Freitag, 19. April 2019
Mittwoch, 27. Februar 2019

TORGAU

24 Stunden - 24 Unternehmen: Bergen, was noch zu retten ist

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

TORGAU. Gegen 1.30 Uhr klingelt das Diensthandy. Michael Glaubrecht ist sofort hellwach, als er vom ADAC-Abschleppservice in knappen, präzisen Worten erfährt, womit er und seine Kollegen den Rest der Nacht verbringen werden.

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TORGAU. Gegen 1.30 Uhr klingelt das Diensthandy. Michael Glaubrecht ist sofort hellwach, als er vom ADAC-Abschleppservice in knappen, präzisen Worten erfährt, womit er und seine Kollegen den Rest der Nacht verbringen werden: an der Bundesstraße 187, von Herzberg in Richtung Jüterbog, in Höhe Borken. Dort ist ein großer Lkw von der Fahrbahn abgekommen. Der Dreiachser liegt gekippt auf der Seite.

 

Bis dahin bedeutet die Information nichts Ungewöhnliches. Als langjähriger ADAC-Partner bekommt das Torgauer Autohaus quasi rund um die Uhr Aufträge zur Bergung von Fahrzeugen aller Art aus oft krassen Unfallszenarien heraus. Als Glaubrecht jedoch hört, dass die Ladefläche von vorn bis hinten mit Joghurtpaletten bestückt ist, ahnt er, dass dieser Einsatz das übliche Maß überschreiten könnte. Doch dass seine Crew sage und schreibe 14 Stunden mit der Bergung beschäftigt sein wird, davon neun (!) Stunden, um die Ladefläche joghurtfrei zu beräumen, war nicht vorhersehbar: „Dieser Einsatz im Herbst  2018 war der bisher aufwendigste. Und wir haben tatsächlich schon fast alles erlebt, auch Gefahrengut-Bergung“, bekundet Vater Bernd Glaubrecht. Der 66-Jährige hatte 2006 die Firma an Sohn Michael übergeben, steht ihm aber weiterhin zur Seite und gehörte, wie in diesem Fall, auch zur Bergungscrew.

 

Mittendrin im Joghurt-Matsch

 

Mit Radlader, Kran, einem Schlepper als Lkw-Berger und einem zweiten Schlepper plus Werkzeugwagen sind die Glaub-rechts ausgerückt. Joghurt-Matsch ist zwar kein Gefahrengut, aber eben eine Riesenschweinerei. „Wir sind mit Gummistiefeln rein und sahen bald aus wie nach einer Tortenschlacht“, erinnert sich der Senior. Und: „Allein hätten wir das nicht geschafft. Wir bekamen Unterstützung vom THW Torgau, das einen Bus voller Helfer brachte. Gemeinsam mit ihnen wurde eine Menschenkette gebildet, über die wir alle Paletten weiterreichten, bis hin zu den herbeigeorderten Containern. Die Kühlkette war ja unterbrochen. Nichts, auch nicht das, was augenscheinlich noch unversehrt ist, darf weiterverwendet werden. So hatten wir am Ende sechs Container Joghurt abzufahren und  – wie bei allen anderen Gütern – diese natürlich nachweislich zu entsorgen.“ Als ADAC-Dienstleister werden die Glaubrechts erst dann gerufen, wenn Rettungsdienst, Feuerwehr und Unfallermittlungsdienst  ihre Arbeit beendet haben. „Mit dem Bergen und Retten von Verunglückten haben wir nichts zu tun. Doch der Anblick vor Ort verrät meist genug. Davon darf man sich nicht schocken lassen. Das wäre nicht gut in unserem Beruf. Unsere Aufgabe ist es, alles den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend zu bergen, und zwar so, dass kein weiterer Schaden entsteht“, bekräftigt Michael Glaubrecht. – Drei Atemzüge später fügt er leise hinzu: „Wenn wir aber mitbekommen, dass Kinder betroffen sind, ist das noch mal eine andere Dimension.“ Wer das Diensttelefon in Obhut hat und den Anruf von der Polizei oder dem ADAC entgegennimmt, entscheidet anhand des geschilderten Szenarios, wie viele Personen mit welcher Technik ausrücken. Das sind zwischen zwei und sechs Mann, je nachdem, ob es sich um verunfallte Pkw, Kleintransporter oder Lkw handelt. „Wir hatten allerdings auch schon zwei Kleinflugzeuge abgeschleppt, und Bergungen aus dem Wasser gab es auch schon“, zeigt Bernd Glaubrecht auf. Letzteres passierte bei Dommitzsch und bei Mühlberg, wo jeweils ein Auto von der Fähre gerollt war und die Fahrrinne blockierte.

 

Gaffer und wild(e) Unfälle

 

Kopfschüttelnd erzählen Glaubrechts von Einsätzen, bei denen während der Bergung fast erneut ein Unglück geschehen wäre, hervorgerufen durch Gaffer. „Solche Leute wissen gar nicht, welche Gefahren sie auslösen – für sich und andere, ja auch für uns.“ Die Chronik zeigt auch jede Menge Wildunfälle. „Wir hatten sogar schon einen Hirsch im Auto und ein Pferd.“ In Erinnerung bleibt ein Jeep, der 90 Grad aufgerichtet an einem Baum stand – auf der Heckklappe. Kein Wildunfall, warum auch immer. Bei unklaren Situationen, etwa wo keiner am Steuer saß – und generell bei Straftatverdacht – hat sich die Bergungscrew an strenge Regeln zu halten. Michael Glaubrecht: „Wir bekommen relativ schnell gesagt, ob es sich um ein normales Abschleppen handelt oder ob das Fahrzeug sichergestellt wird. Dann dürfen wir das Wrack nicht öffnen, sonst könnten Spuren verwischt werden.“ Das Corpus delicti wird per Kran auf den Schlepper gehievt, von außen gesichert und auf den Torgauer Firmenhof gebracht. Dort parkt es im sicheren Bereich, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Das bedeutet, dass keine Personen an das Fahrzeug herangelassen werden. Handelt es sich hingegen um ein „normales“ Abschleppen, kann das Wrack ohne Probleme in Augenschein genommen – oder abtransportiert werden. „Wenn gewünscht, übernehmen wir auch bundesweit die Überführung. Diesen Fall haben wir gerade bei einem Fahrzeug, das vor wenigen Tagen in Richtung Falkenberg verunglückt ist. Der Fahrer rammte nicht gegen, sondern in ein Brückengeländer.  Wir mussten es tatsächlich abmontieren. Es steckt von vorn bis hinten im Auto. Zum Glück auf der Beifahrerseite, wo niemand saß.“

 

Einsatz-Territorium wächst

 

Der Einsatzbereich des schon in der vierten Generation erfolgreichen Unternehmens reicht bis etwa zur halben Distanz auf der Strecke Elsterwerda – Liebenwerda, weiter auf der B 101 bis kurz vor Jüterbog, außerdem von der B87 Langengrassau bis Eilenburg, inklusive Herzberg, Bad Düben, Bad Schmiedeberg, Jessen, bis kurz vor Wittenberg. „Wir haben viel kleiner angefangen, aber es hat sich immer weiterentwickelt und wird in der Perspektive noch größer werden“, lässt Michael Glaubrecht wissen.
Das lässt schlussfolgern, dass die Torgauer Bergungsspezialisten als zuverlässige Partner des ADAC, der Polizei und der Justiz gelten, übrigens auch als zuverlässige „Gelbe Engel“ in der Pannenhilfe. Denn sie sind auf Anforderung ebenso schnell unterwegs, wenn ein Reifen geplatzt oder die Batterie versagt. Besonders in solchen Fällen, wenn etwa die Urlaubsreise nicht abgebrochen werden musste, kommt gar nicht so selten ein herzliches Dankeschön hinterher.


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