Samstag, 20. April 2019
Dienstag, 22. Januar 2019

OSTELBIEN

In der Gemeinde herrscht Männerüberschuss

Bürgermeister Holger Reinboth mit einer Broschüre über Blumberg. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Arzberg. Im TZ-Jahres-Interview sprach Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth unter anderem über Bevölkerungsentwicklung, wichtige Investitionen, Kindereinrichtungen und über große Ziele: 

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Arzberg. Im TZ-Jahres-Interview sprach Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth unter anderem über Bevölkerungsentwicklung, wichtige Investitionen, Kindereinrichtungen und über große Ziele: 

TZ: Es hieß in der Vergangenheit oft, dass kleine Gemeinden finanziell ums Überleben kämpfen. Die neue Landesregierung wollte es besser machen und die ländlichen Regionen stärken. Spüren Sie davon etwas in Arzberg? 

H. Reinboth: Ja, die aktuelle Landesregierung hat das Problem durchaus erkannt. Und es macht auch Sinn: Gut die Hälfte der Einwohner Sachsens lebt im ländlichen Raum. Da ist es wichtig sich zu bemühen, gleichberechtigte Bedingungen zu schaffen. Zumal auf dem Lande vieles schwieriger zu organisieren ist als in der Stadt, ob Müllabfuhr, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Internet oder Dinge der Daseinsfürsorge. Chancengleichheit wird durch besondere Fördermittelprogramme oder zusätzliche finanzielle Mittel hergestellt. 

Wie sieht das konkret aus?

Als kleine Gemeinde haben wir nur einen bescheidenen Haushalt, der lediglich 2,5 Millionen Euro umfasst. Da war die 70 000-Euro-Pauschale des Landes sehr hilfreich. Wir konnten damit gleich mehrere Projekte anteilig finanzieren. Für dieses und nächstes Jahr wurde diese Summe ebenfalls angekündigt. Das freut uns natürlich. 

Können Sie die Projekte nennen?

Zum Beispiel ist Geld in die Schulsanierung geflossen, für Anschaffungen der Feuerwehr und noch für kleinere Sachen. 

Wie schlimm ist nun die finanzielle Not in Ihrer Gemeinde?

Arzberg hat das Glück, keine Schulden zu haben. Die knapp eine Million Euro für Mietwohnungen in Triestewitz sind das einzige. Hier hat die Gemeinde damals investiert. Es musste ein Darlehen aufgenommen werden. Dem gegenüber stehen aber die Mieteinnahmen. Wir freuen uns, als Gemeinde Wohnungen gerade für junge Familien bereithalten zu können. Die Appartements sind fast alle belegt. Darüber hinaus wird ein Block als Ärztehaus genutzt. Ansonsten können wir alle Ausgaben decken. Wir haben auch noch wichtige Gewerbesteuer-Einnahmen größtenteils von landwirtschaftlichen Unternehmen. 

Die Integration von Flüchtlingen war in der Vergangenheit oft heiß diskutiertes Thema. Wie sieht es hier aus?

Wir haben in Arzberg nur eine Familie aus Libyen mit drei Kindern. Die waren bereits im Juni 2015 angekommen und sind inzwischen bestens integriert. Diese Personen möchten auch bleiben. In Spitzenzeiten hatten wir mal 20 Asylbewerber in der Gemeinde. Doch die Zahlen sind deutschlandweit zurückgegangen. 

Ist damit die Errichtung von entsprechenden Unterkünften in Köllitsch hinfällig? Eine Firma aus Berlin hatte dazu extra zwei Wohnblöcke und die Bauruine am Ortseingang gekauft? 

Ja, die Firma hat die Blöcke wahrscheinlich als Spekulationsobjekt weiter verkauft. Wir haben keinerlei Einfluss. Das ist sehr schade, denn wir wollten, dass die Wohnblöcke saniert und die Bauruine weggerissen oder aufgebaut wird, so dass sich eine andere Orts-Ansicht ergibt. Das wäre auch im Zusammenhang mit dem Lehr- und Versuchsgut wichtig. Es kommen ja regelmäßig viele Besucher in das Dorf. 

Ein anderes leer stehendes Gebäude in Köllitsch sollte Hostel werden. Wie ist hier der Stand? 

Ich gehe davon aus, dass das Vorhaben noch steht. Der Investor kann über das LEADER-Programm Fördermittel beziehen. Ich hoffe, dass es dieses Jahr wird. 

Mit der „Peinlich-Piste S 25“ hatten Sie es bis ins Fernsehen geschafft und mit dem Ministerpräsidenten Kretschmer persönlich gesprochen. Hat sich dieser Einsatz gelohnt? 

Absolut. Es ist so, dass die Planungen laufen. Ich gehe davon aus, dass das Wort von Herrn Heier, Chef des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, gilt, die Staatsstraße bis Ende 2025 abschnittsweise auszubauen. Damit wäre dann ein großes Infrastruktur-Problem und ein Unfallschwerpunkt beseitigt. Die Strecke Triestewitz-Arzberg wurde letztes Jahr fertig. Insgesamt sollen vier weitere Abschnitte folgen. 

Sie haben beim Neujahrsempfang festgestellt, dass die Einwohnerzahl weiter rückläufig ist?

Das ist ein gleichbleibender Trend. Statistisch gesehen verlieren wir pro Jahr 30 bis 35 Einwohner. Es sterben mehr Menschen als geboren werden. Darüber hinaus ziehen Personen weg – besonders ältere, die anderswo in ein Heim oder in eine Tagespflege kommen. Leider können wir eine solche Einrichtung nicht anbieten. Deshalb laufen bereits Gespräche mit einem Pflegedienst vor Ort, um eine Tagespflege künftig vielleicht selbst anbieten zu können. Der Bedarf ist da. Das sieht man auch in anderen Kommunen. Unter anderem läuft die Suche nach einem geeigneten Grundstück. 

Wie viele Einwohner hat die Gemeinde Arzberg?

Zum 1. Januar 2019 waren exakt 1905 Bürger gemeldet. Überraschend gibt es mehr Männer als Frauen – nämlich 103 Männer mehr. Darunter alleine 64 ausländische mit Hauptwohnsitz in der Gemeinde. Größtenteils handelt es sich dabei um junge Männer, die in der Landwirtschaft arbeiten, hauptsächlich aus Polen. Im Schnitt wurden in den letzten fünf Jahren etwa 12 Babys pro Jahr geboren. 

Wie sieht es in den Kindereinrichtungen aus?

Unsere Kita ist gut ausgelastet. Gerade beim jüngeren Nachwuchs gibt es sogar Wartezeiten bei der Anmeldung. Wir sind an der Kapazitätsgrenze. Die Grundschule wird von 67 Schülern besucht, pro Jahr erfolgen 15 Einschulungen. 2018 haben wir eine energetische Sanierung veranlasst, dieses Jahr fließen noch einmal 90 000 Euro in das Gebäude – für neue Fußbodenbeläge, Türen und Neugestaltung des Werkraumes. Die Grundschule ist eine von 17 in Sachsen, die sich an einem Modellprojekt beteiligen darf hinsichtlich Inklusion: Kinder, die besondere pädagogische Betreuung benötigen, werden in Arzberg integriert. Dazu wird eine eigens ausgebildete pädagogische Kraft eingestellt. Wir haben in Kita und Schule zwei sehr engagierte Leiterinnen und bedauern, dass Silke Dolecek nun in Doppelfunktion auch in Beilrode agieren muss. Wir hoffen, dass das Provisorium nicht auf Dauer besteht. 

Welche Investitionen hat die Gemeinde noch geplant?

Auf etwa 300 Metern soll die Straße am Rittergut in Adelwitz instand gesetzt werden ,und wir möchten den Koßdorfer Landgraben im Bereich Arzberg und Nichtewitz sanieren. Dafür stehen LEADER-Fördermittel bereit. Die Gesamtkosten betragen 30 000 Euro. Dann streben wir eine Modernisierung der Triestewitzer Kegelbahn an. Es ist die einzige 4-Bahn-Anlage in Ostelbien und es wäre für die vier Kegelvereine eine wichtige Sache. 130 000 Euro sind nötig. Auch hier stehen LEADER-Zuschüsse in Aussicht. 

Sie kämpfen schon lange um schnelles Internet in der Gemeinde! 

Wir gehen davon aus, dass der Breitbandausbau  – ein Projekt des Landkreises – in diesem Jahr beginnt und hoffen, dass die Telekom die Gemeinde bis Ende 2020 flächenabdeckend ans Netz bringt. Wir sind froh, dass Bund und Land die Kosten zu 100 Prozent übernehmen. 

Sie haben beim Neujahrsempfang das Bürgerbus-Projekt als Erfolgsgeschichte gelobt!

Ja, den Bürgerbus gibt es im Februar schon zwei Jahre und er wird von der Bevölkerung super angenommen. Das Bürgerbus-Team mit etwa 15 Leuten leistet eine hervorragende Arbeit. 100 Fahrgäste sind im Monat zu verzeichnen, etwa 1000 Kilometer rollt das Fahrzeug jeden Monat, um ältere Bürger zu Ärzten, Behörden oder zu verschiedenen Dienstleistern zu befördern. 

Gespräch: Nico Wendt


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