Mittwoch, 16. Oktober 2019
Mittwoch, 6. März 2019

NORDSACHSEN

Notärzte schlagen Alarm

Symbolbild Notärzte-Problem.Foto: TZ/Archiv

Presseinformation

Nordsachsen. Notärzte aus dem Landkreis haben eine Petition an die Landesregierung verfasst. Darin machen sie auf katastrophale Zustände im Rettungswesen aufmerksam und fordern Abhilfe.

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Nach der Ankündigung des SPD-Kreisrates Heiko Wittig im Dezember-Kreistag, auf die enormen Missstände im Rettungswesen zu reagieren, liegt das Ergebnis nun auf dem Tisch.

„Ich habe mich wie angekündigt mit den Notärzten in unseren Krankenhäusern Delitzsch und Eilenburg verständigt und mich sehr gefreut, dass sie trotz ihrer enormen Arbeitsbelastung bereit waren, sich gegenüber den Verantwortlichen auf der Landesebene gegen die unsäglichen Zustände stark zu machen“, so Wittig.

Da der Kreistag keine alleinigen Entscheidungsbefugnisse gegenüber den neu geschaffenen zentralen Rettungsleitstellen im Land Sachsen hat, sahen die Notärzte Dr. Lutz Badura, Volker Pufe, Kai-Uwe Mothes und Thomas Winkler eine Petition an den Landtag als geeignetes Mittel, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen.

In der von den vier Ärzten eingereichten Petition heißt es:

Aufgrund massiver Beschwerden und Kritiken aus der Bevölkerung, von den Notärzten und dem Personal des Rettungsdienstes bestehen erheblich Zweifel an der Effizienz des Zentralen Leitstellensystems in Sachsen, insbesondere der Integrierten Rettungsleitstelle (IRLS) Leipzig.

Diesbezügliche Anfragen an die Landkreisverwaltung Nordsachsen und zweimalige Referate der zuständigen Ordnungsamtsdezernentin im Kreistag brachten keine erschöpfenden Auskünfte. Im Gegenteil, es wurde wiederholt über erhebliche Verschlechterungen seit dem Wechsel von den dezentralen Leitstellen zur IRLS berichtet.

Die Ausführungen sorgten in keinster Weise für Zufriedenheit. Im Gegenteil, sie machten noch einmal deutlich, dass das zentralisierte Leitsystem gegenüber dem vorhergehenden, dezentralen System erhebliche Verschlechterungen mit sich gebracht hat. Als Maßnahme schlug die Landkreisverwaltung vor, eine Firma mit einer Evaluierung der Situation zu beauftragen.

Diese Maßnahme ist aus unserer Sicht völlig unnötig, da die Ursachen für die Probleme bekannt sind, häufig reklamiert werden und nachweislich in der Zentralisierung liegen.

Diese situative Einschätzung ist nicht auf den Landkreis Nordsachsen beschränkt und wird in einer Vielzahl von anderen Landkreisen geteilt.

Erfahrungen aus anderen Bundesländern bestätigen die Problematik mit zentralen Leitsystemen. Entsprechende Rückabwicklungsverfahren sind bekannt.

Um den beschriebenen Zustand konkret zu objektivieren, bitten wir den Landtag daher dringend zu prüfen, ob die Zentralisierung der Leitstellen in Sachsen eindeutig belegbare Vorteile für die Versorgung der Bevölkerung gebracht hat.

Zudem bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen, zunächst bezogen auf den Bereich der IRLS Leipzig:

1. Wie häufig wurden die Hilfsfristen in Notfällen nicht eingehalten und aus welchen Gründen?

2. Wie oft kam es zur Abmeldung von Rettungsmitteln und aus welchen Gründen?

3. Wie haben sich die Kosten für den Betrieb der Leitstelle im Vergleich zu den dezentralen Leitstellen für den Landkreis Nordsachsen sowie die beiden anderen in die IRLS migrierten Gebietskörperschaften in den Jahren 2014 bis 2018 entwickelt?

4. Gibt es ein Beschwerdemanagement für die IRLS Leipzig und wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

Im Ergebnis dessen bitten wir zu prüfen, ob und wenn ja in welchem Zeitraum eine Abwicklung des zentralen Leitsystems in Sachsen und die Wiedereinführung der Dezentralisierung der Leitstellen erfolgen kann.

Wir appellieren an den Landtag, unsere Petition zügig zu behandeln, da es bei diesem Thema um Menschenleben geht.

Leider gibt es konkrete Beispiele, wo es aufgrund der Verschlechterungen im Leitstellensystem zur akuten Gefährdung von Menschenleben gekommen ist.

 

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