Donnerstag, 18. Juli 2019
Freitag, 8. März 2019

GESPRÄCH AM SONNTAG

Falko Haak: "Blühende Grünflächen"

„Öffentliche Grünflächen werden oft als kurz geschnittene Rasen unterhalten.“Foto: SWB/PN

Von unserem Peter Noack

Riesa. Von Januar 2019 bis Dezember 2020 läuft im „Elbe-Röder-Dreieck“ das Projekt „Blühende Grünflächen“.

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Riesa. Von Januar 2019 bis Dezember 2020 läuft im „Elbe-Röder-Dreieck“ das Projekt „Blühende Grünflächen“. Die Region demonstriert damit gemeinsam mit den sieben Mitgliedskommunen, wie Grünflächen ökologisch aufgewertet werden können.  In Österreich gibt es mit der Initiative „Natur im Garten“ bereits gute Erfahrungen mit der Umgestaltung öffentlicher Grünflächen. Deutschlandweit hat das Projekt „Stadtgrün Naturnah“ diese Aspekte in einigen Teilnehmerkommunen aufgegriffen. Auch in Sachsen gibt es erste Blühflächen, die zumeist von engagierten privaten Grundstücksbesitzern gezielt als sogenannte „Schmetterlingswiesen“ angelegt wurden. Die Kommunen sind bei der Flächenunterhaltung mit unterschiedlichen Anforderungen und Zwängen konfrontiert und pflegen öffentliche Grünflächen zumeist einheitlich und regelmäßig mit einem Mulcher. Regionalmanager Falko Haak stellt das Projekt vor.


SWB: Herr Haak, was wird im Projekt gemacht?
Falko Haak:
  Wir wollen zeigen, wo und wie ökologische Vorteile auf öffentlichen Grünflächen entstehen können. Im Projekt werden dazu bestehende Verkehrsinseln, Randstreifen und ähnliche Flächen in den Gemeinden des Elbe-Röder-Dreiecks zu pflegeleichten, mageren Blühflächen mit heimischen Ansaaten oder Wildstauden umgewandelt. An diesen Demonstrationsflächen testen und erlernen die kommunalen Mitarbeiter mit externer Unterstützung, wie das gelingen kann, ohne dass die Kosten steigen. Für Nachahmer soll es dann auch eine Sammlung der Erkenntnisse und praxistaugliche Anleitungen geben.


Wie ist der aktuelle Stand?
Aktuell stimmen die Kommunen ihre Standortvorschläge mit der Projektleitung ab. Schließlich können im Rahmen des Projektes nur 10 bis 20 Grünflächen umgestaltet werden. Dieses Frühjahr noch soll es an die Umsetzung gehen, sodass erste Ergebnisse schon im Sommer zu erwarten sind.


Welchen ökologischen Vorteil haben diese blühenden Grünflächen?
Der offensichtliche Vorteil ist, dass Insekten hier durchgängig Nahrung in Form von Nektar finden sollten. Daneben gibt es aber noch zahlreiche andere Aspekte: Viele Insekten legen ihre Eier z. B. an Pflanzenstängeln ab. Bei Schmetterlingen schlüpfen daraus dann zunächst Raupen, die das grüne Pflanzenmaterial essen. Dabei ist es nicht selten, dass sich Insekten auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert haben. Je vielseitiger eine Wiese, desto höher also die Artenvielfalt bei den Insekten. Monotone Grasflächen bieten nur für wenige Arten ein gutes Auskommen. Wer dann auch noch einen Mulcher zur Pflege einsetzt, zerstückelt einen Großteil der Tiere, die sich doch noch dort aufgehalten haben.


Worin bestehen die wirtschaftlichen Vorzüge?
Das kommt darauf an. Klar ist: Je höher der Aufwand ist, einen bestimmten Zustand vor ungewünschter Veränderung zu bewahren, desto höher sind die Kosten dafür. Deutlich wird das bei der „Unkrautbeseitigung“ in Rabatten. Vorteil der ökologischen Grünflächenpflege ist, dass seltener gemäht wird. Wirtschaftliche Vorteile entstehen dann vor allem bei breit verteilten Flächen, weil Anfahrtswege vom Bauhof und damit auch Personalkosten gespart werden. Allerdings ist dann der Aufwand pro Pflegegang umso höher. Letztlich kommt es also vor allem darauf an, welche Maschinen eingesetzt werden, wie sich der Standort entwickelt und wie effizient die Pflege geplant und durchgeführt wird.


Besteht nicht die Gefahr, dass auf diesen Flächen auch unerwünschte Pflanzen wachsen?
Was sind unerwünschte Pflanzen? Aus ökologischem Gesichtspunkt ist es jedenfalls unerwünscht, wenn Gräser dominieren oder sich invasive oder nicht heimische Pflanzen durchsetzen. Beides versuchen wir durch eine professionelle Vorbereitung zu verhindern. Das Projekt ist aber gerade dazu gedacht, die Entwicklung von Flächen zu beobachten und Strategien zu erarbeiten, einen möglichst erwünschten Pflanzenbestand sicherzustellen.


Wo können sich Bürger solche Flächen ansehen, die bereits in dieser Form bewirtschaftet werden?
Es gibt in Großenhain die Zschillewiese und eine Wiese im Stadtpark. Auch Gröditz hat erste Flächen in Eigenregie umgestaltet. Wir gehen nun einen Schritt weiter und werden an einzelnen Standorten auch den für Kräuter oftmals viel zu nährstoffreichen Oberboden austauschen. Es wird also kein einheitliches Bild entstehen. Weder innerhalb einer Fläche noch bei den verschiedenen Flächentypen. Ich hoffe, dass die neue Wildheit von den Bürgern nicht als Unordnung, sondern als natürliche Schönheit angesehen und damit Hundekot und Plastikmüll entsprechend aufgesammelt wird.

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