Mittwoch, 21. August 2019
Montag, 28. Januar 2019

TORGAU

"Wir wollen zur WM nach Chicago"

Torsten und Joe-Ann Kammer wollen in diesem Jahr zur WM der Kraftdreikämpfer nach Chicago.Foto: TZ/Eileen Jack

von unserer Sport-Redakteurin Eileen Jack

Sie sind die beiden einzigen ihre Art in Torgau – die Kraftdreikämpfer Joe-Ann und Torsten Kammer. Vater und Tochter trainieren oft gemeinsam, kommen gut miteinander aus und haben großes vor.

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Sie sind schon echt zwei coole Socken, die beiden einzigen Kraftdreikämpfer in Torgau – Joe Ann und Vater Torsten Kammer. Starten die beiden bei Wettkämpfen, dann eigentlich immer für den Eilenburger Verein „Kraft und Fitness“, eben weil sie in Torgau die einzigen ihr Art sind. Und meist trainieren sie gemeinsam. Das heißt, eigentich macht jeder seins beim Training. „Wir beide wissen, worauf wir achten müssen, was wir konkret trainieren wollen und sollten“, sagt Joe-Ann. Und doch schaut Papa Torsten immer mal wieder nach seiner Tochter, gibt Hinweise, worauf sie achten soll, motiviert sie, spornt sie an. „Er ist ein normaler Trainer. Aber natürlich ist es anders, wenn dich dein Vater trainiert, als bei einem anderen Trainer. Die emotionale Bindung ist doch viel größer. Schließlich will ich ihn ja auch nicht enttäuschen“, meint Joe-Ann und Torsten pflichtet ihr bei. „Die emotionale Schiene greift auch bei mir, da ich meinen Schützling ja schließlich auch schon 19 Jahre bestens kennen“, schmunzelt Torsten Kammer. Seit 2014 hat sich seine Tochter ebenso wie er dem Kraftdreikampf verschrieben.
Klar wird auch mal gemotzt
Zuvor gehörte Joe-Ann zur Gewichtheberriege im SSV, übte diesen Sport von 2007 bis 2011 aus, legte dann eine sportliche Pause ein. Irgendwann hat mal jemand gesagt, komm doch mal mit zum Training und zum Wettkampf beim Kraftdreikampf. Das habe ich gemacht, es gefiel mir und seit dem bin ich dabei“, erinnert sich Joe-Ann, die durchaus das Gefühl hat, dass ihr Papa an sie wesentlich höhere Ansprüche stellt, als das ein fremder Trainer tun würde. „Er hat ja aber auch nur mich“, sagt die 19-Jährige und gesteht, dass sie ab und an auch die Nase voll hat und durchaus schon mal motzt. Dann merkt Torsten Kammer schnell, wenn seine Tochter nicht gut drauf ist, wenn ihr das Training schwer fällt, die Motivation fehlt. „Das sehe ich ihr an.“ Ebenso wie die beiden immer für einander da sind, stärken ihnen auch Mutter Andrea und Joe-Anns Bruder Oliver den Rücken. Letzterer ist bei jedem Wettkampf dabei, kennt die anderen Sportler und Macher fast besser als die beiden Kraftdreikämpfer selbst. Und Mutter Andrea versorgt die beiden bei allen Wettkämpfen, so dass sie immer gut gestärkt ihr Bestes geben können. „Dafür sind wir echt dankbar, allen beiden.“
Aktuell trainieren Torsten und Joe-Ann auf ein besonderes sportliches Ereignis hin – die Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf im Oktober in Chicago. „Da wollen wir dabei sein“, sagt Joe-Ann und ihre Augen strahlen. Für sie ist das alles im Moment nicht so einfach. Sie steht nur wenige Wochen vor den Abiturprüfungen. Die Schule geht natürlich aktuell vor. „Wir schreiben pro Wochen drei Klassenarbeiten und zusätzliche Tests. Ich kann mich da sportlich jetzt nur langsam rantasten, weil die Schule und der Sport im Moment schwer zu vereinbaren sind“, sagt die junge Frau. Ihr letzter Wettkampf liegt fast ein Jahr zurück. Damals trat sie in Bautzen bei der Sachsenmeisterschaft im Kreuzheben an. Danach hat sie sich erst einmal selbst raus genommen, wie sie es bezeichnet. „Ich hatte einfach keinen Bock mehr. Die Schule war so stressig und ich muss für gute Zensuren echt viel tun“, gibt Joe-Ann zu. Also besprach sie die Sache mit Papa Torsten. Er zeigte Verständnis, gewährte ihr die freiwillige Auszeit. „Mit Kraftsport wird sie nie ihr Geld verdienen. Also sollte sie sich erst einmal auf die Schule konzentrieren.“Jetzt aber will Joe-Ann so langsam wieder loslegen, einfach weil sie Lust auf die Weltmeisterschaft im Oktober hat. Richtig straff wird das Training aber erst nach den Abi-Prüfungen. Dann holen sich die beiden Trainingspläne – zugeschnitten für 16 beziehungsweise 20 Wochen – von Joe-Anns ehemaligen Bundestrainer. Ja, die 19-Jährige hat auch schon in der Nationalmannschaft Einsätze gehabt. Nachdem sie sich im Dezember 2016 aber einen Bänderriss kurz vor einem Wettkampf zuzog, war Schluss damit. „Das Training damals war sehr hart“, sagt Torsten, der durchaus  auch schon mal eingeschritten ist und seine Tochter ausgebremst hat. Da kam dann der Papa durch, der sich Sorgen um sein Kind machte. Inzwischen weiß Joe-Ann ihr Leistungsvermögen selbst ganz gut einzuschätzen. Im Kniebeugen und Kreuzheben hält die junge Mehderitzscherin in ihrer Altersklasse nach wie vor die deutschen Rekorde von 130 Kilogramm beim Kniebeugen und ebenfalls 130 Kilogramm beim Kreuzheben. Nur im Bankdrücken ist sie nicht ganz so stark, was sie mächtig ärgert.
20 Tonnen pro Trainingseinheit
Torsten hat neben der Weltmeisterschaft noch einige andere Stationen, an denen er in diesem Jahr seine Stärke unter Beweis stellen will. Aktuell befindet er sich in einer intensiven Trainingsphase, um am 13. April an den deutschen Meisterschaften  in Zinnowitz (Ostsee) teilzunehmen. Pro Trainingseinheit von gut 60 bis 90 Minuten bewegt er schon mal Gewichte bis zu 20 Tonnen. Danach braucht er dann aber auch 48 Stunden Trainingspause, damit sich der Körper regenerieren kann. „Ich habe immer meine persönlichen Bestleistungen im Blick. Das sind 252,5 Kilogram im Kniebeugen, 175 Kilogramm beim Bankdrücken und 230 Kilogramm im Kreuzheben. Mit denen habe ich durchaus die Chance auf den Titel“, freut sich der noch 49-Jährige. Als solcher tritt er in diesem Jahr das letzte Mal in der Altersklasse der 40- bis 49-Jährigen an und will es natürlich noch einmal wissen. Wenn alles klappt, ist auch die Europameisterschaft im Juni in Bayern eine Wettkampfstation für Torsten. „Das steht aber noch nicht fest.“

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