Samstag, 20. April 2019
Mittwoch, 6. Februar 2019

OSTELBIEN

"Bahnhofs-Abriss kommt definitiv nicht in Frage"

Spontan-Besuch beim Bürgermeister: Die Beilroder Kindergartenkinder wissen, dass es sich beim Zempern immer lohnt, auch das Büro von René Vetter aufzusuchen. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Im großen TZ-Jahres-Interview spricht Beilrodes Bürgermeister René Vetter über Bevölkerungsentwicklung, wichtige Investitionen, Kindereinrichtungen und über große Ziele. Und er richtet einen Appell an den Bund und an das Land. 

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Beilrode. Im TZ-Jahres-Interview spricht Beilrodes Bürgermeister René Vetter über Bevölkerungsentwicklung, wichtige Investitionen, Kindereinrichtungen und über große Ziele: 

 

TZ: Herr Vetter, ihre Amtskollegen verspüren einen leichten Aufschwung in der Region. Können Sie das auch für die Gemeinde Beilrode bestätigen? 

R. Vetter: Ja, dieser Aufschwung hat natürlich auch Ostelbien erreicht. Man kann das an verschiedenen Kriterien festmachen. 

 

Welche denn zum Beispiel?

An der Nachfrage nach Bauplätzen. Die ist deutlich gestiegen, sowohl von Auswärtigen, als auch von Einheimischen. Vielleicht spielt dabei die günstige Zinssituation eine Rolle. Aber selbstverständlich locken auch die Angebote mit Kita, Schulzentrum, Ärzten und S-Bahn-Anbindung. Gerade letzteres ist ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen. In 50 Minuten erreicht man den Marktplatz in Leipzig. Das war zuletzt der ausschlaggebende Punkt, das Park & Ride-Projekt am Bahnhofsgelände schnell umzusetzen. Die Baufeldfreimachung ist so gut wie abgeschlossen. Derzeit sind wir mit den Fördermittelgebern im Gespräch, damit es rasch in diesem Jahr weitergeht. 

 

Was wird mit dem Bahnhofsgebäude selbst?

Nachdem die grobe Kostenschätzung vorliegt, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten schauen, welche Fördermittel sich einsetzen lassen. Wir rechnen mit kapp 2 Millionen Euro an Gesamtbaukosten. Nach Fertigstellung des Park & Ride-Projektes wäre das der nächste Schritt. 

 

Ein Abriss wie in Torgau kommt aber nicht in Frage?

Definitiv nein. Es gibt schon intensive Gespräche mit potenziellen Nutzern. Eine Bäckerei hat starkes Interesse, ein Café zu eröffnen. Der Polizeiposten möchte gerne Räume nutzen und wir diskutieren, inwieweit eine Tagespflege hier unterkommen könnte. Auch ein Aufenthaltsraum soll entstehen. 

 

Was bieten Sie Interessenten an, die Bauplätze in Beilrode suchen?

Gerade entwickeln wir als Gemeinde einen kleinen Eigenheimstandort mit sechs Parzellen im Sportplatzweg. Darüber hinaus ist ein Privatinvestor dabei, mittelfristig einen weiteren Eigenheimstandort mit 30 Baugrundstücken in der Straße „Zur Falkenstruth“ zu schaffen. Hier laufen derzeit die Gespräche der Planer mit dem Landratsamt Nordsachsen. Es handelt sich um eine Ackerfläche. Es gibt definitiv ein starkes Interesse an Bauland und an vorhandenen Häusern. 

 

Besteht die Tauschbörse noch, die Sie als Gemeinde eingerichtet haben?

Ja. Das Ziel ist, Verkäufer von Grundstücken und Flächen sowie Bauwillige zusammen zu bringen und zu vermitteln. 

 

Es fällt speziell in Beilrode auf, dass noch zahlreiche Altlasten, Ruinen aus DDR-Zeit, das Ortsbild verschandeln. Was können Sie dagegen tun?

Leider haben wir als Gemeinde nur wenig Handhabe, wenn keine direkte Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht. Es handelt sich um Privateigentum. Wir können die Besitzer nur ermutigen, sich zu einer Entwicklung dieser Grundstücke oder zu einem Verkauf zu entschließen. Das würde die Gemeinde aufwerten. 

 

Was macht der geplante neue Gewerbestandort in Zwethau? 

Im März wollen wir den Gemeinderäten zusammen mit dem Planungsbüro die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorstellen. Wir haben eine 90 prozentige Förderung für die Umsetzung in Aussicht gestellt bekommen. Der Eigenanteil beträgt für uns 10 Prozent. Sollte es sich finanziell für die Kommune darstellen lassen, werden wir sehr schnell Flächenaufkauf und Bebauungsplan in diesem Jahr vorantreiben und auf die Umsetzung drängen. Es gibt derzeit drei konkrete Anfragen für Gewerbeansiedlungen. In Anbetracht dessen haben wir den Standort sogar noch etwas größer geplant. Weil es sich um Flächen im Außenbereich handelt, müssen wir einen Bebauungsplan erstellen.  

 

Wie sieht es generell mit Gewerbesteuer-Einnahmen aus?

Zum Glück gab es in der Vergangenheit keinen spürbaren Einbruch. Die größten Zahler sind landwirtschaftliche Betriebe.

 

Sie haben vorhin Kitas erwähnt. Sind die Einrichtungen gut ausgelastet?

Unsere drei Kitas in Dautzschen, Zwethau und Beilrode sind voll. Wir versuchen trotzdem, jeder Familie einen Platz anbieten zu können, auch wenn das schwierig und manchmal mit etwas Wartezeit verbunden ist. Insgesamt sind 145 Kinder in Krippe und Kindergarten gemeldet, 203 Schüler besuchen den Hort. Sehr beachtlich dabei: Wir haben inzwischen mehr Krippen- als Kindergartenkinder. Hier machen sich die steigenden Geburtenzahlen bemerkbar.

  

Wie lassen sich Kapazitäten im Schulbereich erhöhen?

Im Schulzentrum werden wir in Absprache von Oberschule, Grundschule und Kinderoase das Dachgeschoss im alten Backsteingebäude für zwei neue Klassenräume der Grundschule ausbauen. Damit werden im Grundschul-Objekt räumliche Kapazitäten für den Hort frei, der momentan noch komplett in der Kinderoase untergebracht ist. Die Gesamtkosten betragen rund 290 000 Euro. Die Arbeiten sollen noch dieses Jahr beginnen, kommen wahrscheinlich aber erst im Sommer 2020 zum Abschluss. Für die Kitas wäre größere Unterstützung vom Land oder Bund notwendig. 

 

Was meinen Sie damit?

Wir stoßen sowohl bei unseren räumlichen als auch personellen Möglichkeiten an Grenzen. Der Freistaat hat viel festgelegt, um eine qualitative Verbesserung der Kita-Betreuung zu erreichen, was gut ist. Aber es fehlt eine bessere finanzielle Untersetzung durch das Land. Ein Großteil der laufenden Mehrkosten bleibt bei den Kommunen hängen. Das betrifft Betreuungsschlüssel, Tariferhöhungen beim Personal und die wenigen Fördermittel für Baumaßnahmen. Wir wünschen, dass sich der Freistaat finanziell stärker für die Zukunft unserer Kinder einbringt. Ein Fördermittelprogramm, bei dem es für Kitas und Schulen eine 90 prozentige Förderung und ausreichende Finanzmittel gibt, wäre toll. 

 

Wieviele Einwohner hat die Gemeinde Beilrode aktuell?

Am 5. Februar 2019 waren es exakt 4287. Dabei entfallen auf den Ort Beilrode 2122 Bewohner. Die Zahl blieb in den vergangenen Jahren relativ konstant. Bei Geburten gab es dagegen einen Anstieg. 2018 erblickten immerhin 42 Babys das Licht der Welt, 2017 waren es nur 35, im Jahr 2016 immerhin 40 und 2015 lediglich 37. Das zeigt den positiven Trend. Es gibt wieder mehr junge Familien, die sich für Nachwuchs entscheiden. 

 

Welche Investitionen sind in den Ortsteilen vorgesehen?

In der Kita Zwethau möchten wir die Außenanlagen neu gestalten und neue Spielgeräte anschaffen. Der Fördermittelantrag ist bereits gestellt. Am Bürgerhaus in Dautzschen soll die Außenfassade in Ordnung gebracht werden. Auch in Kreischau ist ein neuer Spielplatz geplant. Und in Zwethau wollen wir ein neues Dorfgemeinschaftshaus schaffen. Es soll Anlaufpunkt für Vereine, Feuerwehr und für die Senioren werden. In Großtreben möchten wir einen neuen Spielplatz errichten. In der ehemaligen Schule ist derzeit der Bauhof untergebracht. Bei den Ortswehren sind Beschaffungen unter anderem bei den Fahrzeugen geplant. Alle Projekte aufzuzählen, würde zu lang dauern. Wir haben einen Doppelhaushalt für zwei Jahre und wollen die Investitionen darin festschreiben.


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