Sonntag, 20. Oktober 2019
Freitag, 15. Februar 2019

BELGERN-SCHILDAU

Belgerns Handball am Scheideweg

Belgerns Handballtrainer Frank Tondok spricht Klartext.Foto: TZ/Archiv

Von Norbert Töpfer

Natürlich würde Belgerns Handballtrainer mit seinen Jungs gern aus der Kreisliga in die Bezirksklasse aufsteigen. Aber aktuell sieht er da keine große Chance.

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Gehobenes Mittelmaß stellen derzeit die Handballer des SV Roland Belgern in der Kreisliga Leipzig dar. Nach fünf Siegen und vier Niederlagen rangieren sie auf Platz fünf. TZ sprach mit Trainer Frank Tondok (55) über die Situation des Teams, das er vor zweieinhalb Jahren übernommen hat. Immerhin hat der Lehrer am Gymnasium Oschatz, der einst in Eisenach das Handballspiel erlernte, dort sogar in der Oberliga gespielt. Zudem prägte er in den 90er Jahren die Glanzzeiten der Belgeraner Mannschaft in der Bezirksliga Leipzig.
TZ: Keine Abstiegssorgen, ein sicherer Mittelfeldplatz in der Kreisliga Leipzig: Sie könnten sich ruhig zurücklehnen. Ist das so?
Frank Tondok:
Nein. Nach dem Aufstieg von der Kreisklasse in die Kreisliga vor zwei Jahren wollten wir den Sprung in die Bezirksklasse schaffen. Das ist uns nicht gelungen. Auch diese Saison reicht es nicht für den Aufstieg. Die Situation ist schwierig, ich hatte mir mehr erhofft. Für uns ist höchstens noch Rang drei möglich. Allerdings ist das Niveau in der Kreisliga nicht so schlecht. Die Spitzenmannschaften Regis Breitingen, TSV Markkleeberg und HC Leipziger City könnten in der Bezirksklasse mithalten, wo der VfB Torgau spielt. Fakt ist: Ich identifiziere mich nach wie vor mit dem Verein, aber die anfängliche Euphorie ist etwas gewichen, weil ich mit der Mannschaft derzeit auf der Stelle trete.
Was zeichnet die Spitzenvereine aus?
Markkleeberg zum Beispiel hat viele ehemalige Spieler von LVB Leipzig in seinen Reihen. Und wenn in Leipzig Spieler in ihrem Verein nicht mehr klarkommen, wechseln sie innerhalb der Großstadt. Das geht ruckzuck. Die meisten Leipziger Teams trainieren mindestens zweimal in der Woche mit vollem Kader, was bei uns unmöglich ist.
Mit wie vielen Spielern können Sie trainieren?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei uns trainieren erste und zweite Mannschaft zusammen. Da gibt es Zeiten, in denen ich mit lediglich vier bis fünf Spielern der Ersten übe. Manchmal sind es auch acht bis zehn Spieler. Ich habe viele taktische Ideen, die ich den Jungs eingeimpft habe. Aber wir können sie kaum umsetzen, weil wir sie nicht konstant trainieren können.
Wie oft trainieren Sie?
Einmal pro Woche, immer freitags. Das ist nicht der günstigste Tag. Da muss ich das Training dosieren, weil die Jungs am nächsten Tag meist spielen. Aber anders geht es nicht.
Haben die Jungs keine Lust zu trainieren?
Das ist es nicht. Es gibt verschiedene, nachvollziehbare Gründe, warum viele nicht regelmäßig trainieren können. Allein vier Spieler wohnen in Leipzig, weil sie dort arbeiten beziehungsweise studieren. Freitagabend noch nach Belgern zu fahren, schafft nicht jeder. Die Spieler versuchen zwar zu kommen, aber oft ist es einfach aus den verschiedensten Gründen unmöglich. Das sind immerhin 70 Kilometer bis Leipzig. Andere Spieler, alles Jungs, die aus Belgern stammen, arbeiten oder studieren inzwischen in Hamburg, NRW oder Bayern. Sie können nicht mal zu jedem Spiel anreisen. Ich denke dabei nur an Lucas Bunde, der in Münster studiert. Er ist einer der Leistungsträger, Lenker und Torjäger der Mannschaft. Er hat in der Hinrunde nur zwei Spiele gemacht. Solche Ausfälle sind nicht zu verkraften. Wir haben derzeit auch nur einen Torwart. Wenn der wie zuletzt beim 22:30 gegen Markkleeberg fehlt, muss ich ihn durch einen Feldspieler ersetzen. Das schwächt uns schon erheblich.
Also sieht es insgesamt schlecht aus für den Belgeraner Handball?
Die Lage ist aus den genannten Gründen schwierig. Die Spieler, die nicht regelmäßig trainieren beziehungsweise spielen, können sich auch nicht konstant weiterentwickeln. Es fehlt das kontinuierliche Training. Manchmal fordere ich bei den Trainingseinheiten vielleicht auch zu viel, weil ich Maßstäbe des höherklassigen Handballs anlege, um unser Saisonziel nicht aus den Augen zu verlieren. Aber für die vorderen Plätze müsste zu jedem Spiel die Mehrzahl der Stammkräfte da sein. Und das ist eben nicht immer der Fall.
Also ist der Aufstieg für die nächsten Jahre abgehakt für Belgern?
Nein. So würde ich das nicht sagen. Abgehakt ist das Thema nicht. Es ist weiterhin ein lohnenswertes Ziel, in der Bezirksklasse zu spielen. Immerhin waren wir in besten Zeiten Anfang der 90er Jahre sogar in der Bezirksliga Leipzig eine Spitzenmannschaft.  
Wollen die Jungs überhaupt noch aufsteigen?
Wenn wir über dieses Thema reden, sind alle Spieler der Meinung, dass der Aufstieg unser Ziel bleiben sollte. Aber unter den gegenwärtigen Bedingungen ist das sicherlich ganz schwer. Es müsste alles passen.
Die Zuschauerresonanz ist trotz der Probleme gut…
Ja. Das ist sehr erfreulich. Im Winterhalbjahr sind es meist rund 50 bis 80 Zuschauer. In Leipzig dagegen spielen wir meist in leeren Hallen. Nur Regis Breitingen hat so viele Besucher wie wir.
Belgerns Fußballer kämpfen um den Aufstieg in die Nordsachsenliga. Nehmen Sie sich in einer Kleinstadt wie Belgern gegenseitig die Zuschauer weg?
Nein. Wir können uns nicht beklagen. Viele Fußball-Fans kommen auch zu uns. Umgekehrt ist es genauso der Fall. Der Aufstieg beider Teams würde uns gut tun, weil Belgern eine sportbegeisterte Stadt ist. Es gibt keinen Konkurrenzkampf um die Zuschauer. Wenn die Halle so gut besucht ist, bedeutet das auch für uns zusätzliche Motivation.
Würde eine Fusion mit dem VfB Torgau Sinn machen, um sich in der Bezirksklasse zu etablieren?
Diese Frage steht sicherlich immer mal wieder im Raum. Aber jeder der beiden Vereine hat seine Befindlichkeiten. In Belgern hat keiner der Handball-Verantwortlichen Interesse daran, sich mit Torgau zusammenzuschließen. Jeder Verein hat über Jahre seine gewachsenen Strukturen und so soll es auch bleiben.
Sind beide Vereine verfeindet?
Überhaupt nicht. Von verfeindet kann keine Rede sein. Wir sind bei den Torgauern zu Turnieren eingeladen und sie kommen zu uns. Wir machen auch Trainingsspiele gegen sie, haben vor zwei Jahren sogar freitags in Belgern gemeinsam trainiert. Zu vielen Torgauer Spielern besteht eine sportliche Freundschaft.
Wir reden von Aufstieg in die Bezirksklasse. Hat denn Roland Belgern überhaupt eine Basis mit Nachwuchsmannschaften?
Das ist ein sehr großes Problem. Die meisten Spieler der jetzigen Männer-Mannschaft haben bei mir vor zehn bis zwölf Jahren als B-Schüler begonnen. Das lief gut, wir haben bis zur A-Jugend sogar in den Ligen des Handball-Bezirkes Leipzig gespielt. Diese Jungs stellen inzwischen den Großteil der ersten Mannschaft. Aber wir haben danach nie wieder Nachwuchsteams gehabt. Die meisten Jungs in unserer Kleinstadt gehen zum Fußball. Die Spieler, die ich jetzt bei den Handball-Männern trainieren, sind zwischen 19 und 29 Jahre alt. Wenn in unmittelbar nächster Zeit diesbezüglich nichts Außergewöhnliches passiert, bekommt der Handball in Belgern spätestens in zehn Jahren ganz große Probleme.
Ist das Problem lösbar?
Es ist schwierig. Im Vergleich zu Torgau haben wir in Belgern zurzeit keine Schule, wo zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften im Handball gebildet werden könnten. Sie sind in vielen Orten die Grundlage für den Nachwuchs-Handball. Vielleicht ändert sich ab dem nächsten Schuljahr mit der neuen Schule in Belgern ja diese Situation und es entscheiden sich doch ein paar Kinder für diese Sportart.
Befürchten Sie angesichts dieser Situation, dass Spieler den Verein verlassen?
Das hoffe ich natürlich als Trainer der 1. Männermannschaft nicht. Und es wäre sehr schade, denn das Klima und die Atmosphäre in der Mannschaft sind auch außerhalb des Handballfeldes sehr gut. Das alle im Verein zusammenhalten, hat man gerade bei der letzten Weihnachtsfeier im Dezember wieder gesehen oder kann man das auch beim traditionellen Belgeraner Pfingstturnier, in diesem Jahr übrigens die 50. Auflage, erleben. Ob natürlich alle Spieler mit der Situation zufrieden sind, wenn es vielleicht in den nächsten Jahren wieder nur eine Belgeraner Mannschaft geben wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Manch einer wird sich dann eventuell auch aus beruflichen Gründen sportlich neu orientieren.
 

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