu Buche schlägt, nicht nur rein auf das neue Bahnhofsgebäude bezieht. Das soll rund 1,82 Millionen Euro kosten.

Hinzu kommen dann noch mehrere kleinere, aber nicht minder wichtige Positionen. Ganz am Anfang des gesamten Prozesses steht natürlich der Abbruch des Hauptgebäudes. 187 200 Euro soll dieser kosten, was sich vor allem mit dem Standort des Bahnhofs erklären lässt. Da das Gebäude unmittelbar an den Bahnsteig und die Schienen anschließt, muss vor dem Abriss eine ungefähr neun Meter hohe Schutzrüstung zwischen Bahnhof und Bahnsteig errichtet werden, damit kein Bauschutt in den Bereich der Schienen fallen kann. Dies ist ebenfalls der Grund dafür, dass das Obergeschoss samt Dachstuhl komplett von Hand abgebrochen werden muss und erst im Erd- und Kellergeschoss Maschinen zum Einsatz kommen können.

Dadurch steigen die Kosten auch entsprechend in die Höhe. Der zweite kleinere Posten ist die Erhaltung des Stellwerks (s. Foto: 1). Diese ist unausweichlich, da man den unsanierten Bahnsteig 2 lediglich mit Hilfe des Bahnpersonals, welches diesen freigibt, erreichen kann. So muss das Stellwerk erst vom Hauptgebäude getrennt werden, bevor dann eine Toilette samt Waschbecken, entsprechender Wärmeschutz und eine elektrische Heizungsanlage eingebaut wird. All das ist bislang im Hauptgebäude untergebracht. Am Ende schlägt die Erhaltung des Stellwerks mit insgesamt 17 600 Euro zu Buche.

1. Das Stellwerk, welches auch nach dem Neubau noch erhalten bleiben soll.
2. Die beiden Container für den Übergangs-Bahnshop.
3. Am liebsten würde die Bahn das Bahnsteigdach erhalten.
4. Zwei mobile Wartehäuschen müssten von der Stadt gekauft werden.

Container als Bahnshop

Ist der Bahnhof erst einmal abgerissen, muss natürlich für eine entsprechende Übergangslösung gesorgt werden. Schließlich muss der Bahnverkehr ja weiterhin reibungslos ablaufen können. Für diese so genannte Interimslösung fallen insgesamt 34 700 Euro an. Einen Großteil des Postens machen dabei die beiden Container (2) aus, die auf dem Bahnhofsvorplatz platziert werden und als Ersatz für den Bahnshop dienen sollen. Diese müssen natürlich dann noch an das Trinkwasser-, Abwasser- und Stromnetz angeschlossen werden und werden dann auch die komplette Bauzeit über genutzt.Ein Posten, den Uta Zinnert am liebsten komplett streichen würde, ist die Erhaltung des Bahnsteigdaches (3). Wie die Bahn mitteilte, wolle man am liebsten die alte Überdachung über dem Bahnsteig 1 stehen lassen, was jedoch einen hohen baulichen als auch finanziellen Aufwand mit sich bringen würde. Hierfür würden 38 900 Euro fällig werden.

Die von der Planerin favorisierte Variante sind zwei Wartehäuschen (4), welche die Stadt für 15 500 Euro kaufen kann und welche dann bis zur Fertigstellung des Bahnhofs den Reisenden Schutz bieten können. Werden sie an dieser Stelle nicht mehr gebraucht, können sie ganz einfach woanders im Stadtgebiet platziert werden. Die ist auch die Variante, mit der bei der Kalkulation von 2,24 Millionen Euro gerechnet wurde.

Die sogenannten Medien, also die Lautsprecher- und Stromversorgung sowie die Telekommunikation und die Erhaltung der Bahnhofsuhr und des Stellwerks sind ein weiterer Posten im Gesamtpreis des neuen Bahnhofs. Für geschätzt 25 000 Euro müssen diese nicht nur vor dem Abbruch abgetrennt werden, die Interimslösungen müssen dann entsprechend auch wieder damit versorgt werden.

Grüne Fläche statt Brache

Und zu guter Letzt muss natürlich auch noch das Bahnhofsumfeld, also die durch den Abbruch des Hauptgebäudes entstehende Freifläche, gestaltet werden. Hierfür werden vom Ingenieurbüro Zinnert 138 800 Euro veranschlagt, welche dann vor allem für eine Begrünung sowie die Ausstattung des Areals mit Bänken und sicheren Fahrradabstellmöglichkeiten verwendet werden sollen.
Insgesamt soll der gesamte Prozess 15 Monate in Anspruch nehmen, davon sind 4 Monate für die vorbereitenden Maßnahmen und den Abbruch geplant, 15 für den Neubau. Der neue Bahnhof soll am Ende eine Fläche von rund 400 Quadratmeter aufweisen. Das jetzige Gebäude hat auf beide Etagen verteilt eine Fläche von 1047 Quadratmetern, hinzu kommen noch einmal 370 Quadratmeter Kellerfläche.

Der größte Teil ist die Sanierung

Und auch wenn am kommenden Mittwoch im Stadtrat über den Abriss des alten Bahnhofsgebäudes abgestimmt werden soll, ist im Moment auch noch dessen Sanierung im Gespräch. Diese soll ,laut dem Ingenieurbüro Zinnert, summa summarumrund 3,7 Millionen Euro kosten.

Im Gegensatz zum Abbruch und Neubau fallen diese jedoch so gut wie gar nicht ins Gewicht. 3,622 Millionen Euro soll die reine Sanierung kosten, bleibt also nur noch ein minimaler Rest für die anderen Posten.  Diese fallen genau gleich teuer aus wie im Falle eines Neubaus. 14 000 Euro für die Erhaltung des Stellwerks, 34 700 Euro für die Bahnshop-Interimslösung, 15 500 Euro für die beiden Wartehäuschen und 25 000 Euro für die Medientrennung und die entsprechende Versorgung der Interime. Der Abbruch des Gebäudes entfällt natürlich. Die komplette Bauzeit für eine Sanierung des 146 Jahre alten Gebäudes wird mit 26,5 Monaten angegeben. 24 davon sind für die reine Sanierung geplant.

„Ich bin wirklich niemand, der gern alte, historische Gebäude abreißt“, weist Uta Zinnert die Kritik zurück, man würde hier einen wichtigen Teil des Torgauer Stadtbildes abreißen. „Unser Ingenieurbüro hat als verantwortlicher Bauleiter das Torgauer Rathaus, die Superintendentur, die Kurfürstliche Kanzlei, große Bauabschnitte des Schlosses Hartenfels und noch zahlreiche weitere historische Denkmäler saniert.“ Im Falle des Bahnhofs zieht sie jedoch, nicht nur aus rein wirtschaftlichen Gründen, einen Abriss samt Neubau vor. Es ist in erster Linie das fehlende Nutzungskonzept, welches sie in dieser Entscheidung bestärkt. „Es gab wirklich lange genug die Gelegenheit, Ideen für eine Nutzung einzubringen und es ist ja offenbar einfach nichts da. Deshalb sage ich, beißen wir in den sauren Apfel und setzen auf einen neuen, modernen Bahnhof.“

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