Sonntag, 26. Mai 2019
Mittwoch, 13. Februar 2019

TORGAU

Grundschulkinder auf dem Schulweg belästigt

Mehrmals wurden Grundschulkinder in Torgau von Fremden angesprochen. Beispielfoto.Foto: TZ / Fotolia

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Kinder auf dem Weg nachhause oder in den Hort von Fremden angesprochen. Die TZ sprach dazu mit den Schulleitern, der Polizei und der Hortleiterin.

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„Wir sind wirklich besorgt um unsere Kinder und wissen nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollen.“ Die Frau, die Ende der vergangenen Woche bei der TZ anrief, klingt am Telefon verzweifelt. Hilflos. Und auch ängstlich, ängstlich um das Wohl ihrer eigenen Kinder. Ihren Namen möchte die Mutter einer 8-jährigen Tochter nicht veröffentlichen, doch die Situation sei zu brisant, als dass man sie nicht ansprechen könne.

Die Familien bedroht

In den vergangenen Wochen seien mehrfach Erstklässler der Grundschule an der Promenade angesprochen worden, berichtet sie. Ein fremder Mann habe sie auf dem Schulweg oder dem Weg in den Hort abgefangen und ihnen Geld und Süßigkeiten angeboten, wenn sie mit ihm kommen. „Und wenn die Kinder das abgelehnt haben, dann hat er ihnen gedroht“, berichtet die anonyme Mutter, deren Kind ebenfalls auf die Grundschule geht, aber selbst nicht betroffen ist.

Das erste Mal soll es Mitte Januar zu solch einem Vorfall gekommen sein. In der Fischerstraße, kurz vor dem Torgauer Markt, habe der Unbekannte gewartet und einen Jungen, der sich allein auf dem Nachhauseweg befand, mit seinem Namen angesprochen. Er habe das Kind mit in das Spielwarengeschäft Loebners nehmen wollen, um ihm Spielsachen zu kaufen. Als das Kind „Nein“ sagte, wurde gedroht. Der Junge habe den Mann begleitet und sei daraufhin am nächsten Tag wieder von ihm angesprochen worden. Dann sei er jedoch vor Angst weggerannt. Einige Wochen später seien dann wieder Kinder belauert worden, diesmal jedoch an der Ecke Promenade/Straße der Jugend auf dem Weg in den Hort der Kita Käthe Kollwitz. Auch hier das gleiche Vorgehen: Es wurde Geld angeboten, bei Ablehnung wurde gedroht.

Aufklärung ist wichtig

An der Grundschule an der Promenade nimmt man den Vorfall durchaus ernst. Bereits Ende Januar, nachdem es zum ersten Mal zu einem solchen Vorfall gekommen war, hatte die TZ dazu die Schulleiterin, Bettina Witzig, im Gespräch. Dabei betonte sie, dass vor allem die Thematisierung des Ganzen mit den Lehrern und Eltern besonders wichtig sei. Die Thematik „Mit Fremden mitgehen“ sei Bestandteil des Ethik- und Sachkundeunterrichts, würde aber aus gegebenem Anlass nun noch einmal separat thematisiert.

„Eltern sollten mit ihren Kindern darüber sprechen und ihnen erklären, dass sie Distanz zu Fremden wahren, nichts von ihnen annehmen und weder mit Unbekannten mitgehen noch in fremde Autos steigen sollen. Geld und andere Geschenke anzunehmen, sollte man verbieten. Man sollte den Kindern auch klarmachen, dass sie jeden derartigen Vorfall an bekannte Erwachsene herantragen sollen, egal ob an Eltern, Großeltern oder Lehrer.“

Die Grundschule ist jedoch nicht die einzige Lehranstalt an der Promenade. Auch das Förderzentrum befindet sich dort. Wie die Schulleiterin Conny Majatschek der TZ mitteilte, seien die Förderschüler jedoch noch nicht von Fremden auf dem Weg nach Hause oder in den Hort angesprochen worden. „Nichtsdestotrotz klären wir unsere Schüler natürlich zu Beginn und auch während des Schuljahres auf, wie man sich in solch einer Situation verhalten sollte. Mir selbst sind allerdings von unseren Schülern noch keine Fälle zu Ohren gekommen.“

Die Polizei ist an der Sache dran

Wie Torgaus Revierleiter Peter Labitzke mitteilte, nehme man auch bei der Polizei die Thematik sehr ernst. „Wir haben entsprechende Maßnahmen eingeleitet,“ sagte er kurz. Auch er ist der Ansicht, dass vor allem eine Aufklärung durch Lehrkräfte und Eltern zur Prävention solcher Vorfälle wichtig seien. „In jedem Fall sollte, falls ein Kind so etwas erlebt, die Schule, der Schulträger und die Polizei entsprechend informiert werden. Der Austausch über soziale Medien ohne Information an die entsprechenden Verantwortungsträger ist aus meiner Sicht der falsche Weg. Die Eigendynamik solcher Nachrichten in den sozialen Netzwerken kann mitunter dazu führen, dass auch aufgrund emotional geführter Debatten Zeugenaussagen in den Ermittlungen zu falschen Schlüssen führen.“

Nicht nur präventive, sondern vor allem auch schützende Maßnahmen werden in diesem Fall von der Kita Käthe Kollwitz, welche auch einen Hort beheimatet, unternommen. „Wir haben den Vorfall bei uns im Team besprochen und die Kinder belehrt, den Weg von der Schule zum Hort nicht allein, sondern nur in Gruppen, mindestens zu zweit zurückzulegen“, erklärt Pia Panzer, die Leiterin der Kindertagesstätte. „Zu den Schulschlusszeiten haben Praktikanten den Schulweg an der Promenade beobachtet, Kinder in den Hort begleitet und konnten keine Auffälligkeiten feststellen. Mit der Polizei sind wir im Kontakt und Austausch.“ Die Aufklärung bei solch einem Thema sei enorm wichtig.

Mitte Januar hatte die Kita deshalb die Puppenspielerfamilie Richter aus Wiedemar zu Besuch, die ganz anschaulich den Kindern beibrachten, nicht mit Fremden mitzugehen. „Die Gefahr ist immer da“, sagt Pia Panzer.
Wie sich die Sache nun weiterentwickelt, bleibt vorerst abzuwarten. Auch zukünftig werden die Hort-Praktikanten den Weg überwachen und auch die Polizei ist an dem Fall dran. An den Schulen wie auch im Hort wird weiterhin die Prävention betrieben und auch vonseiten der Eltern wurde versichert, mit den Kindern das Thema noch einmal ausführlich durchzusprechen. „Wir verlassen uns jetzt einfach darauf, dass die Arbeit der Polizei und des Hortes Wirkung zeigt und dadurch der oder die Täter abgeschreckt werden. Hoffen wir es einfach mal, für unsere Kinder.“

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