Montag, 27. Mai 2019
Montag, 17. Dezember 2018

BELGERN-SCHILDAU

Wolfsriss in Schildau: Sechs Stück Damwild getötet

Giso Damer zeigt am Kadaver, warum ein Wolf das Tier getötet haben muss. Am Hals sind Bissspuren erkennbar und der Bauch des Tieres ist aufgerissen. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Schildau. Gleich sechs Damwild-Jungtiere wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag von Wölfen gerissen. Die Naturschutzbehörde stellte fest: Es war nicht nur ein Raubtier, sondern höchstwahrscheinlich ein ganzes Rudel.

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„Kein Zweifel, das ist auf jeden Fall ein Wolfsriss.“ Leicht gebückt kniet Giso Damer neben einem Kadaver. Viel ist von dem, was wohl einmal ein Damwild gewesen ist, nicht mehr übrig. Der Bauch des Tieres ist aufgerissen, die Rippen zeigen senkrecht nach oben und die kompletten Innereien fehlen. Ein paar Meter weiter sieht man noch ein paar Haarbüschel auf dem Boden liegen. „Dort hat er das Tier angefallen, hier hat er es dann zu Tode gebissen“, berichtet der  Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

Sechs Jungtiere wurden gerissen

Wir befinden uns auf dem Gelände des Schildauers Lutz Sommer. Am Rande der Stadt hat er sein Wohnhaus samt großem Außengelände und auch einem Wildtiergatter. Dort waren bis Samstag noch 16  Stück Damwild untergebracht, jetzt sind es nur noch fünf. Denn in der Nacht vom Freitag auf Samstag hat hier der Wolf zugeschlagen. „Es war heute früh, als so gegen neun Uhr mein 18-jähriger Enkelsohn seine Runde über unser Gelände gedreht hat und die zerfetzten Tiere entdeckt hat“, erzählt Lutz Sommer an diesem eisig kalten Samstagvormittag, an dem er zusammen mit den beiden Wolfsexperten vom Landratsamt in seinem Gatter steht und den Schaden begutachtet. „Sind wahrscheinlich unter dem Zaun durchgekrochen und haben dann angefangen zu jagen.“

Sechs Jungtiere sind ihnen dabei zum Opfer gefallen. Drei davon „komplett verwertet“, wie es der Experte nennt, drei nur getötet und angefressen. „Bei der Masse an Kadavern kann man sich fast sicher sein, dass es ein ganzes Wolfsrudel war“, weiß Giso Damer. Direkt nachdem Sommers Meldung über den Wolfsriss bei der Naturschutzbehörde eingegangen war, machten sie sich auf den Weg nach Schildau, um die Lage zu begutachten und zu dokumentieren. „An diesem Tier kann man ganz genau erkennen, dass es sich um einen Wolfsriss handelt und nicht um einen Hund oder Ähnliches“, erklärt Damer und zeigt auf den Kadaver. Der Wolf beißt immer im Hals oder Kehlenbereich zu und versucht damit, sein Opfer zu töten. Weitere Bissverletzungen am Körper sind nicht zu sehen. Außerdem sind die Rippen beim Öffnen des Bauches abgeknickt, was auf die Kraft eines Wolfes hindeutet. Und natürlich die Tatsache, dass all die hochwertigen Fleischstücke gefressen wurden. Viel ist ja von dem Tier nicht mehr übrig.“

Lutz Sommer (links) ist bestürzt über den Verlust seiner Tiere. Während er noch die Situation verarbeitet sind Giso Damer (Mitte) und Volker Dittmann bereits an der Arbeit.

Für die beiden Naturschutz-Experten ist die Situation keine besondere. Schon oft genug haben sie diese Prozedur durchgeführt. Für Lutz Sommer sieht das jedoch ganz anders aus. Er ist deprimiert ob des entstandenen Schadens, den er wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder ersetzen wird. „1000 Meter Zaun hat mein Gatter, wie soll ich das denn jemals komplett wolfssicher kriegen?“, fragt er zuerst sich selbst, ehe er den Blick in Richtung der Mannen von der Naturschutzbehörde richtet. „Ja, das ist tatsächlich eine Herausforderung“, gibt Sachgebietsleiter Damer zu. „Aber wir werden uns nichtsdestotrotz mit unserem Berater für Schutzmaßnahmen, Ulrich Klausnitzer, in Verbindung setzen. Der ist Experte und dem fällt garantiert etwas ein.“

Eine Aussage, die dem 74-jährigen Jäger Lutz Sommer, keine besonders große Hoffnung macht. Er bleibt zwar stumm, der Gesichtsausdruck spricht jedoch Bände und zeigt, dass er am liebsten andere Saiten als nur das Dokumentieren des Wolfsrudels aufziehen würde. Eine Einstellung, die den beiden Experten auch schon oft untergekommen ist. „Wir müssen einfach lernen, mit dieser Wildtierart umzugehen. Es gibt genug Möglichkeiten, seine Tiere vor dem Wolf zu schützen, man darf jedoch nicht resignieren. Das Halten von Wildtieren in Gattern gehört genauso zu unserer Lebensweise auf dem Land wie die Schafhaltung in einer Koppel.“

Viel ist von dem Tier nicht mehr übrig.

Drei Rudel in Nordsachsen

Bislang hat man im Landkreis Nordsachsen Kenntnis von insgesamt drei Wolfsrudeln, eines davon im Kreis Delitzsch, eines in der Dübener Heide und eines  in der Dahlener Heide. Ob Letzteres nun auch für das Reißen von Lutz Sommers Tieren verantwortlich ist, kann man natürlich nicht genau sagen. Zwar gab es bislang in der Region in der letzten Zeit schon mehrere Wolfssichtungen, dass aber ein Exemplar in ein Wildgatter eingedrungen ist, das hören Damer und Dittmann zum ersten Mal. „Wir werden als nächstes auf jeden Fall all unsere gesammelten Daten auswerten und dann für das sogenannte Wolfsmonitoring nutzen. Wir versuchen also nachzuvollziehen, wie viele Wölfe es in der Region gibt, wo diese sich aufhalten und wie sie sich bewegen. So haben wir zum Beispiel jetzt eine DNA-Probe genommen, um bei einem späteren Wolfsriss feststellen zu können, ob es sich um den gleichen tierischen Mörder handelt.“

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