Donnerstag, 21. Februar 2019

 
Dienstag, 5. Februar 2019

NORDSACHSEN

Kroß und Pigorsch starten Kampf um Tokio-Fahrkarte

MNarco Kroß hoch konzentriertFoto: TZ/Archiv

Von Norbert Töpfer

Die Chancen stehen gut, dass mit Marco Kroß und Paul Pigorsch zwei Trapschützen des SSC Neiden bei den olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen. Entschieden ist aber noch nichts.

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Sportfans aus der Region Nordsachsen, die nicht nur den Fußball im Kopf haben, werden bei dieser Meldung aufhorchen. Zur deutschen Nationalmannschaft der Trapschützen, die für zehn Tage im Trainingslager in Al Ain (Vereinigte Arabische Emirate) weilte, gehörten drei Männer. Zunächst nichts Besonderes. Und jetzt der Hammer: In dieses Trio wurden mit Paul Pigorsch und Marco Kroß zwei Athleten des SSC Neiden berufen. Gemeinsam mit Andreas Löw (Schönbronn Weihenzell/SGi Frankfurt/Oder) und drei Frauen aus der gleichen Schießdisziplin wurden diese Schützen ausgewählt, weil sie 2019 den besten Durchschnitt der deutschen Spitzenklasse bei ihren Wettkämpfen erreicht hatten.


Das Schießen steht vorn an


Kroß, als Pfleger im Krankenhaus Eilenburg lupenreiner Amateur, ist stolz. Denn die drei Männer werden bei den ersten zwei Weltcups dieser Saison starten. „Die Hauptsache ist: Wir müssen die zwei Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio schaffen“, sagt Kroß und fügt an: „Aber selbst wenn wir sie im besten Falle erringen sollten, ist noch keiner von uns in Tokio. Erst dann folgt eine interne deutsche Ausscheidung um diese zwei Plätze.“ Der 26-jährige Neidener empfindet diese komplizierte Prozedur indes nicht als Last. „Ich bin erst einmal stolz darauf, um ein Olympia-Ticket kämpfen zu dürfen. Diese Chance haben nicht viele Sportler in Deutschland. Der Druck, diese Qualifikationshürden zu meistern, ist zweifellos da. Aber ich verspüre ihn weniger als andere Mitbewerber für die Olympiafahrkarten, die von ihren sportlichen Ergebnissen leben müssen. Dass ich zu dem Kreis der drei Schützen gehöre, die jetzt die ersten wichtigen internationalen Wettkämpfe bestreiten, ist für mich Motivation pur.“
Kroß ordnet alles dem Trapschießen unter. „Ich trainiere jede freie Minute. Wenn es die Sicht erlaubt, auch bei Schnee.“ In Al Ain hatten die Schützen günstige Bedingungen: 20 bis 30 Grad im Schatten, keine kalten Hände und Füße beim Üben wie in Deutschland. „Wir haben viel mehr als zu Hause geschossen. Wir konnten in acht Tagen 1550 Scheiben schießen. Zu Hause wären es in dieser Zeit möglicherweise 400 gewesen. Es hat gepasst.“


Vor allem technisches Training


Sein SSC-Teamkollege Paul Pigorsch ist ebenfalls mit dem Trainingslager zufrieden. „In Al Ain trainieren zu dürfen, war natürlich super“, sagt der 27-Jährige. Der Sportpolizist, im vergangenen Jahr immerhin WM-Zehnter, berichtet, dass im Programm des Trainingslagers vor allem technisches Training und ein respektabler Teil Schießen stand. „Es ist immer wieder wichtig, die Feinmotorik, die Bewegungsabläufe der Hand-Augenkoordination, zu trainieren“, erklärt der Süptitzer. Am Anfang habe es noch Schwierigkeiten gegeben, weil die Trapschützen zuvor aufgrund der für sie widrigen Bedingungen in Deutschland nur wenig trainieren konnten. „Aber es wurde bei den guten Bedingungen im Trainingslager immer besser“, verrät Kroß.
Nur am sogenannten Regenerationstag hatten die Schützen die Chance, etwas von Land und Leuten zu sehen. „Wir waren in Dubai-Stadt. Das war beeindruckend“, erzählt Marco Kroß. Eine andere Gruppe, zu der Paul Pigorsch gehörte, gönnte sich einen Ausflug in die Wüste. Das sei für den Süptitzer eine willkommene Abwechslung gegenüber den knallharten Belastungen im Trainingslager gewesen.  
Der erste Weltcup-Wettbewerb beginnt am 15. März im mexikanischen Acapulco. Der zweite Wettkampf dieser Serie, auf der die sogenannten Quotenplätze vergeben werden, folgt dann am 5. April in Al Ain, wo die Deutschen ihr Trainingslager austrugen und sich so bereits mit den Bedingungen des dortigen Weltcups vertraut machen konnten.
Angesichts der starken internationalen Konkurrenz ist für Pigorsch klar: „Vor Beginn der Weltcup-Wettkämpfe 2019 und der Europa- und Weltmeisterschaft brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, wer möglicherweise die Fahrkarte für die Olympischen Spielen Tokio löst. Wir müssen erst mal einen Quotenplatz erkämpfen. Das ist schwer genug. Und wenn es die maximal möglichen zwei sind, umso besser.“
Hinzu kommt, dass die möglichen Tokio-Starter nicht allein aus dem Kreis Pigorsch, Kroß und Löw kommen müssen. Die Chance, sich bei den Weltcups, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zu empfehlen, kann Bundestrainer Uwe Möller auch noch anderen Nationalmannschaftsmitgliedern bieten. „Sollten nur zwei Schützen die zwei Quotenplätze holen, fahren sie als Mitglieder des Top Teams Tokio zu den Olympischen Spielen. Erfüllen mehrere Sportler die Bedingungen für die Aufnahme ins Top Team Tokio, werden die Olympia-Starter in einer nationalen Ausscheidung ermittelt“, erklärt Möller den Modus.


Konkurrenten verstehen sich gut


Fest steht, dass Pigorsch als Mitglied des sogenannten Top Teams Tokio alle Weltcups bestreiten wird. Kroß dagegen , der den Sprung ins Top Team Tokio noch nicht geschafft hat, wird als Freizeitsportler bei einigen dieser wichtigen Wettkämpfe fehlen, weil er dafür jedes Mal Urlaub nehmen muss und nicht so viele freie Tage zur Verfügung hat. Kroß trainiert beim SSC Neiden unter Regie von Trainer Andreas Murche (56). Pigorsch geht in seine zweite Saison mit Welt- und Europameister Karsten Bindrich (45, Eussenhausen) als Trainer. Er übt allerdings oft gemeinsam mit Kroß in Neiden. Beide sind zwar Konkurrenten im Kampf um die Olympia-Tickets, verstehen sich aber sehr gut. Kroß verrät: „Wir haben das große Ziel, gemeinsam in Tokio zu starten.“

Info:
Bei den Weltmeisterschaften 2018 wurden die ersten Quotenplätze ausgeschossen. Weitere Quotenplätze für die Einzelwettbewerbe gibt es bei den Weltcups 2019, bei den European Games in Minsk, den Europameisterschaften 2019/2020 in sowie bei europäischen Olympia-Qualifikationsturnieren 2020. Die letzten drei Plätze für die Olympischen Wettkämpfe in Japan werden über die Weltrangliste (1) und über eine ISSF-Kommission (2) vergeben. Der ISSF (International Shooting Sport Federation) ist Träger verschiedener Schießsportdisziplinen, die in aller Welt von Sportschützen betrieben werden.

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