Sonntag, 15. September 2019
Mittwoch, 27. Februar 2019

TORGAU

24 Stunden - 24 Unternehmen: Hier wird der Morgen "geschaukelt"

Mandy Auerbach (li.) und Madleen Borchardt (re.) sind selbst fasziniert von der Wirkung des "gyngestolen" ("Schaukelstuhl) auf das Wohlbefinden von Senioren wie Sonja Mücke. Foto: TZ/N. Leukhardt

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. „Ich brauche einfach nicht mehr so viel Schlaf.“ – diesen Satz kennen die K&S-Pfleger von einigen ihrer Bewohner. Wie die Senioren im Haus durch einen speziellen Sessel mehr Entspannung finden, lesen Sie hier.

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Es ist 5.00 Uhr morgens, als bei K&S langsam der Tag für die ersten Bewohner beginnt. Für die Pflegekräfte des Nachtdienstes ist es Zeit, den letzten Rundgang ihrer Schicht zu unternehmen und dann alles für den Schichtwechsel vorzubereiten. Sieben Tage lang sind die Mitglieder des Nachtdienstteams jeweils während der Nächte für die Seniorinnen und Senioren da, wenn sie nach einem aufregenden Traum aus dem Schlaf aufschrecken, es ihnen plötzlich nicht gut geht oder sie einfach nicht zur Ruhe finden, während die Zimmernachbarn längst selig schlummern.

„Für unsere Bewohner ist es in diesen Stunden wichtig, immer denselben Ansprechpartner zu haben. Nachts ist der Umgang miteinander intimer als am Tage, wenn alle wach sind und zudem andere Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden sind. Bekannte Gesichter schaffen Vertrauen und darum geht es ja in unserem Beruf“, erklärt Residenzleiterin Jacqueline Ulbrich.

 

„Frühe Vögel“

 

Dieses Vertrauen erfahren die Pflegerinnen und Pfleger dann auch am Morgen, wenn die ersten Frühaufsteher ihnen ein freundliches „Guten Morgen!“ entgegenrufen. Dann helfen sie den Senioren beim ersten Toilettengang und einigen von ihnen auch dabei, danach noch einmal entspannt einzudösen. Doch manchen hält schlichtweg nichts mehr im Bett, wenn er einmal munter ist und so unterhält man sich ganz leise darüber, wie früh es doch noch ist und was der Wetterbericht für den angebrochenen Tag bereit hält. Weil sie „ihre“ Nachtdienstler so gut kennen, fragen sie sie auch ganz offen: „Wann kommen Sie wieder?“. Fast schon familiär ist der Umgang mancher Schwester mit ihren Schützlingen. Schließlich kennt sie ihre Vorgeschichte, ihren Gesundheitszustand, ihre Vorlieben und Abneigungen im Alltag besser als mancher Angehöriger. Erfährt von Jugendträumen, Familiengeschichten und auch Ängsten und hat in schweren Momenten das offene Ohr, das berufstätige Kinder und Enkel erst nach dem eigenen Feierabend anbieten könnten. Gerade für Alzheimer- und Demenzkranke ergeben sich unvermittelt große Schwierigkeiten in der Bewältigung ihres normalen Tagesablaufs, mit denen sie selbst manchmal schwer zurecht kommen. Hier helfen empathische und hilfsbereite Mitarbeiter der Einrichtung, ihnen Stress zu nehmen und Akzeptanz gegenüber der eigenen gesundheitlichen Einschränkung zu entwickeln.

 

Schaukeln für Gelassenheit

 

Die Methoden dafür sind vielfältig und reichen von Spielen zur Stärkung kognitiver Wahrnehmung über Angebote zur leichten sportlichen Betätigung bis hin zu einer Art Wellness. Neben Klangschalentherapie und Snoezelangeboten kann dabei seit neustem auch ein ganz besonderes „Möbelstück“ helfen. Der sogenannte „gyngestolen“ (Dänisch: schaukelnder Stuhl) ist ein in Skandinavien entwickelter Schaukelstuhl zur gezielten Behandlung von Symptomen wie Unruhe, Depressionen und Angstzuständen. Er mutet an wie ein Wellnesssessel, in dem man sanft in drei individuell einstellbaren Programmen geschaukelt werden kann. Ein Lendenvibrator stimuliert auf angenehme Weise den Unterkörper und Lautsprecher in der Rückenlehne ermöglichen das Einspielen von speziell für die Behandlung Demenzkranker komponierter Musik.
Entlastung der Pflegekräfte

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade rastlose, sehr unruhige Senioren nach einigen Minuten darauf geradezu gelassener wurden. Manche von ihnen haben sonst krankheitsbedingt ein sehr hohes Aufmerksamkeitsbedürfnis, fühlen sich oft nicht wohl und rufen dementsprechend oft auch nach ihren Pflegern. Der Schaukelstuhl – so simpel das Prinzip auch sein mag – hat auch uns geholfen, diese sehr zeitintensive Betreuung etwas zu entschleunigen. Und unseren Bewohnern geht es damit super!“, so Jacqueline Ulbrich.

 

Schichtwechsel: „Gute Fahrt!“

 

Mit diesen Beobachtungen ist sie nicht allein: Die Einrichtungen in Dänemark, die seinerzeit in Studien den Stuhl testeten, berichteten von ähnlichen Ergebnissen. So konnten „Sitzungen“ bei 72- bis 95-Jährigen mit diagnostizierter Demenz das körperliche Wohlbefinden steigern, den Gleichgewichtssinn spürbar stärken und Stimmungstiefs in ihrer Intensität mildern. Das Bild vom Pfeife rauchenden, lässig wippenden Großvater ist also nicht zufällig wohl ein weit verbreitetes Idealbild für das Leben im hohen Alter – die sanfte Bewegung scheint tatsächlich viel  bewusste und unbewusste Aufregung bei den Schaukelnden abzubauen. Und dann haben diese auch wieder mehr Freude am abwechslungsreichen Alltag in der Seniorenresidenz. Um 6.15 Uhr findet die Schichtübergabe an die Tagespflegerinnen und -pfleger statt. Die Nachtschicht hat da bereits die Medikamentengabe vorbereitet, den Pflegewagen bestückt und ihren „frühen Vögeln“ die erste Lektüre in Form der Torgauer Zeitung ins Zimmer gebracht. Die kommt nämlich fast gleichzeitig mit den frischen Brötchen vom Bäcker gegen 6 Uhr.

 

„Gute Fahrt!“, ruft eine ältere Dame „ihrer“ Nachtschwester zu und begrüßt die Ablösung direkt mit dem bereits in Erfahrung gebrachten Wetterbericht für den heutigen Tag.


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