Freitag, 24. Mai 2019
Dienstag, 9. April 2019

TORGAU

"Es gibt nichts, was mir Drogen im Moment geben könnten"

Eric Stehfest und seine Frau Edith kommen im September nach Torgau.Foto: Bertram Boelkow (Ausschnitt TZ)

von unserer Volontärin Elisa Perz

Torgau. Eric Stehfest kommt im September nach Torgau, um sein Buch "9 Tage wach" vorzustellen. Die TZ unterhielt sich mit ihm vorab über den Band, seine Erlebnisse und seine Pläne für die Zukunft.

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Eric Stehfest war ein Junkie. Mit 13 Jahren fing er an zu kiffen, mit 14 nahm er zum ersten Mal Crystal Meth. Zehn Jahre lang war er abhängig von der Droge. Sie bestimmte seinen Alltag. Sein Leben. Heute ist der 29-Jährige ein glücklicher Familienvater – und clean. Nach einem neun Tage langen Rausch, den er fast nicht überlebte, und einem einjährigen Entzug schaffte er den Absprung.  Im Anschluss wurde der Schauspieler vor allem durch die Rolle des Chris Lehmann in der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) und seiner Teilnahme an „Let´s Dance“bekannt. Die Zeit vor diesen Erfolgen hat er aber nicht vergessen. Im Gegenteil: Seine Erfahrungen mit Crystal Meth hat der Ex-Junkie in der Autobiografie „9 Tage wach“ verarbeitet. Am 13. September wird der gebürtige Dresdner das Buch in der Kulturbastion in Torgau im Rahmen einer Erlebnislesung vorstellen. Die Torgauer Zeitung unterhielt sich mit ihm vorab über den Band, seine Erlebnisse und seine Pläne für die Zukunft.

 
TZ: Herr Stehfest, waren Sie schon mal zu Besuch in Torgau?
E. Stehfest:
Nein, noch nicht. Aber ich freue mich sehr auf den Abend und hoffe, dass es ein echter Moment zwischen uns Künstlern und dem Publikum wird. Ich möchte den Zuhörern meine Botschaft vermitteln.
 
Und wie lautet Ihre Botschaft?
Liebe. Jeder soll sich selbst lieben und andere lieben können. Dass das funktioniert, sieht man bei mir und meiner Frau Edith. Wir sind zusammen, obwohl zwei Ex-Junkies das laut Therapievorsatz gar nicht dürfen.
 
Ihre Frau wird bei der Lesung auch dabei sein und ihre eigenen Erfahrungen durch die Musik ausdrücken. Es wird demnach keine klassische Lesung, oder?
Genau. Es handelt sich eher um eine Lese-Performance, die sich aus Visualisierungen, Filmausschnitten, Musik und Live-Sängern zusammenfügt. Es soll ein direkter Austausch mit dem Publikum stattfinden. Jeder kann Fragen stellen. Ich und auch meine Frau werden über alles sprechen, auch über die Tiefen, die wir durchlaufen haben.
 
Die Tour ist das erste Projekt, bei dem sie beide gemeinsam auf der Bühne stehen. Wie kam es dazu?
Es war mir wichtig, dass Edith dabei ist. Sie hat die gleiche Reise wie ich erlebt. Das hatte sich gleich bei unserem Kennenlernen gezeigt. Das war vor rund viereinhalb Jahren in meiner Wohnung in Berlin. Edith ist Musikerin und Sängerin und arbeitete mit einem Musikproduzenten zusammen, den ich sehr gut kenne und mit dem sie mich in meiner Wohnung besuchte. Ich hatte damals gerade ganz viele Zettel mit bedeutenden Erlebnissen aus meinem Leben an die Wand gepinnt und in denen hat sie sich wiedergefunden.
 
Zu Ihren Erlebnissen gehören auch einige Tiefpunkte. An einen Ihrer größten gelangten Sie, als Sie neun Tage ohne zu schlafen drauf waren, sich in Ihrer Wohnung einschlossen und mit dem Gedanken einschliefen, nicht mehr aufzuwachen. Doch sie sind aufgewacht, haben anschließend einen kalten Entzug gemacht und viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Was haben Sie dadurch gelernt?
Wie schnell das Leben vorbei sein kann. Und wie wichtig es ist, dass wir jeden Tag versuchen, es zu genießen und unser Glück zu teilen.
 
Sie teilen durch „9 Tage wach“ Ihre Erfahrungen mit Crystal Meth. Die Droge bezeichnen Sie in dem Buch als Ihre Schwester. Warum?
Durch diese Bezeichnung möchte ich auch die Menschen abholen, die keine Erfahrung mit der Droge haben. Der Name Schwester drückt die Verbindung zu Crystal Meth aus, die ich während der Abhängigkeit hatte. Es war wie die Liebe zu einer Schwester.
 
Ist das auch das Schlimme an Crystal Meth?
Ja. Die Droge gibt einem das Gefühl von Familie, von zu Hause. Davon, angekommen zu sein. Sie ist das Leben an sich. Und die Droge lässt einen funktionieren, arbeiten. Deshalb ist sie als Dopingmittel längst in unserer Leistungsgesellschaft angekommen.
 
Ist es das, worauf Sie mit Ihrem Buch und Ihrer Lese-Tour aufmerksam machen wollen?
Auch. Außerdem möchte ich zeigen, dass es wichtig ist, selbst Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn sie sich im Nachhinein als falsch herausstellen, hat man sich trotzdem entschieden. Jeder darf im Leben scheitern, aber man muss danach wieder aufstehen.
 
Sie sind wieder aufgestanden und haben einen Weg aus der Abhängigkeit gefunden. Haben Sie nach der Veröffentlichung des Buches Rückmeldungen von anderen Betroffenen erhalten?
Ja, sehr viele und das geschieht auch heute noch dauernd. Ich gehe weiterhin zu den Brennpunkten, um die Junkies dort zu treffen und ihnen zu helfen.
 
Wie sieht Ihre Hilfe aus?
Mittlerweile reicht manchmal schon meine reine Anwesenheit. Ich nehme mir Zeit für die Betroffenen und schaue sie mit einem intensiven Blick an, während die meisten anderen Menschen nur schnell an ihnen vorbeigehen.
 
Stichwort Zeit nehmen: Das haben Sie auch für die Arbeit an Ihrem Buch getan. Ein Jahr haben Sie intensiv mit Ihrem Co-Autor Michael Jacob Stephan daran geschrieben. Nebenher standen sie noch für die Dreharbeiten von GZSZ vor der Kamera. Wann kamen Sie dann überhaupt dazu, sich mit Ihrer Autobiografie zu beschäftigen?
Ich habe die Nacht genutzt, bin meistens vom Set direkt zu Michael gefahren. Er saß dann an seinem Schreibtisch, während ich um den Tisch herumgelaufen bin und wie im Theater Monologe gehalten habe. Auf diese Weise habe ich mit der Zeit eine literarische Sprache entwickelt, es war wie ein Sprachrausch. Insgesamt war die Entstehung des Buches ein ganzer Rausch. Teilweise habe ich nur eine Stunde geschlafen und dafür dann extrem viel Espresso getrunken.
 
Der Einsatz hat sich bezahlt gemacht: Über 200 000 Exemplare wurden von „9 Tage wach“ verkauft. Das Buch stand mehrere Woche auf der Spiegel Bestseller-Liste, wird außerdem verfilmt, als Theaterstück aufgeführt und an Schulen im Unterricht behandelt. Hatten Sie im Vorfeld mit solch einem Erfolg gerechnet?
Jetzt ja zu sagen, wäre falsch. Aber zumindest hatte ich mir vorher ein Manifest geschrieben, was ich erreichen möchte. Mir war es wichtig, dass das Buch später verfilmt wird. Dass das nun mit Pro7 und Gaumont passiert, ist für mich der größte Ritterschlag.
 
Spielen Sie selber in dem Film mit?
Dazu darf ich momentan noch nichts sagen.
 
Können Sie dafür verraten, welche Projekte bei Ihnen demnächst anstehen?
Ich bin gerade dabei, aus mir eine Art Kunstfigur zu machen. Das ist eine sehr umfangreiche Aufgabe.
 
Das müssen Sie näher erklären.
Ich möchte in die musikalische Richtung gehen, rappen. Das mache ich, seitdem ich 13 bin. Dazu gehört auch die Eröffnung des Cafés in Gera am 12. April. In das Lokal wollen Edith und ich ein Musikstudio integrieren und somit einen Ort schaffen, an dem jeder gemütlich Kaffetrinken, sich gleichzeitig aber auch musikalisch austesten kann. Darüber hinaus wird das Filmprojekt von Station B3.1 auf ein neues Level gebracht.
 
Sie meinen die 16-teilige Recherche-Reihe Ihrer Produktionsfirma, die sich pro Folge mit einem psychologischen Begriff der Abhängigkeit befasst?
Genau. In der richtigen Reihenfolge angesehen, beschreibt sie den Ablauf eines Menschen in die Abhängigkeit,durch die Abhängigkeit bis hin zur Unabhängigkeit. Aktuell sind davon acht Folgen erschienen. Aber wir werden mit der Reihe noch einmal komplett von vorne anfangen und daraus ein Serienformat für Netflix entwickeln.
 
Das sind eine Menge Projekte, die Sie zeitgleich managen müssen. Haben Sie durch den Stress, der dadurch phasenweise sicherlich entsteht, Angst vor einem Drogenrückfall?
Nein. Es gibt nichts, was mir Drogen im Moment geben könnten.
 
Klingt so, als ob Sie Ihren Platz in der Welt gefunden haben, während Ihre Biografie von der jahrelangen Suche nach diesem Platz handelt...
Ich habe meinen Platz jetzt definitiv gefunden. Ich stehe in der Mitte, ich bin der Held in der Welt. Und das ist jeder Mensch und daran möchte ich auch jeden immer wieder erinnern.


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