Donnerstag, 21. Februar 2019

 
Mittwoch, 16. Januar 2019

TORGAU

Weiß sich die Jugend noch zu benehmen?

An einer langen Tafel im Gasthof Welsau wurde zuerst gelernt und danach festlich gespeist.Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Wie ist es eigentlich um die Manieren der heutigen Jugend bestellt? Die TZ hat sich diese Frage gestellt und bei einem Knigge-Kurs für Jugendweihlinge einen Experten befragt.

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 Fragt man die ältere Generation, wie es um die Manieren der heutigen Jugendlichen bestellt ist, dann hört man meist nichts Gutes. „Die schauen sich gar nicht mehr in die Augen“, „die grüßen auf der Straße gar nicht“ und „nicht einmal bei Tisch können sie sich benehmen“, sind dabei noch die nettesten Vorwürfe, die man so als junger Mensch zu hören bekommt. Doch ist die heutige Jugend wirklich so verroht, ohne Sitte, Anstand und Manieren, wie es ihr oft vorgeworfen wird? Die TZ besuchte einen Knigge-Kurs für Jugendweihlinge im Gasthof Welsau und sprach dort mit Kay Lohse, der seit zehn Jahren solche Kurse anbietet.

Erstmals der eigene Gastgeber

„So, und wenn Ihr zusammen mit anderen Leuten zu Tisch seid, dann macht Ihr Euer Handy komplett aus. Nicht dass es noch anfängt zu klingeln oder Ihr die ganze Zeit nachschaut, ob Ihr eine Nachricht habt.“ Bestimmt, aber mit einem Lächeln auf den Lippen erklärt Kay Lohse die erste Lektion seines heutigen Knigge-Kurses. Mit Sakko, Hemd und Jeans gekleidet steht er vor den 15 Jugendlichen, die an diesem Dienstagabend nach Welsau gekommen sind, um sich für ihre Jugendweihe ein paar Benimmregeln anzueignen. „Und wenn wir bei Tisch miteinander sprechen, dann entweder mit unserem Gegenüber oder aber unserem direkten Nachbarn. Nicht über den gesamten Tisch hinweg“, fährt er fort.

Lohse ist eigentlich Veranstaltungstechniker von Beruf. Nur hin und wieder führt er für den Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe durch, dann aber mit voller Leidenschaft. „Ich halte es einfach für enorm wichtig, sich benehmen zu können und sich ein vernünftiges Miteinander anzueignen“, sagt er. „Denn gerade jetzt, wo die Jugendweihe kurz bevor steht, ist es essenziell, den Jugendlichen einige grundlegende Benimmregeln beizubringen. Bisher haben immer Mama und Papa große Feierlichkeiten ausgerichtet, jetzt sind sie plötzlich selbst der Gastgeber. Das bringt Verantwortung mit sich.“

Knigge-Coach Kay Lohse zeigte den Jugendlichen Max und Elisabeth, wie man eine Krawatte richtig bindet.

 

Der Umgang verändert sich

Doch obwohl Knigge-Trainer Lohse den Jugendlichen gern etwas beibringen möchte und dabei auch immer wieder auf offene Ohren stößt, ist er nicht der Ansicht, dass es der heutigen Jugend an dem richtigen Benehmen mangelt. „Lediglich die Definition hat sich verändert. Wo man früher zum Beispiel noch einer Frau zur Begrüßung die Hand geküsst oder den Hut gehoben hat, reicht heutzutage ein kurzes Moin oder ein lockerer Handshake aus. Das ist aber nicht der Verlust von Manieren, sondern einfach der Lauf der Dinge.“ Inhaltlich musste Lohse seine Knigge-Kurse in den letzten zehn Jahren zwar noch nicht anpassen, seiner Erfahrung nach geht jedoch mit einem Generationswechsel auch eine Veränderung der Umgangsformen einher.

Doch nicht nur das gewöhnliche Miteinander hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder verändert. Auch das Regelwerk, der so genannte Knigge, passt sich immer wieder an. „So ist unter anderem die Devise ’Ladys first’, die früher völlig unabdinglich war, seit 1996 laut Knigge abgeschafft. Was natürlich nicht heißen soll, dass man kein Gentleman mehr sein und einer Frau die Tür aufhalten darf“, erklärt Kay Lohse mit einem Augenzwinkern.

Ebenfalls ein gutes Beispiel für die Veränderungen des Knigges ist der Ausdruck „Gesundheit“, nachdem jemand im Raum geniest hat. „Eigentlich heutzutage nicht mehr zeitgemäß, trotzdem immer noch weit verbreitet“, weiß der Experte. „Eigentlich sollte sich der Niesende entschuldigen.“ Der Grund dafür: Der Wunsch „Gesundheit“ stammt noch aus Zeiten, in denen in Deutschland die Pest grassierte. Nieste damals jemand, sagte das Gegenüber „Gesundheit“. Die wünschte er aber nicht dem Gegenüber, sondern vielmehr sich selbst. Nicht eben die feine englische Art. Außerdem weise das Wörtchen „Gesundheit“ auch auf eine Schwäche des Gegenübers hin, also ebenfalls nicht besonders nett.

Manche Dinge sterben aus

Auch wenn Kay Lohse die Veränderung des sich verändernden Umgangs miteinander nicht per se als etwas Schlechtes ansieht, gibt es für den Knigge-Trainer doch ein paar Punkte, die sich eher zum Negativen gewandelt haben. „Gerade die Tatsache, dass man sich heutzutage kaum noch Auge in Auge unterhält, ist wirklich schade“, erklärt er. „Klar, man kommuniziert trotzdem noch viel über sein Smartphone, aber dabei bleibt eben oftmals viel auf der Strecke. Und auch das vorhin bereits erwähnte Gentleman-Benehmen. Auch das stirbt immer weiter aus, was ich sehr bedauere.“

Auch das richtige Servietten-Falten gehörte zu Kay Lohses Lektionen.

 

Das Interesse ist da

Wechselt man ein paar Worte mit den Jugendlichen, dann wird schnell klar, dass auch ihnen etwas an gewissen Regeln für das Miteinander liegt. „Natürlich nicht ganz so penibel, wie wir es für unsere Jugendweihe brauchen. Aber um sich in der Öffentlichkeit nicht zu blamieren, können Manieren nicht schaden“, erklärt die Teilnehmerin Ronja. „Mit Kumpels sind die zwar nicht so wichtig, aber die Grundlagen sollte dann doch jeder beherrschen“, fügt ein paar Plätze weiter ihr Klassenkamerad Werner hinzu. Die beiden besuchen, genau wie die 13 anderen anwesenden Jugendlichen, die Klasse 8a des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums. Und sie alle wurden nicht von ihren Eltern zum Knigge-Kurs gezerrt, sondern nahmen laut ihrer eigenen Aussage vollkommen freiwillig daran teil. „Kann man ja später, gerade wenn man mit der Familie schön essen geht, immer mal gebrauchen“, sagt Maximilian.

Doch am Ende ließen die Schüler für ihr Interesse nicht nur Worte, sondern vor allem Taten sprechen. Fleißig wurden Krawatten gebunden, Servietten gefaltet,  Münder vor dem Trinken abgetupft und Messer und Gabel beim Essen benutzt. „Ich bin wirklich zufrieden mit der Leistung der Teilnehmer“, lobte Kay Lohse abschließend auch noch. „Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, wie sich die Jugendlichen dann doch in die ganze Sache reinknien, um bei ihrer Jugendweihe einen guten Gastgeber abzugeben. Eine echt tolle Sache.“

 

 

Info

Die nächsten Veranstaltungen des Sächsischen Verbands für Jugendarbeit und Jugendweihe im Überblick:

  • 24. Januar, 16 Uhr – Kurs: Der perfekte Cocktail
  • 28. Januar, 16 Uhr – Bewerbungscoaching
  • 13. Januar, 16 Uhr –  Kurs: Sauberes Trinkwasser

Jeweils im Schloss Hartenfels, Aufgang A
 

  • 4. März, 16 Uhr – Führung durch den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau
  • 5. März, 16 Uhr – Kurs: KNIGGE – Gutes Benehmen bei Tisch – Gasthof Welsau
  • 25. März, 16 Uhr – Kurs: Extremismus Prävention – Schloss Hartenfels, Aufgang A

Die Sprechstunden des Jugendweihe-Verbands finden jeden 1. Donnerstag im Monat, außer in den Ferien und an Feiertagen, im Schloss Hartenfels statt. Die nächste ist am 7. März, dort können auch die Eintrittskarten für die Jugendweihen erworben werden.

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