Sonntag, 24. März 2019
Donnerstag, 10. Januar 2019

TORGAU

Landtagsabgeordnete zu Gast in Torgau Nordwest

Dr. Claudia Maicher sprach unter anderem mit Pascal Iberl, Torgaus Streetworker. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Dr. Claudia Maicher, besuchte am Mittwoch den Stadtteil Torgau Nordwest. Dort sprach sie mit zahlreichen Akteuren und einem Anwohner, der so manches zu erzählen hatte.

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„Das hier ist ein Stadtteil mit viel Potenzial. Hier könnte man wirklich etwas machen, was es umso bedauerlicher macht, dass die Lage hier offenbar so schlimm ist.“ Dieses Fazit zog am vergangenen Mittwoch die Landtagsabgeordnete der Grünen, Dr. Claudia Maicher, nach einem ausgedehnten Rundgang durch Torgau-Nordwest. Die Politikerin hatte sich mit mehreren Akteuren verabredet, um die Probleme vor Ort zu sichten und eventuelle Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Viele Probleme und Wünsche

„Die Frage, die wir uns alle bei unseren Überlegungen stellen sollten, lautet doch: Was wollen wir erreichen? Wollen wir hier nicht einen Ort schaffen, an dem man gerne lebt?“ Claudia Maicher hörte sich die Probleme der Bewohner von Torgau-Nordwest genau an. Streetworker Pascal Iberl berichtete von der großen Sprachbarriere, die ihm seine Arbeit enorm erschwere, Christina Gaudlitz vom Jugendteam machte auf die fehlenden Freizeit-Möglichkeiten für Jugendliche aufmerksam und Thomas Kalbitz, der kommunale Intergrationskoordinator des Landkreises, erzählte von den Personalproblemen, die aktuell in der Erwachsenen-Migrationsberatung herrschen.

Besonders spannend wurde es aber erst, als Jonny Klepke, der seit über 30 Jahren in Torgau-Nordwest wohnt, zu Wort kam. Der Rentner hatte sich mit seinen Sorgen an die TZ gewandt und war daraufhin mit zu dem Treffen eingeladen worden, um dort auch einmal die Sicht eines langjährigen Bewohners zu schildern. Und das, was Klepke zu berichten hatte, sorgte bei der Landtagsabgeordneten, aber auch bei einigen der Anwesenden für entsetztes Staunen.

Jonny Klepke und seine Frau Regina.

Klepke, der früher als Fernfahrer arbeitete und dadurch, laut eigener Aussage, schon so manche Ecke der Welt gesehen und so manche Sache erlebt hat, erzählte von regelmäßig aufgebrochenen Kellertüren, Menschen, die auf dem Dachboden eines Wohnblocks „hausen“, das Treppenhaus als Toilette benutzen, aus höheren Stockwerken Couches und andere Möbelstücke herauswerfen und die Schlösser von Wohnungstüren so mit Drähten blockieren, dass man sie später ganz leicht aufknacken kann. „Ich habe selbst schon Drohungen bekommen, dass ich abgestochen werde und wenn man etwas sagt, wird man direkt als Nazi beschimpft. Die Situation ist wirklich schlimm.“

Zusammenleben als Lösung

Für Klepke, der angesichts der prekären Lage in Torgau-Nordwest sichtlich resigniert wirkte, lag die Lösung des Problems auf der Hand: „Wer sich nicht benimmt, der sollte ausgewiesen werden.“ Eine Variante, mit der sich jedoch von den Anwesenden, allen voran natürlich Landtagsabgeordnete Maicher, niemand anfreunden konnte. Man müsse ein gemeinsames Zusammenleben erreichen, damit sich alle Bevölkerungsgruppen in Nordwest wohlfühlen könnten und solchen kriminellen wie auch unsittlichen Vorfällen vorzubeugen.

Als eine gute Möglichkeit wurde dabei zum Beispiel der Verein Romano Sumnal angeführt, mit dessen Hilfe man Kontakt zu der großen Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma in Nordwest aufnehmen  möchte (TZ berichtete). „Hier besteht wirklich die Chance, bestehende Barrieren zu überwinden, aufeinander zuzugehen und so Probleme zu lösen“, brachte es Maicher auf den Punkt.

Stefanie Kasubke und Thomas Kalbitz.

Ansprechpartner dringend benötigt

Für Stefanie Kasubke, die ehemalige Quartiersmanagerin von Torgau-Nordwest, stand jedoch ein ganz anderes Problem im Vordergrund: Der Mangel an Arbeitskräften, die im Stadtteil zuständig sind. Nicht nur eine Migrationsberatung für Erwachsene, sondern vor allem auch eine Wiederbesetzung der Quartiersmanagement-Stelle sei unabdinglich für die Lösung der Probleme.
„Es braucht dringend einen zentralen Ansprechpartner, nicht nur für die ausländischen Einwohner, sondern auch für die einheimischen. Sonst fühlt man sich komplett abgehängt.“ Grund für den  Mangel seien nicht nur die fehlenden Fachkräfte, sondern auch die, durch befristete Verträge und immer wieder auslaufende Förderprojekte, erschwerten Rahmenbedingungen. „Die müssen einfach stimmen, wenn man engagiertes Personal haben will.“

Raum für die Jugend

Das Jugendteam Torgau, welches ebenfalls von der Landtagsabgeordneten zu dem Treffen in Nordwest eingeladen wurde, kam vor allem während der Runde durch den Stadtteil zu Wort. Dabei wurde vor allem über die fehlenden Freizeitmöglichkeiten gesprochen, die zu einem attraktiven Stadtteil dazugehören sollten. Mit Blick auf die zahlreichen Wohnblöcke kam so zum Beispiel die Idee auf, in einem Keller eine Art Aufenthaltsraum für Jugendliche zu schaffen, in dem sie sich treffen und kreativ entfalten können.

Am Ende verließ die Abgeordnete genauso wie auch ihre Gesprächspartner mit einem Lächeln auf den Lippen und einem guten Gefühl im Gepäck das Treffen. „Mein Anspruch war es von Anfang an nicht, hier irgendwelche praktischen Lösungen anzuschieben“, sagte Claudia Maicher zum Abschluss. „Doch jetzt habe ich einen guten Eindruck von der Lage und dem Potenzial von Torgau Nordwest erhalten und werde in Zukunft auch den Akteuren hier bei Fragen und Problemen gern beratend zur Seite stehen.“

Amelie Prenzler (l.) und Uta Schmidt (3.v.r.) waren zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Claudia Maicher (3.v.l.) nach Torgau-Nordwest gekommen, um sich dort unter anderem mit Streetworker Pascal Iberl (2.v.l.) sowie den Vertretern des Jugendteams, Christina Gaudlitz (2.v.r.) und Jasmin Braun (r.) zu unterhalten.

 


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