Donnerstag, 20. Juni 2019
Donnerstag, 13. Dezember 2018

TORGAU

Eine Nachbarin wie aus dem Bilderbuch

Per Videochat hatte sich Tochter Yvette aus der Schweiz mit dazugesellt und so ihrer geliebten Mutti eine Überraschung beschert, die sie wohl so schnell nicht vergessen wird. Foto: TZ/F.Wendt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. In ihrem Haus gilt Eleonore Barthel als „Mutter Teresa“ . Sie kümmert sich jederzeit um alles und jeden und sorgt dafür, dass das Leben im Haus nicht einschläft. Deshalb wurde sie als Nachbarin mit Herz ausgezeichnet.

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„Nächst den Personen deiner Familie bist du am ehesten deinen Nachbarn und Hausgenossen Rat, Tat und Hilfe schuldig.“ Das sagte schon der bekannte deutsche Schriftsteller Adolph Freiherr von Knigge im 18. Jahrhundert. Und gerade heute, in einer Zeit, in der gesellschaftliche Werte immer mehr der eigenen Selbstbeachtung weichen, sollte man sich immer wieder darauf besinnen. Denn in vielen Städten ist es heutzutage eher eine Ausnahme als die Norm, wenn man die Vornamen all seiner Nachbarn kennt.

Doch natürlich gibt es auch immer glühende Gegenbeispiele, die zeigen, dass es doch noch Menschlichkeit in deutschen Mehrfamilienhäusern gibt. Ein solches Beispiel ist auch Eleonore Barthel. Sie wohnt mit neun weiteren Parteien in Torgau und ist in ihrem Haus die gute Seele. Eine Nachbarin mit Herz also, wie sie im Buche steht.

Schöne Grüße aus der Schweiz

„Eleonore Barthel ist meine Mama. Sie ist  immer und ständig für andere da. Hat selber sehr wenig, teilt aber auch dies gern mit anderen. Selbst in schwierigen Zeiten kann man immer zu ihr kommen und sie hat immer ein offenes Ohr.“ Mit dieser Beschreibung wurde Lori Barthel, wie sie von ihren Freunden gern genannt wird, bei der TZ-Aktion Nachbarn mit Herz vorgeschlagen. Ihre Tochter, Yvette Georg hatte eine kurze Mail verfasst und geschildert, warum gerade ihre Mutti es verdient hätte, dafür ausgezeichnet zu werden. „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ihr mal etwas Gutes widerfährt“, hieß es in der Mail. Ein Wunsch, den man in der Vorweihnachtszeit natürlich schlecht abschlagen kann.

Es gab bei der ganzen Sache nur ein kleines Problem: Die Tochter wohnt gar nicht in Torgau, geschweige denn in Deutschlad. Bereits vor Jahren zog Yvette Georg in die Schweiz, was eine persönliche Überraschung, wie es bei Nachbarn mit Herz eigentlich üblich ist, denkbar schwierig machte. Kurzerhand wurde Jessica Geithner, die zweite Tochter von Lori Barthel und Besitzerin der Kultbar Dejavu in der Ritterstraße, mit eingeweiht. Die beiden Schwestern sprachen sich untereinander ab und schon wurde ihre geliebte Mutti mit dem Vorwand, man wolle mit ihr die Weihnachtsdekoration besprechen, in die Bar gelockt.

Dann, als Jessi und Lori gemütlich bei einem Kaffee zusammen im Dejavu saßen, platzte die Bombe. Auf einmal standen nicht nur TZ-Redakteur Nick Leukhardt und Sparkassen-Vertreterin Andrea Keil vor der Tür, sondern auch die 900 Kilometer weit weg wohnende Yvette lächelte ihrer Mutter entgegen. Zwar nur virtuell vom Smartphone-Display des Redakteurs, aber trotzdem stand Lori Barthel die Überraschung ins Gesicht geschrieben.

TZ-Redakteur Nick Leukhardt übergab zusammen mit Sparkassen-Filialleiterin Andrea Keil (r.) den gläsernen Pokal samt Präsentkorb an die Nachbarin mit Herz Eleonore Barthel. Eingefädelt wurde die Überraschung von Barthels Tochter Jessica Geithner samt Enkeltochter Zoe.

Die gute Seele ihres Hauses

„Ihr seid doch wirklich wahnsinnig, wie könnt Ihr denn sowas machen. Und mich dann auch noch so zu überraschen. Das kann ich jetzt grade gar nicht richtig verarbeiten“, war das erste, was aus dem vor Überraschung, Freude und Rührung strahlenden Mund von Lori Barthel herauskam. Die 65-Jährige, die sich schon ihr ganzes Leben lang um ihre Mitmenschen kümmert, war überwältigt. „Ich mache das doch gerne, für mich ist das doch selbstverständlich“, sagte sie. „Und genau deshalb hast Du Dir diesen Pokal auch so verdient“, entgegneten die beiden Schwestern im Chor.

Dass Lori Barthel mehr als nur eine nette Nachbarin ist, zeigte sich dann spätestens in der geselligen Runde, zu der sich alle Anwesenden dann nach der großen Überraschung zusammensetzten. Die Rentnerin, welche von ihren Nachbarn auch gern „Mutter Teresa“ genannt wird, erzählte von gemütlichen Bastelnachmittagen im Herbst, lauschigen Grillabenden im Sommer und ausgelassenen Feiern im Frühling, die bei ihr im Haus wahrlich keine Seltenheit sind. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen und sie ist stets darum bemüht, dass immer etwas los ist in dem Haus am Oberhafentor.

Ein Herz für Kinder

„Es gab einmal einen Tag, da war ich krank und wollte einfach nur meine Ruhe haben“, erinnert sich die Lori Barthel schmunzelnd. „Also habe ich einen Zettel geschrieben und an die Tür gehängt. Keine halbe Stunde hat es gedauert, bis der erste Nachbar klopfte und sich nach meinem Wohlbefinden erkundigte. Kurz darauf ein Weiterer. Und keine drei Stunden später hatte jede einzelne Partie einmal geklopft und nach mir gefragt. Das hat mir gezeigt, dass nicht nur mir meine Nachbarn wichtig sind, sondern ich ihnen genauso wichtig bin.“

Lori Barthels Engagement beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Mehrfamilienhaus mit all ihren Nachbarn, auch außerhalb hilft die Torgauerin wo sie nur kann. So ist sie auch im Technischen Hilfswerk aktiv mit dabei und kümmert sich dort um den Nachwuchs, die so genannten Zahnrädchen. „Die Arbeit mit Kindern ist für mich das Schönste auf der Welt. Wenn ich mit ihnen zusammen basteln kann, da lacht mein Herz vor Freude.“

Am Ende dieses Beitrags bleibt nun eigentlich nur noch eine Sache zu sagen: Es braucht mehr Menschen wie Lori Barthel. Denn es sind nicht nur die Leute, die sich im großen Rahmen in zahlreichen Vereinen und Organisationen engagieren, die eine Würdigung verdient haben. Auch in einem etwas kleinerem Maßstab, wie eben im eigenen Mehrfamilienhaus, ist Engagement und Aufopferung Gold wert. Bleibt nur zu hoffen, dass sich einige Menschen an Lori Barthel ein Beispiel nehmen und vielleicht, gerade jetzt in der Weihnachtszeit, noch mehr Menschlichkeit in die deutschen Häuser einzieht. Wünschenswert wäre es.

 

Es ist DIE Weihnachtsserie

Die Beiträge zur Aktion Nachbarn mit Herz begleiten die Leser der Heimatzeitung auch in diesem Jahr durch die Adventszeit. Es ist DIE Weihnachtsserie der TZ. In insgesamt zehn Folgen erzählen die Redakteurinnen und Redakteure der Heimatzeitung bis zum 21. Dezember Geschichten von besonderen Menschen. Seit Ende November ist das Team der TZ deshalb, bewaffnet mit Pokal und Präsentkorb, in der Region unterwegs und sorgt mit diesem speziellen Dankeschön für überraschte Gesichter. Ein Dank sei an dieser Stelle auch ausdrücklich den Unterstützern der Aktion gesagt. Ohne ihr Zutun wäre es ungleich schwerer, diese Serie Jahr für Jahr voranzutreiben. Von Beginn an unterstützt die Sparkasse Leipzig Nachbarn mit Herz großzügig, so wie sie bei vielen anderen wohltätigen Aktionen Herz zeigt. Im Kreis der Unterstützer sind 2018 auch die Kaffeerösterei Arabica sowie die Stadtwerke Torgau.
Sebastian Stöber, TZ-Chefredakteur

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