Freitag, 20. September 2019
Montag, 25. Februar 2019

TORGAU

24 Stunden - 24 Unternehmen: Eine Familie hinterm Steuer

Marion Engelmann und Sohn Steve präsentieren stolz ihren Fuhrpark. Foto: TZ/F.Wendt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Wenn andere Menschen zwischen 4 und 5 Uhr morgens noch durch das süße Land der Träume schweben, befinden sich Marion Engelmann und ihre Kollegen entweder noch oder schon wieder im Dienst.

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Torgau. Wenn andere Menschen noch durch das süße Land der Träume schweben, befinden sich Marion Engelmann und ihre Kollegen entweder noch oder schon wieder im Dienst. Zusammen mit ihrem Sohn Steve, der gleichzeitig auch ihre rechte Hand ist, leitet die Torgauerin das gleichnamige Taxi-Unternehmen der Elbestadt und ist jeden Tag auf vier Rädern überall in der Region unterwegs.

 

Jeden Tag fest durchgeplant

 

Gegen fünf Uhr früh beginnt für Marion Engelmann, Sohn Steve und die fünf Mitarbeiter des gleichnamigen Taxi-Unternehmens der Arbeitstag. Es wird sich auf die Arbeit vorbereitet, damit pünktlich um 5.30 Uhr die ersten Fahrzeuge starten und sich auf den Weg zu den ersten Kunden machen können. Denn die meisten Fahrgäste sind Stammkunden und fahren Woche für Woche oder Tag für Tag die gleiche Strecke. Sei es zur Dialyse oder in die Elbaue-Werkstätten zur Arbeit. „Stammkunden spielen in einer ländlicheren Region wie hier bei uns eine sehr große Rolle“, erklärt Steve Engelmann. „Mehr noch als die klassische Laufkundschaft. Dadurch können wir unsere Tage sehr gut durchplanen und haben halbwegs geregelte Arbeitszeiten.“

Dazwischenkommen kann natürlich immer etwas, das weiß auch der 35-Jährige, der vor knapp elf Jahren mit in die Firma seiner Mutter einstieg. „Aber darauf wird dann eben reagiert.“ Bei Steve, der sich selbst auch gern „der Dispatcher“ nennt, laufen alle Fäden der verschiedenen Fahrzeuge zusammen. Er koordiniert nicht nur die geplanten Fahrten, sondern weist vor allem auch im Falle eines spontanen Fahrauftrags einen entsprechenden Wagen samt Fahrer zu. „Unsere Autos sind alle mit einem GPS-Sender versehen, sodass ich mit einem Blick auf meinen Bildschirm im Auto sehe, wo sich die Kollegen gerade befinden und wohin sie fahren. Anhand dessen kann ich dann jemanden zuteilen und dem Kunden sagen, wie lange er noch ungefähr auf sein Taxi warten muss.“

 

Gemeinsam werden Ideen entwickelt

 

Insgesamt fünf Fahrzeuge haben die Engelmanns jeden Tag im Einsatz. Drei Kleinwagen mit einer Kapazität von fünf Personen inklusive Fahrer und zwei Kleinbusse, in denen maximal acht Fahrgäste Platz nehmen können. In mehreren Schichten werden die Fahrzeuge von den insgesamt sieben Fahrern durch den Landkreis bewegt, je nach Fahrerwunsch auch darüber hinaus. „Theoretisch agieren wir europa-, eigentlich sogar weltweit. Wenn ein Fahrgast nach Russland fahren möchte, dann fahren wir ihn nach Russland“, sagt Steve Engelmann schmunzelnd.

Welcher Fahrer welches Fahrzeug fährt, das entscheidet in regelmäßigen Abständen die Chefin. „Wir wechseln immer wieder durch, damit keine Routine und damit Betriebsblindheit entsteht. Wenn ein Auto ein komisches Geräusch macht, dann fällt einem das nach einer Weile nicht mehr auf, wenn aber dann ein Kollege es benutzt, merkt er das.“ Dadurch sollen Probleme vorgebeugt werden.
„Zusammen mit Steve entstehen hier immer wieder neue Ideen und Verbesserungen“, sagt sie. „Ein ständiger Lernprozess.“ Eine Aussage, die ihr Sohn ebenfalls bestätigt: „Wir treiben uns gegenseitig an und bringen uns manchmal auch dazu, über unseren Schatten zu springen und auf Risiko zu gehen.“

Das wohl beste Beispiel für ein solches Risiko: Ein elfenbeinfarbener Kleinbus mit einem Taxischild auf dem Dach. „Den haben wir uns letztes Jahr zugelegt, obwohl noch gar nicht sicher war, ob wir überhaupt die Taxi-Zulassung dafür bekommen“, erinnert sich die 56-jährige Geschäftsinhaberin. „Steve hat mich überzeugt, zu pokern und mir das Fahrzeug anzuschaffen, sodass wir, sobald die Zulassung da ist, damit losfahren können.“ Und tatsächlich. Kaum war das Auto bestellt, flatterte den Engelmanns auch die Zulassung ins Haus und der Fuhrpark war verstärkt. Auch ein zusätzlicher Fahrer konnte dann noch eingestellt werden.

 

Mehr als nur Fahrer

 

Diesen zu finden, gestaltete sich für die Engelmanns jedoch deutlich schwieriger als gedacht. Denn wer beim Familien-Unternehmen anfangen möchte, der muss mehr sein als nur ein einfacher Fahrer. „Unsere Leute sind Fahrer, Seelsorger, Komiker, Freunde und Krückstock in einem. Es geht nicht nur darum, einfach hinterm Steuer zu sitzen und den Kunden von A nach B zu bringen, sondern manch einer schüttet auch sein Herz aus, braucht Hilfe beim Einsteigen, muss aufgemuntert werden oder hat irgendwelche anderen Wünsche. Unsere Fahrer bieten quasi ein Rundumpaket.“

Auch wenn das Taxi-Unternehmen Engelmann unter der Woche nur bis spätestens 21 Uhr spontane Fahrten durchführt, lässt es seine Kunden zu keiner Zeit im Regen stehen. „Geplante Fahrten können von uns nach 21 Uhr durchgeführt werden. Und falls jemand zu später Stunde noch spontan gefahren werden möchte, dann vermitteln wir an unseren Kollegen, der in Torgau die Nachtschichten fährt.“ An den Wochenenden sind die Engelmanns, oder einer ihrer Mitarbeiter, allerdings auch selbst durchgängig unterwegs.

„Gerade Samstag-Nacht sind wir die ganze Zeit auf Abruf. Schließlich ist für uns das wichtigste Ziel, unsere Kunden wohlbehalten und glücklich ans Ziel zu bringen. Und wenn das eben am Sonntag um 4 Uhr ist, dann nehmen wir den Auftrag gerne an.“


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