Donnerstag, 21. Februar 2019

 
Mittwoch, 30. Januar 2019

TORGAU

Im Kulturhaus nichts Neues?

Ein Bild zwischen zwei Veranstaltungen und ein Kulturbetrieb zwischen der analogen Romantik des Theaters und der Notwendigkeit einer virtuellen Präsenz 4.0: Heidi Peterson auf der Empore im Großen Saal des „Kreisis“.

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Heidi Peterson wirft einen kurzen Blick zurück und verrät, wie das Kulturhaus 2019 in der virtuellen Gegenwart ankommen soll

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„Nein, in diesem Jahr wird es kein riesiges Highlight á la STAHLZEIT geben“, schickt Heidi Peterson, Geschäftsführerin des Torgauer Kulturhauses, im Gespräch direkt voraus. Doch sie ist deswegen nicht betrübt oder resigniert – denn sie weiß, dass ihre Besucher dennoch verlockende Neuerungen entdecken werden, wenn sie 2019  in Sachen Veranstaltungsangebot auf sie und ihr Team zurückkommen.
Abgesehen vom Tag der Sachsen, dem größten Volksfest des Freistaates, erinnern sich viele Torgauer vor allem an die fulminante Feuershow und die stampfende Soundgewalt der RAMMSTEIN-Cover-Rocker von STAHLZEIT. Im Rahmen des 2018er-Kultursommers war die Band angetreten, um den Schlosshof in Ekstase zu versetzen – und das Organisationsteam um Heidi Peterson vor wahre Herausforderungen in Sachen Vorbereitung und Brandschutzauflagen. „1800 Zuschauer erforderten in Verbindung mit der angekündigten Pyrotechnik eben ganz andere Vorkehrungen, als das bei Konzertveranstaltungen auf dem Schlosshof sonst der Fall ist“, erklärt Heidi Peterson. Dass das Landratsamt da ob der feurigen Spezialeffekte Bange hatte, versteht sie gut. Aber das Sicherheitskonzept erfüllte seinen Zweck und so konnten alle Beteiligten erst den Abend genießen und dann – nach erfolgreich über die Bühne gebrachtem Konzert – durchatmen. Dieses Jahr also kein flammendes Spektakel. Stattdessen investiert das Kulturhaus Zeit und Geld in eine neue Website. Die alte sei schon lange nicht mehr zeitgemäß. Passenderweise ist in diesen Tagen auch das Torgau-Inforamtions-Center (TIC) „frischer“ online gegangen, optimiert zur Zeit die neue Homepage und bestärkt auch das Kulturhaus-Team darin, hier auf dem richtigen Weg zu sein, um die Kunden auch zu Hause oder unterwegs erreichen und aufs 2019er-Programm neugierig machen zu können.  Also ist die Zeit des Wartens vorbei, ein Programmierer bereits damit beschäftigt, fürs „Kreisi“ bis voraussichtlich Ende April eine moderne und ansprechende Onlinepräsenz samt Ticketshop zu entwickeln.
Das heißt aber bei Weitem nicht, dass das Parkett im größten Veranstaltungssaal der Stadt in diesem Jahr unberührt bleibt. Das Haus ist gerade in Sachen Theater, Musical und Kabarett ein wahres Mehrgenerationenhaus. So entführt „Die Schneekönigin“ am Freitag, dem 8. März, um 17 Uhr große und kleine Märchenfans in eine Welt aus Fantasie, Zauberei und Liebe, tritt am Sonntag, dem 26. Mai, mit „Conni“ ein bei den Torgauer Familien inzwischen beliebtes Ensemble, das Theater Cocomico aus Köln auf. „Weil dieses Theater keine Open Airs mehr spielt, wir aber immer so viel Zulauf auf dem Schlosshof hatten, wird es zwei Vorstellungen an diesem Tag geben, damit auch wirklich jeder ‚Conni‘-Fan auf seine Kosten kommt“, verspricht Heidi Peterson.
Auch die Schulen rücken stärker in den Fokus der Programmgestaltung. Weil es für ganze Schulklassen und ihre Lehrer sowie Begleitpersonen einen großen Aufwand bedeutet, Tagesfahrten nach Leipzig, beispielsweise in die Musikalische Komödie oder ans Schauspielhaus, zu organisieren und stofflich wertvolle Stücke gemeinsam ansehen und danschließend diskutieren zu können, gewinnt das Kulturhaus als Bühne für Gastspiele wie „Draußen vor der Tür“ von den Landesbühnen Sachsen an Bedeutung. Gegen jenes Stück, in dem ein junger Veteran nach der Rückkehr aus dem Krieg am „normalen“ Leben und der Gesellschaft scheitert, klingt der Theaterabend mit TV- und Theaterschauspiellegende Walter Plathe zu „Abenteuern des braven Soldaten Schwejk“ freilich wie eine amüsante Abwechslung vom Alltag – noch dazu mit einem Star in der Titelrolle, den viele noch aus dem „Polizeiruf“ oder als „Landarzt“ kennen.
Mit der „Herkuleskeule“ ins „Lachkoma“ – hier gibt Rainer Bursche scharfzüngig seinen Abschied von der Kabarettbühne, führt allerdings seine junge Kollegin Katrin Jaehne gleichzeitig beim Publikum als potenziellen neuen Liebling ein. Wie so oft verspreche die „Herkuleskeule“ einen musikalischen Satireabend der Extraklasse, ist sich Heidi Peterson sicher. So sicher, wie sie auch das erste Torgauer Taschenlampenkonzert mit der Band „Rumpelstil“ als Familienhighlight kennzeichnet. „So etwas haben wir hier noch gar nicht gehabt, dabei ist es in Berlin beispielsweise schon eine richtige Tradition geworden, gemeinsam als Publikum auf Regieanweisungen der Band hin die Lichtshow zur Musik zu gestalten. Alles nur mit den mitgebrachten Taschenlampen!“ Man müsse ein bisschen verrückt sein und jemanden zum Kuscheln mitbringen, steht im Programm, dann hätte der Abend am Freitag, dem 23. August, das Zeug zum Höhepunkt des (Familien-)Sommers.
Apropos „ein bisschen verrückt“: Wie steht es denn um die Sanierungsbestrebungen rund ums Kulturhaus?
„Hier möchten wir ungern vorgreifen. Nur so viel: Wir sind mit der Stadtverwaltung im Gespräch. Was auch immer vor uns liegt, ich baue sehr auf die Torgauer als Bürger einer Stadt, die sie gern mitgestalten und deren Kulturbetriebe sie erhalten und stärken wollen. Die öffentliche Diskussion ist wichtig, keine Frage, aber jeder kann auch aktiv eingreifen, indem er das Gespräch mit seinem Stadtrat sucht oder sich sogar selbst aufstellen lässt. Ich denke, diese Art der Teilhabe kann der Kulturszene nur zuträglich sein“, so Heidi Peterson. Mindestens genauso wichtig für die kulturelle Arbeit am Standort Torgau sei zudem die Unterstützung mit Fördermitteln, die durch die Stadt Torgau und den Kulturraum Leipziger Raum zur Verfügung gestellt würden.


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