Freitag, 22. März 2019
Sonntag, 10. März 2019

MOCKREHNA

Gedenken an den Behinderten-Pionier Otto Perl

Otto Perls Grab auf dem Wildenhainer Friedhof. Trotz des schlechten Wetters ließen es sich die Anwesenden nicht nehmen, es nach dem Festgottesdienst zu besichtigen. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Wildenhain. Der gebürtige Wildenhainer Otto Perl war Mitbegründer des ersten Selbsthilfeverbandes für körperbehinderte Menschen in Deutschland. Die Gründung jährte sich am Sonntag zum 100. Mal, weswegen in sein Heimatdorf eingeladen wurde.

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Den wenigsten Menschen, die nicht gerade in der Behinderten-Arbeit tätig sind, ist der Name Otto Perl ein Begriff. Doch auch wenn der Name dieses Menschen heute kaum noch bekannt ist, wäre ohne sein Vermächtnis die Welt heutzutage eine andere. Insbesondere für Menschen mit einer körperlichen Behinderung. Denn Otto Perl, geboren 1882 in Wildenhain, war Mitbegründer des ersten deutschen Selbsthilfebundes für Körperbehinderte. Und eben diese Gründung jährte sich am vergangenen Sonntag zum 100. Mal, weshalb der Wildenhainer Heimatverein zum Festgottesdienst und  anschließendem gemütlichen Beisammensein in Perls Heimatdorf einlud.

Mathias Imbusch

„Heute ist ein wahrlich schöner Tag für die Errungenschaften von Körperbehinderten“, führte Superintendent Mathias Imbusch in dem von ihm gestalteten Gottesdienst aus. „Jeder kann stolz auf diesen Tag sein.“ In seiner Predigt betonte er die Wichtigkeit Otto Perls für die Selbstbestimmung, die körperlich beeinträchtigte Menschen in der heutigen Zeit genießen. Perl habe darum gekämpft, dass jeder eine freie Entscheidungsgewalt hat und diese auch nutzen kann. „Der Grundgedanke des Otto-Perl-Bundes ist die Selbstbestimmung und Selbstverwirllichung aller Menschen. Jeder kann sein Leben gestalten wie er es will, doch hat den Rückhalt einer großen Gemeinschaft. Genau wie in der Kirche, in der wir alle Brüder und Schwestern sind.“

Interessiert wurde Mathias Imbusch und Robert Schübel gelauscht. In der ersten Reihe Erhard Künel, Mockrehnas Bürgermeister Peter Klepel und Gunter Jähnig vom Behindertenverband Leipzig (v.l.n.r.).

Und auch für Robert Schübel, seines Zeichens Wildenhainer Ortsvorsteher und Hobbyhistoriker, ist das Vermächtnis Otto Perls etwas ganz besonderes. Und so ließ er es sich an diesem Tag auch nicht nehmen, allen Anwesenden einen historischen Rückblick über die Entstehung des Otto-Perl-Bundes zu geben und auch Perls Leben an sich kurz zu resümieren.

Ausführliche Infos zu Otto Perl und dem Selbsthilfebund finden Sie hier

Robert Schübel

Nachdem der offizielle Teil vorbei war, gesellte man sich gemeinsam in den Saal der Erzeugergemeinschaft, wo nicht nur ein kurzer Film über Otto Perl gezeigt wurde, sondern vor allem auch zahlreiche anregende Gespräche stattfinden konnten. Sehr zur Überraschung der Gastgeber hatten sich dazu auch zahlreiche Nachkommen und Verwandte Otto Perls eingefunden, von denen sich eine sogar an den Mann persönlich erinnerte.

„Otto Perl war mein Großonkel“, erzählt Steffi Perl, die zusammen mit ihrem Bruder Hans Albert und Cousin Gunther den Weg nach Wildenhain auf sich genommen hatte. „Ich habe ihn zwar nur einmal mit vier oder fünf Jahren getroffen, erinnere mich aber vor allem an eine Sache noch gut: Seinen freundlichen Gesichtsaudruck. Er war ein wirklich netter Mann. Was er aber in seinem Leben so alles geleistet hatte, das war mir damals natürlich noch nicht bewusst. Von dem Selbsthilfebund, seinem enormen Selbststudium und seinem fortwährenden Engagement haben uns unsere Eltern und Großeltern erzählt. Es ist wirklich toll zu sehen, wie ihm hier in Wildenhain gedacht wird.“

Gerhard Elbe (rechts), der lange mit dem Enkel Otto Perls zusammenarbeitete, hatte einige von dessen Nachkommen eingeladen. Steffi Perl (3.v.r.) hatte Otto Perl in ihrer Kindheit sogar persönlich kennengelernt.

Eine Meinung, die auch Erhard Kühnel teilt. Dieser ist nicht nur Vorstandsmitglied des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Sachsen, sondern auch im Vorstand der Otto-Perl-Stiftung. Deren Zweck ist es, behinderten Menschen in besonderen Notlagen zu helfen und sie zu unterstützen. „Und damit stehen wir dann auch in der Tradition von Otto Perl. Er war ein absoluter Vorreiter in der Behindertenhilfe und da ist es wirklich interessant bei so einer Veranstaltung zu sehen, wo solche Leute eigentlich herkommen.“ Die Selbstbestimmtheit Körperbehinderter sei auch heutzutage noch ein wichtiges  Thema, an welchem nach wie vor gearbeitet werden muss. „Wir haben in der Vergangenheit viel geschafft, aber es gibt auch noch viel zu tun. Aber das, was Otto Perl vor 100 Jahren erschaffen hat, war auf jeden Fall ein wichtiger Schritt für alle körperbehinderten Menschen in unserem Land.“

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