Donnerstag, 23. Mai 2019
Donnerstag, 21. Februar 2019

TORGAU

24 Stunden - 24 Unternehmen: Das Schlaflied singt die Säge

Marcus Scholz tüftelt in seiner Werkstatt bis tief in die Nacht hinein an neuen Projekten. Foto: TZ/J. Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Es ist 23 Uhr nachts, doch im Gewerbegebiet in der Eilenburger Straße wird bei "Holzkunst Scholz" noch gearbeitet. Für die TZ-Reihe "24 Stunden – 24 Unternehmen" durften wir Mäuschen spielen...

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Torgau. Wenn Marcus Scholz an Nachmittagen in der Woche seine Tochter Emma aus der Kindereinrichtung abgeholt hat und mit ihr an der Werkstatt im Torgauer Gewerbegebiet an der Eilenbruger Straße ankommt, dann rollen hunderte Autos ganz in der Nähe im typischen Feierabendverkahr über den Asphalt. Hält er vor dem Tor zur Werkstatt kurz inne, kann er sie hören. Und er weiß, für ein paar Stunden, mag sein Geschäft, scheint die Arbeit bei „Holzkunst Scholz“ still zu stehen – denn jetzt ist Papazeit angesagt.

 

Feierabend für die einen - Pause für ihn

 

„Das lasse ich mir nicht nehmen! Meine Familie ist mein Ein und Alles und auch als Zimmerermeister mit eigener Firma lasse ich im Notfall sofort alles stehen und liegen, um als Vater für sie da zu sein.“ Sein wichtigster Nachmittagstermin ist eben Emma. Eine seiner schönsten Inspirationsquellen ist sie auch.Denn überall in den Büro- und Privaträumen von Marcus Scholz hängen von kleinen, schnellen Mädchenhänden gemalte Bilder einer kunterbunten Kinderwelt, die mit der Zeit an motivischer Schärfe gewinnen und an Leichtigkeit verlieren werden. Um der kleinen Künstlerin, die in dieser Hinsicht viel von ihrem Vater geerbt zu haben scheint, so viele sorglose Momente bereiten und ihr in jedem Alter genau das bieten zu können, was sie braucht, was sie ausprobieren möchte und wofür sie brennt – dafür legt er am Abend noch eine Schippe drauf. Die normale Feierabendzeit ist momentan für Marcus Scholz, den wegen seiner wild vom Kopf abstehenden Haarpracht viele „Locke“ nennen, eher eine Pause. Es gilt: man ist „selbst“ der erste und letzte Mann im Betrieb und das „ständig“.
Dass das einer der Gründe sei, warum er selbst mit festen Schließzeiten schlecht abschalten könne, gibt er gern zu: „Ich gehe halt nicht einfach hier raus, schließe hinter mir das Tor zu und fahre nach Hause. Alles, woran ich tagsüber gearbeitet habe, was mir an Ideen kam oder noch erledigt werden muss, ist auch dann noch da – in meinem Kopf –, wenn meine Angestellten längst gegangen sind, in anderen Betrieben vermutlich auch schon lange der Hammer gefallen ist.“ Warum gibt er diesem Drang, weiterzumachen dann nach? „Erstens steht dann das Telefon still, man kommt mal zu genau den Arbeiten, die sonst oftmals durchs Läuten des Handys unterbrochen würden. Und zweitens  folgen die kreativen Ideen selten dem Biorhythmus.“ Es sei eher im Gegenteil – wenn der Körper zu Ruhe komme, habe der Geist den nötigen Raum, künstlerisch Neues zu entdecken und zu schaffen. Erst dann, wenn die  Kreissäge im Kopf das Schlaflied singt, gehe er, um einen Einfall, erleichtert nach Hause.

 

Inspiration und Engagement

 

Doch vorher lässt er in der Stille der Nacht die Inspirationen des Tages Revue passieren. So wie vor einem dreiviertel Jahr den Moment, in dem sein Kind ihm mit einem scheinbar banalen Satz die Idee für ein Benefizprojekt lieferte, das dank rasend schneller Verbreitung über die sozialen Netzwerke im letzten Jahr hunderte Kinder in ihren Kitas glücklich machte: Als sie das übergroße Stapelturmspiel, dass er ihr für den Garten gesägt und geschliffen hatte, begeistert ausprobierte, stellte sie lachend fest, dass das andere Kinder auch haben sollten. Warum nur sie damit Spaß haben sollte, wenn es doch so lustig und einfach wäre? Der verblüffte Vater und Zimmerermeister Marcus biss sich an dieser Frage fest und entwickelte – nach Feierabend – das Konzept, mit der finanziellen Unterstützung verschiedener Partner eine feste Anzahl dieser Türme herzustellen und auf Facebook per Aufruf an einige Kindergärten der Region zu verlosen. Aus den geplanten fünf Türmen wurden aufgrund der immensen Reaktionen 65 Wackeltürme, die nach und nach in verschiedene Einrichtungen gebracht und inzwischen von zahlreichen kleinen Tüftlern in Aktion genommen wurden.

 

Auftragsannahme nach Bauchgefühl

 

Das treffend „Emma spielt“ genannte Projekt ist nur eins von vielen, die im alltäglichen Arbeitspensum zwischen der Fertigung von Carports und Dachstühlen oder kunstvoll verzierten Holzbänken und Picknickecken schon rein zeitlich kaum Platz finden würden. Wobei auch diese Aufträge immer individuell mit dem Auftraggeber zusammen geplant, besprochen und zum fertigen Produkt hin entwickelt werden. „Ich erlaube mir, nur mit Menschen zusammen zu arbeiten, mit denen die Chemie stimmt. Das soll nicht heißen, dass wir so viel Umsatz erwirtschaften, dass ich mir immer meine Kunden aussuchen kann, aber ich höre auf mein Bauchgefühl, wenn es mir grummelnd mitteilt, dass mein Gegenüber mit Skepsis zu behandeln oder auch mal an andere Dienstleister der Branche zu verweisen ist. Auf diese Art habe ich großartige Geschäftspartner kennengelernt und meine Kollegen und mich vor so manch zeit- und nervenraubender Erfahrung bewahrt.“ Klingt, als wäre der Chef mit sich und seinem Platz in der regionalen Wirtschaftswelt im Reinen? „Ja, ich kann mit Stolz sagen, dass sich die zehn Jahre, mit all den auch mal sehr schweren Zeiten, in denen ich hier allein an der Maschine stand, um so wenig Kosten wie möglich stemmen zu müssen, bisher gelohnt haben. .“

 

Ein Festival für Sägenkünstler

 

Er verstehe sich mehr als Künstler, an den erwähnten Dachstühlen reizten ihn vor allem die ungewöhnlichen Aufträge – führten sie ihn in den letzten Jahren doch auch nach Norwegen und Österreich. Schnitzereien, aufwändige Verzierungen, individuelle Motive und alternative Dekorationskonzepte für Innen- und Außenbereiche, das seien genau die Felder, in denen er sein ganzes Können am liebsten präsentiere. Zum großen Kettensägenfestival am Sasmtag, dem 6. April hingegen überlässt „Locke“ sein Betriebsgelände  13 Kettensägenkünstlern aus ganz Europa. Im Rahmen eines bunten Familienfestes, in dessen Idenfindung sicher auch Emma als Stellvertreterin ihrer Altersgruppe einbezogen wurde, findet dann nämlich in Torgau die Qualifikation zur Deutschen Speedcarving Meisterschaft statt. Die Vorfreude auf diese Veranstaltung wird Marcus Scholz allerdings sicher noch mindestens eine weitere Nacht Schlaf kosten...


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