Donnerstag, 20. Juni 2019
Samstag, 22. Dezember 2018

DOMMITZSCH

Ein Lächeln als Lohn

TZ-Redakteur Nico Wendt ehrt Edda Duderstadt Foto: Nick Leukhardt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Edda Duderstadt aus dem Dommitzscher Ortsteil Commende ist gerne für andere da und engagiert sich für die Allgemeinheit. Daher hat sie die Ehrung der Torgauer Zeitung "Nachbarn mit Herz" redlich verdient. 

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 „Kommen Sie doch rein!“ Edda Duderstadt freut sich über den Besuch der Heimatzeitung. Noch mehr hellt sich ihr Gesicht auf, als sie wenig später den eigentlichen Grund der überraschenden Stippvisite erfährt.  „Ich soll als Nachbarin mit Herz geehrt werden...? Aber so viel habe ich doch gar nicht getan“, fragt sie ungläubig und wirkt dabei fast ein wenig peinlich berührt. 

Doch bevor ein längeres Gespräch zustande kommt, serviert die 78-Jährige erst einmal heißen Tee und zündet ein Kerzchen an. Sich Zeit nehmen, für andere da sein – das sind Eigenschaften, die viele Freunde und Bekannte an Edda Duderstadt schätzen. Weil da noch Geschick und Organisationstalent hinzukommen und sich die Rentnerin für die Allgemeinheit engagiert, hat sie die Ehrung redlich verdient. Um den Frauenkreis der Kirchgemeinde Trossin-Dommitzsch beispielsweise kümmert sich die Commenderin schon seit 15 Jahren. Die etwa zwölf Damen treffen sich immer zweimal im Monat. Der Pfarrer gibt ein Thema vor, das dann ausgiebig besprochen und diskutiert wird, danach beginnt der gemütliche Teil bei Kaffee und Kuchen. Die kleinen Geschenke für die zuletzt begangenen Geburtstage in der Runde gehören dazu.  Edda Duderstadt nimmt gern die Fäden in die Hand, legt die Termine fest, erledigt kleine Besorgungen und kümmert sich ums Ganze. Dabei drängt sie sich nicht nach Vorne, sondern agiert lieber im Hintergrund. Die Chef-Rolle möchte sie nicht spielen. Hauptsache es läuft und der Frauenkreis hat den nötigen Zulauf. Über 30 Jahre lang wirkte Edda Duderstadt im Gemeindekirchenrat mit. In der Ortsgruppe der Volkssolidarität war sie jahrelang Kassiererin, bis ihr Mann krank wurde. Dessen Pflege war aufwendig. Er hatte einen Schlaganfall erlitten und musste rundum betreut werden. Ein großer Einschnitt im Leben von Edda Duderstadt. Ihr Gatte hatte jahrelang die Zeitung im Dorf ausgetragen. Diese Aufgabe übernahm sie jetzt. Um 4.30 Uhr klingelte jeden Morgen der Wecker, damit die Leser ihre Lektüre pünktlich erhalten konnten. Man kennt sich im Dorf. 

Bis zur Wende hatten Duderstadt´s die Konsum-Verkaufsstelle im kleinen Dommitzscher Ortsteil. Ursprünglich stammt die Rentnerin aus Audenhain. Hier besitzt sie immer noch Verwandte und viele Freunde. Der Liebe wegen verließ sie 1960 das Brückendorf. Ihr Mann Richard war der Grund. „Meine Mutter hat uns damals schon Nächstenliebe buchstäblich vorgelebt“, erinnert sich Edda Duderstadt an ihre Kindheit. Immer sei sie für andere dagewesen. „Wir haben zum Beispiel ganz oft Ferienkinder bei uns aufgenommen – aus kinderreichen Familien.“ In diesem Zusammenhang fällt  ihr ein Ferienbesuch aus Bitterfeld ein. Die christliche Erziehung und Einstellung zum Leben macht sich bei der Commenderin heute noch vielfach bemerkbar. Auf dem Tisch in der Küche prangt an einer Vase gelehnt ein Zettel: „Was ich glaube, lässt mich handeln. Ich verschenke Zeit, mehr nicht“, steht da. Edda Duderstadt hat diese Sätze verinnerlicht. Gern und oft macht sie Krankenbesuche bei guten Bekannten in Dommitzsch. Am Krankenbett sitzen, einfach nur zuhören. Bester Lohn ist manchmal lediglich ein Lächeln, eine dankbare Geste. Im Pflegeheim geht sie regelmäßig ein und aus. 

Die eigenen Kinder , drei Töchter und ein Sohn, sind längst erwachsen und haben selber Nachwuchs. Leider wohnen sie inzwischen weit weg. Sieben Enkel zählen zur Großfamilie. Es gibt sogar schon ein Urenkelchen, das aber leider in Berlin lebt. Mal rasch vorbei schauen, geht nicht. 

Der Volkssolidarität-Ortsgruppe ist Edda Duderstadt treu geblieben, selbst wenn sie nicht mehr als Kassiererin wirkt. Einmal im Monat finden die Treffen statt. Früher hat sie noch oft Topflappen und alle möglichen Dinge gehäkelt. Aber das ist vorbei. Mit 78 geht eben nicht mehr alles so leicht und locker von der Hand. Trotzdem hält sich die Seniorin fit so gut es geht. Da sind die täglichen Gassi-Runden mit dem Hund, der kleine Garten und das Radfahren. 2000 Kilometer kommen im Jahr locker zusammen. Nicht zuletzt, weil die Nachbarin mit Herz kein Auto besitzt und alle Strecken mit dem Zweirad erledigen muss. Bei Wind und Wetter. Dabei hat sie ein eigenwilliges „Hobby“ entwickelt. Sie sammelt unterwegs Straßenmüll ein, den andere achtlos aus dem Auto geworfen haben. Glasflaschen, Plastikdosen, Papierkram. Diese Dinge entsorgt die Rentnerin später im Gelben Sack, in der Papiertonne oder im Glascontainer. Dabei schüttelt sie immer wieder in Gedanken mit dem Kopf, wie achtlos andere die Umwelt verschmutzen. „Sie glauben gar nicht, was die Leute alles wegwerfen. Neulich lag ein großer Berg Brötchen im Straßengraben“, zeigt sich Edda Duderstadt empört. 

Heiligabend verbringt die Nachbarin mit Herz ganz bewusst allein. Das hat sie schon die letzten Weihnachten so gehandhabt. An den Feiertagen ist dann ein Familientreffen geplant. Die mehrfache Oma freut sich darauf. Dann gibt es endlich ein Wiedersehen mit den Enkeln und dem kleinen Urenkelchen.


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