Freitag, 22. März 2019
Freitag, 22. Februar 2019

TORGAU

Verzweiflung in Torgaus Kleingärten

Viermal brannte es in den vergangenen Monaten in den Gartenanlagen „Zur Erholung“ und „Sonnenblick“. Dabei fielen insgesamt fünf hölzerne Gartenlauben den Flammen zum Opfer. Foto: TZ

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Nachdem letzte Woche bereits die fünfte Gartenlaube innerhalb weniger Monate niedergebrannt ist, weiß man am Süptitzer Weg nicht mehr weiter.

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War es Brandstiftung? Oder vielleicht doch nur ein technischer Defekt? In den Gartensiedlungen im Süptitzer Weg herrscht Unsicherheit. Verwirrung. Angst. Innerhalb der letzten dreieinhalb Monate gingen hier fünf Gartenlauben lichterloh in Flammen auf, allesamt nur wenige Meter voneinander entfernt. Die ersten drei befanden sich in der Gartenanlage „Zur Erholung“ und brannten noch im vergangenen Jahr, im November und Dezember, nieder, in der Anlage „Sonnenblick“ fielen nun noch einmal zwei Holzhütten den Flammen zum Opfer, beide im Februar. An einen Zufall glaubt man im Vorstand der beiden Gartenvereine mittlerweile nicht mehr.

Die Flammen sind nur ein Problem

„Seit 30 Jahren haben wir hier nun schon diese Gartensiedlung, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt.“ Heidrun Aretz  ist verzweifelt. Sie ist die Vorsitzende des Kleingartenvereins „Zur Erholung“ und kann sich keinerlei Reim auf die Brandserie machen, die in den vergangenen Monaten die Gärten zwischen Süptitzer Weg und Außenring heimsucht. Denn keiner weiß, wann und wo die nächste Laube brennen könnte. Nur über die Tatsache, dass es noch einmal zu einem Brand kommen wird, darüber ist man sich sicher. „Jedes Mal, wenn man draußen die Sirenen hört, wartet man schon auf den Anruf, dass es in der Gartenanlage wieder brennt. Man kommt gar nicht mehr wirklich zur Ruhe.“

Denn nicht nur die eigentliche Gefahr durch die Flammen macht den Kleingartenbesitzern zu schaffen, es sind vor allem die Folgen, die zu großen Problemen führen. Das weiß auch Oliver Klemm. Er ist zwar noch kein Mitglied im Vorstand des Gartenvereins „Zur Erholung“, greift diesem aber trotzdem fleißig unter die Arme. Außerdem ist seine Tante eines der Opfer, deren Laube in den letzten Monaten in Flammen stand. „Bei uns im Verein haben auch viele sozial schwächere Leute einen Garten“, erklärt er. „Die haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten ihr ganzes Geld in ihren Hütten und ihr Material gesteckt. Wenn das nun in Flammen steht, haben sie keine Möglichkeit, es wieder aufzubauen.“

Es kommt also, wie es kommen muss: Die Gärten stehen leer und werden nicht weiter genutzt. Geräumt werden sie jedoch auch nicht, da den Besitzern die finanziellen Mittel dazu fehlen und so ist der Garten einfach sich selbst überlassen. „Wir als Vorstand können da überhaupt nichts machen“, hakt Heidrun Aretz ein. „Uns fehlen sowohl die Mittel als auch die Befugnisse, einfach einen leer stehenden Garten zu beräumen.“

Marita Schiefke, Oliver Klemm und Heidrun Aretz im Vereinshaus des Kleingartenvereins „Zur Erholung“.

Viel zu viele leere Gärten

Bereits vor dieser Brandserie hatten die Gartensparten mit dem Leerstand zu kämpfen, nun wird es sogar noch weiter verstärkt. „Noch hat bei uns keiner gekündigt, seit das mit den Bränden losgegangen ist“, sagt Aretz erleichtert. „Aber das ist auch nur eine Frage der Zeit. Und je mehr Leute ihren Garten verlassen, desto höher werden die Mitgliedsbeiträge. Was dann wiederum wieder Leute abschreckt. Ein Teufelskreis.“ Elf Gärten stehen aktuell in der Siedlung „Zur Erholung“ leer und müssten beräumt werden, im „Sonnenblick“ sieht es ähnlich aus.

Hier sitzt Marina Schiefke mit im Vorstand und ist ebenfalls mit der aktuellen Situation mehr als unglücklich. Für sie ist es neben der Polizei, die die Umstände der Brandserie aufklären muss, vor allem die Stadtverwaltung, die sich aktiver um die passionierten Kleingärtner kümmern sollte. „Mit ein paar Arbeitseinsätzen von Hilfskräften der Stadt, die die leer stehenden Gärten beräumen, wäre wirklich schon viel gewonnen“, sagt sie. „Dafür fehlen uns schlicht und ergreifend die Mittel.“

Gerade mit Blick auf die bevorstehende Landesgartenschau können die Gartenbesitzer nur ihre Köpfe schütteln. „Da steckt doch das Wort ,Garten‘ schon mit drin“, drückt Oliver Klemm seine Verwunderung aus. „Und dann wird in die Innenstadt das ganze Geld gesteckt, aber nichts in die Gärten.“

Eine komplett dunkle Anlage

Denn auch wenn die Leerstände in Verbindung mit den Bränden momentan das akuteste Problem der Kleingartenvereine sind, gibt es doch noch zahlreiche andere Baustellen, für die bei den Vereinen einfach kein Geld vorhanden ist. „Wenn man sich hier abends einmal umsieht, bemerkt man es sofort: die gesamte Anlage ist dunkel. Keine einzige Straßenlaterne steht hier. Da muss man sich dann auch nicht wundern, wenn die Leute hier einbrechen, ihren Müll entsorgen und unsere Lauben anzünden.“ Und auch einen Hydranten suchten die Kameraden der Feuerwehr bei den zahlreichen Bränden vergeblich. Die sind nämlich nicht vorhanden in den Gartensiedlungen. Das Feuer musste jedes Mal mit dem Wasser aus den Feuerwehrautos gelöscht werden.

Ratlose Kleingärtner

Wie sie nun auf die ständig drohende Gefahr der Brandstiftung reagieren sollen, wissen die Kleingärtner nicht. Sie sind ratlos, ob und wann das nächste Mal eine Laube brennt und ob es überhaupt wie bisher bei kleineren Holzhütten bleibt. „Wir haben hier auch große, richtig teure  Massivbaulauben. Da steckt dann nicht nur eine vierstellige, sondern teilweise auch schon eine fünfstellige Summe drin“, sagt Oliver Klemm besorgt.

Er, wie auch die anderen Mitglieder der beiden Gartensparten, verlassen sich jetzt voll und ganz auf die Arbeit der Polizei. „Was anderes können wir ja auch nicht tun. Unsere Anlage ist frei zugänglich und im Winter ist hier ja nichts los. Das Einzige, was in unserer Macht läge, wäre eine private Nachbarschaftswache, aber wer hat denn dafür die Zeit? Wir können jetzt einfach nur hoffen, dass die Brandserie entweder einfach aufhört oder die Polizei die Täter schnappt.“

 

Info

Wie die Polizeidirektion Leipzig mitteilte, geht man aktuell in allen vier Fällen von „unsachgemäßem Umgang mit offenem Feuer“ oder anders ausgedrückt von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Die Ermittlungen zu den Bränden am 13. November, 1. Dezember sowie 12. und 16. Februar sind noch in vollem Gange.

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