Samstag, 20. April 2019
Montag, 11. Februar 2019

NORDSACHSEN

"Die Situation ist dramatisch"

Jan Glock.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Taura/Nordsachsen. Die Uhr tickt unaufhörlich: Spätestens bis April muss das vom Borkenkäfer befallene Holz aus den Wäldern geschafft sein. Wahrscheinlich schon früher, denn bei 15 Grad Celsius fliegen die gefräßigen Krabbler aus und suchen sich neue Bäume.

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Das gilt es nach Angabe von Jan Glock, dem Leiter des Forstbezirks Taura, so gut es geht zu verhindern. Man dürfe die enormen Schäden nicht noch größer werden lassen. „Die Situation ist dramatisch“, betonte Glock am Montagvormittag bei einem Pressegespräch. „Wenn wir Glück haben und das Frühjahr spielt uns mit Kälte und Nässe in die Hände, kommen wir mit einem tiefblauen Auge davon.“

Das Problem ist dabei nicht allein die enorme Schadholzmenge. Ebenso steht die Frage, wie das befallene Holz schnellstmöglich aus dem Wald gebracht und – im Falle, es findet sich nicht gleich ein Abnehmer – wo es zwischengelagert werden kann. Hierzu sei man nach Angabe Glocks bereits mit mehreren Kommunen im Gespräch, um geeignete Areale zu finden, die es dem Käfer auf Grund der Entfernung von 1 Kilometer zum nächsten Baum unmöglich machen, sich eine neue Behausung zu erfliegen. Dem noch nicht genug, geht es auch darum, wie eine solche Lagerstätte bewirtschaftet werden kann, um die Übersicht nicht zu verlieren.

Um Waldbesitzer für die Gefahren des Borkenkäfers zu sensibilisieren, gab beziehungsweise gibt es vier Infoveranstaltungen. Den Anfang hatte man mit Dommitzsch (24. Januar) und Doberschütz (6. Februar) unternommen. Am Mittwoch (13.2.) folgen jeweils 18 Uhr zwei weitere Infoabende auf der Tauraer Bowlingbahn (Bereich Belgern) sowie in der Gaststätte Fröhlich in Ochsensaal (Bereich Schildau/Dahlen). Mit der bisherigen Resonanz war Jan Glock sehr zufrieden. Jeweils etwa 70 Zuhörer zählten die Abende. Glock hofft, dass nun auch Taura und Ochsensaal ähnlich gut besucht sein werden. Und trotzdem: Jene wohl insgesamt gut 200 nordsächsischen Waldbesitzer sind nur ein Bruchteil vom Ganzen. Immerhin zählt der Forstbezirk Taura etwa 4500 Waldbesitzer.

„Deswegen können die Infoabende und unser im vergangenen Jahr durchgeführte Waldbesitzertag nur ein erster Schritt sein“, betonte Glock. Nun müssten sich auch die Waldbesitzer untereinander über Sofortmaßnahmen verständigen. Ihnen beratend zur Seite stehe dabei zu jeder Zeit der Forstbezirk mit seinen Mitarbeitern. Beratend auch dahingehend, dass zum 19. Februar möglicherweise eine neue Förderrichtlinie verabschiedet wird, mit deren Hilfe Waldbesitzer auf finanzielle Unterstützung bei Sofortmaßnahmen gegen den Borkenkäfer hoffen können.

Wie diese Richtlinie im Detail aussehe, müsse abgewartet werden, sagte Glock. Das im Raum stehende Volumen solle sich aber sachsenweit auf 8 Millionen Euro belaufen. „Eine gute Grundlage, um all jene zu motivieren, die den Käferbefall bis jetzt noch nicht so ernst genommen haben“, findet auch Silvio Karczmarczyk, der neue Pressesprecher des Forstbezirks Taura. Der 30-Jährige hat zu Beginn des Monats das Amt der in den Forstbezirk Marienberg gewechselten Saskia Petzold übernommen.

Zuvor hatte er sich als Forstbezirksassistent unter anderem um die Digitalisierung der Rückewege in den einzelnen Revieren gekümmert. Das große Ziel: Die Holzernte künftig mit Satellitenführung zu optimieren. Denn Achillesferse sei der empfindliche Waldboden, den es trotz schwerer Technik zu schützen gilt. Wird die Digitalisierung der Wege abgeschlossen sein, ist es möglich, wie jetzt schon in der Landwirtschaft Erntetechnik auf den Meter genau per GPS-Ortung durch den Wald zu navigieren. Selbst zugewachsene Rückegassen oder verblichene Farbmarkierungen sind dann kein Problem mehr.

 


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