Freitag, 22. März 2019
Sonntag, 17. Februar 2019

TORGAU

Inter-Coach Backhaus im TZ-Interview

Heiner Backhaus wird von Eileen Jack interviewt.Foto: TZ/Stöber ?

von unserer Sport-Redakteurin Eileen Jack

Torgau. Am kommenden Sonntag meldet sich Inter Leipzig mit dem Spiel gegen Oberliga-Primus Luckenwalde im Hafenstadion zurück. Die TZ sprach im Vorfeld mit Coach Heiner Backhaus auch über Aufstiegsambitionen.

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Oberliga-Tabellenführer Luckenwalde schlägt am kommenden Sonntag  im Torgauer Hafenstadion auf. Dann steigt hier um 13 Uhr ein echtes Spitzenspiel gegen den FC International Leipzig, dem aktuellen Tabellendritten der NOFV-Oberliga Süd. Letzterer hat bekanntlich das Torgauer Hafenstadion als seine Heimspielstätte adaptiert und hofft am Sonntag natürlich auf reichlich fußballbegeisterte Zuschauer. TZ sprach im Vorfeld mit Inter-Trainer Heiner Backhaus über die Chancen auf einen Sieg, mögliche Aufstiegsambitionen seines Teams und vieles mehr.

TZ: Was erwartet die Fans des runden Leders am Sonntag im Hafenstadion?
Heiner Backhaus:
Ein ohne Zweifel spannendes und schnelles Spiel mit vielen tollen Szenen.

Könnt ihr das gewinnen?
Ich denke schon, dass wir das Zeug dazu haben, so selbstbewusst sind wir. Wenn wir 100 Prozent geben, können wir sie schlagen.

Wie sieht es mit einem möglichen Aufstieg in die Regionalliga aus? Habt Ihr den anvisiert? Und ist er wirklich machbar?
Wir haben in der Hinrunde die wenigsten Tore kassiert und nur ein Spiel verloren. Unser Ziel ist es, jedes weitere Spiel in dieser Saison zu gewinnen, dann können wir auch aufsteigen. Alle Remis, die wir bisher eingefahren haben, waren enge Spiele. Oftmals haben wir hundertprozentige Chancen ausgelassen. Das war zum Teil haarsträubend.

Ihr habt Euch für Torgau als Heimspielstätte entschieden. Seid ihr heimisch geworden?
Das kann man durchaus so sagen. Wir sind jetzt seit knapp zwei Jahren hier und haben in dieser Zeit nur zwei Spiele zu Hause verloren. Das ist doch eine tolle Quote für einen Heimspielort. Es wäre  nur schön, wenn noch mehr Torgauer auch zu unseren Spielen kommen würden.

Das haben die Jungs sich verdient. Sie sind mit viel Talent ausgestattet. Einigen fehlt es halt noch an Erfahrung. Aber die Zuschauer haben hier die Chance, einen jungen Spieler in seinen Anfängen zu erleben, der vielleicht im nächsten Jahr schon im Profibereich spielt. In den letzten vier Jahren haben wir eine zweistellige Zahl an Spielern in den Profibereich abgegeben, die hier bei uns ihre ersten Schritte gemacht haben.

Was gefällt Euch an Torgau?
Die Leute sind sehr freundlich, der Rasen ist immer tiptop gepflegt. Wir finden hier ein tolle Tribüne vor, die aber leider noch nicht voll ist. Wir selbst sorgen hier zusätzlich für eine familiäre Atmosphäre und arbeiten sehr gut mit dem SSV Torgau, dem das Stadion ja gehört, zusammen.

Was macht die von dir beschriebene tolle Atmosphäre aus?
Allein unser Rahmenprogrammist schon etwas Besonderes. Welcher Verein in der Oberliga hat seine eigene Vereinshymne. Und wo flattern 21 verschiedene Landesfahnen vor dem Spiel im Stadion. Nach dem Spiel laden wir jedes Mal zum Inter-Fantalk ein. Hier kann wirklich jeder alles loswerden, was er von uns wissen will.

21 verschiedene Landesfahnen…  Das Inter-Team setzt sich aus Spielern vieler verschiedener Nationen zusammen. Wie kommt das?
Wir versuchen für Chancengleichheit zu sorgen, deshalb haben wir auch einen der jüngsten Kader in der Oberliga. Und wir bedienen uns eben der Talente, die uns angeboten werden. Am Ende zählt Leistung, vollkommen egal, woher der Spieler kommt.

Du selbst bist ja auch kein Leipziger, sondern stammst aus dem Ruhrpott, bist eigentlichein echter Schalker Jung‘. Was führt dich nach Leipzig?
Private Gründe. Mein Frau war dazumal schwer erkrankt und ihr behandelnder Arzt zog von Dortmund nach Leipzig. Also entschieden wir uns, diesen Schritt ebenso zu gehen. Das war eine schwere Zeit. Inzwischen geht es meiner Frau wieder gut, aber wir leben getrennt, sie in Dortmund, ich in Leipzig

Und du wolltest nicht zurück?
Wenn du aus dem Ruhrpott stammst, kennst du kein Heimweh, halt mal jemand gesagt. Und das ist so. Ich fühle mich hier im Osten und speziell in Leipzig sehr wohl. Die Leute sind so unkompliziert.

Man kann ihnen die Meinung direkt auf den Kopf zusagen, ohne sich vorher ganz genau überlegen zu müssen, wie sie reagieren. Es dauert manchmal zwar etwas länger, bis sie sich für etwas begeistern können, aber wenn es dann soweit ist, dann lieben sie es richtig. Im Übrigen bin ich bekennender Kleingärtner. Das liebe ich neben dem Fußball.

Warum aber trägt ein Leipziger Verein seine Heimspiele denn nun eigentlich in Torgau aus – mehr als 50 Kilometer vom „Heimathafen“ entfernt?
Ich gestehe, wir sind damals mit einer gewissen Portion Naivität an die Vereinsgründung heran gegangen. Wir wollten einfach Fußball spielen und zu wenig Gedanken über das Wo zu machen.

Von der Stadt Leipzig wurde uns schließlich ein Platz im Mariannenpark angeboten, jedoch ohne jegliche mediale Ausstattung wie Waser und Strom. Aber das störte uns nicht. Wir wollten kicken und Spaß haben. Dann hatten wir das Glück sportlich mit einem Verein fusionieren und so direkt in die Sachsenliga einsteigen zu können.

Anfangs haben wir in Tresenwald/Machern gespielt, weil wir dort auch trainieren. Schließlich sind wir in die Oberliga aufgestiegen und plötzlich benötigten wir ein Stadion für die Heimspiele, das ganz andere Anforderungen erfüllt.

Und da kam der Verein auf Torgau?
Wir kannten einige Leute in Torgau wie zum Beispiel Helmut Brenner. Auch wenn er jetzt nicht mehr hier ist, hat er uns doch auch den Weg geebnet. Wir sind sehr dankbar, dass Torgau die Tür für uns geöffnet hat. Schließlich ist es ja auch keine Kleinigkeit, so ein Oberliga-Fußballspiel abzusichern.

Wie lange wird Torgau in den Genuss kommen, das Inter hier Oberliga-Spiele abhält?
Entweder bis wir dann doch eine eigene Heimstatt in Leipzig bekommen – daran wird ja schon seit geraumer Zeit gearbeitet – oder bis wir den Aufstieg in die Regionalliga schaffen. Dann erfüllt das Hafenstadion nicht mehr die Anforderungen des zuständigen Verbandes.

Wenn man über Inter spricht, hallen einem immer wieder auch ktritische Stimmen entgegen. Da fallen schon mal Bezeichnungen wie FC Neureich oder FC Tiefensee. Woher kommt das und wie geht Ihr damit um?
Wir haben anfangs vielleicht einige Fehler in der Außendarstellung gemacht. Hätten wir zum Beispiel unsere Gründungsgeschichte besser bekannt gemacht, dann hätten wir heute sicher auch wesentlich mehr Zuspruch. heute sind wir ein kleiner ambitionierter Verein mit engagierten Mitgliedern und Spielern zahlreicher verschiedener Nationen.

Wir spielen guten Fußball und nur das ist doch wichtig. Bei uns hat jeder, der was auf dem Kasten hat, eine Chance, was nicht überall so ist. Bei Inter landen viele Spieler, die es im ersten Anlauf bei höherklassigen Profivereinen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geschafft haben. Fakt ist, sportlich ist die Anerkennung für Inter enorm gestiegen.

Woher nimmst du diese Gewissheit?
Es gibt sicher nicht viele Vereine, die jedes Jahr gefühlt die halbe Mannschaft an Proficlubs abgeben, weil die von der spielerischen Klasse der Jungs überzeugt sind.

Womit überzeugt ihr junge Spieler – Du sagtest ja, bei Euch ist keiner älter als 23 Jahre – zum FC International zu kommen?
Wir haben zwar noch keine Heimstatt, aber wir können in einem tollen Zentrum in Tresenwald/Machern trainieren. Wir haben Top-Physiotherapeuten. Spieler, die zu uns kommen, sehen, dass sie schnell ihren Wert steigern können.

Noch mal zurück zu den vielen verschiedenen Nationen. Ist das nicht schwierig im Training? Wie kommen die Jungs alle miteinander klar?
Zuerst einmal wird bei uns im Training Englisch gesprochen. Ich selbst spreche sechs Sprachen, neben Deutsch und Englisch auch, Spanisch, Portugiesisch, Griechisch und auch ein bisschen Holländisch.

Wir achten aber auch darauf, dass die Jungs die deutsche Sprache möglichst schnell lernen, um besser zusammenzufinden. Bei uns treffen tatsächlich Welten aufeinander, nicht nur wegen der Sprachen sondern vor allem wegen der unterschiedlichen Mentalitäten. Aber es funktioniert und macht Spaß.

Wie siehst Du deine Rolle als Trainer? Musst Du dich ständig hinterfragen, wie das so oft in den Bundesliga-Vereinen an der Tagesordnung ist?
Klar, wir würden gern aufsteigen, aber ich muss nicht ständig immer nur punkten. Als Trainer sitze ich fest im Sattel, habe somit die Ruhe im Job, die ich an die Jungs weitergeben kann. Das hilft ihnen enorm und sie schaffen es relativ schnell, ihr volles Potenzial auzuschöpfen.

Ich versuche, auf jeden Spieler einzugehen. Es ist immer ein Spagat zwischen individueller Toleranz und mannschaftlicher Disziplin. Aber Fakt ist, die Jungs wollen hier spielen. Inter ist für sie ein wunderbarer Filter. Es ist nicht die erste Chance, sondern oft die letzte, doch noch Profi zu werden. Wer sich dieser Chance voll und ganz verschreibt, dem stehen alle Türen offen.

Bist Du streng als Trainer?
Ich fordere viel, ja. Und wenn einer zu spät zum Training kommt, dann trainiert er nicht mit. Und wer nicht trainiert, der spielt nicht. Ich packe die Jungs schon hart an. Aber das brauchen sie. Das sind alles junge Spieler, deren Festplatte gefüllt werden will.
 

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