Freitag, 24. Mai 2019
Mittwoch, 17. April 2019

TORGAU

"Wir schwänzen nicht - wir kämpfen!"

Die Demo setzt sich am Markt in Bewegung Foto: TZ/N. Kurandt

Von unserem Redakteur

Torgau/Leipzig. Am Freitag, dem 12. April, sind unsere Praktikantinnen Nina Kurandt und Michelle Knape nach Leipzig gefahren, um eine „Fridays for Future“- Demonstration einmal hautnah miterleben zu können. Was sie dort sahen und hörten, lesen Sie hier!

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https://www.torgauerzeitung.com/Artikel/Galeriedetail_2175.tz?t=GalerieDetail(2175)&sortby=-1Bevor die Demo losging

 

 

"Bereits im Voraus plante ein Organisationsteam, bestehend aus Leipziger Schülern, den Ablauf der Demonstration. Dies geschah in WhatsApp Gruppen, die für jeden Interessenten frei zugänglich sind. Außerdem haben die Schüler am Vortag gemeinsam Plakate und Schilder gestaltet.

 

Am Freitag um 12.30 Uhr trudelten die Teilnehmer der Demo neben den Höfen am Brühl auf dem Richard-Wagner-Platz ein. Was auffällig war: von Grundschulkindern, über Jugendliche und Studenten, bis zu Erwachsenen im hohen Alter waren alle Altersklassen vertreten. Jeder Schüler, mit dem wir sprachen, hatten die Absicht, etwas in der Klimapolitik zu bewegen. Es war also scheinbar niemand da, der schlichtweg „keinen Bock auf Schule“ hatte. Viele waren auch nicht zum ersten Mal dabei, sondern beteiligen sich regelmäßig an den „Fridays for Future“- Demonstrationen. Die meisten Schüler nahmen den Vormittag über am Unterricht teil und wurden anschließend von ihrer Schule freigestellt. Trotzdem hörten wir vermehrt von Lehrern, welche die Demonstrationen während der Schulzeit nicht gutheißen. Andere Lehrer hingegen halten das Engagement junger Menschen für eine gute Sache. Manche Schüler kamen in Begleitung ihrer Eltern, andere halten ihre Teilnahme an der Demo zu Hause sogar geheim.

 

 

Menschenmasse in Bewegung

 

 

Bevor es richtig losging, belehrte ein Mädchen des Organisationsteams die Teilnehmer bezüglich der Verhaltensregeln. Dazu gehörte zum Beispiel das Verbot von Flyern, da man bei der Demonstration keinen Müll hinterlassen wollte. Außerdem wurden die Forderungen der Klimaaktivisten vorgestellt und Schüler hielten Redebeiträge. Im Anschluss begann der „aktive“ Teil der Demonstration. Ein Auto mit Musikboxen im Kofferraum fuhr vornweg und sorgte für die musikalische Untermalung des Streiks. Dadurch verbesserte sich die allgemeine Stimmung und der Fußmarsch bei den eisigen Temperaturen machte viel mehr Spaß. Die Menschenmasse lief mit erhobenen Plakaten und umschlossen von der Polizei hinter dem Gefährt her. Sprüche wie „Lernen ohne Zukunft ist wie Atmen ohne Luft“ oder „Fällt Entscheidungen statt Bäume“ zierten die Plakate und machten die Forderung noch einmal deutlich: eine Wende in der Klimapolitik.

 

 

Kurze Pause am Augustusplatz

 

 

Wir liefen gemeinsam mit den Demonstranten den Ring entlang und kamen nach einer Weile am Augustusplatz an. Dort fand eine kurze Pause mit Musik statt, bevor weitere Redebeiträge an der Reihe waren. Wir nutzten die Gelegenheit, um mit Laura Hübsch zu sprechen. Die 15 – jährige Schülerin ist Mitglied im Organisationsteam der „Fridays for Future“- Demonstrationen in Leipzig. Sie ist für die Presse verantwortlich. Laura beteiligt sich seit Anfang des Jahres jeden Freitag an den Demonstrationen. Sie erzählte uns, dass trotz der kalten Temperaturen und dem leichten Schneeregen circa 500 Menschen an der Demonstration teilgenommen haben, die wir besuchten. Anschließend kamen einige Erwachsene zu Wort, welche Mitglieder der Ortsgruppen „Partents for Future“ und „Scientists for Future“ waren. Sie sprachen sich für die Schüler aus und versprachen Unterstützung und Engagement. Ein Vertreter von „Scientists for Future“ belegte zudem die Befürchtungen der jungen Aktivisten, die Klimakrise betreffend, mit wissenschaftlichen Fakten.

 

 

Tot stellen – Zeichen setzten

 

 

Danach ging es die Grimmaische Straße in Richtung Marktplatz hinauf. Auffällig war, dass viele der Passanten stehen blieben, die Demonstration begutachteten und filmten. Das Interesse der Außenstehenden nahm zu, als sich plötzlich alle Teilnehmer auf den Boden legten und „tot stellten“. Dieses Ereignis wurde in Voraus geplant und nennt sich „Die-In“. Damit sollte das Artensterben als Folge des des Klimawandels symbolisiert werden. Aber auch Menschen, die durch dessen Folgen ums Leben kamen, beispielsweise durch extreme Wetterereignisse, wurde diese Aktion gewidmet. Während die Demonstranten zusammengekauert auf der Straße lagen, hielt ein Mitglied der Gruppe „Extinction Rebellion“ eine Rede über das Artensterben. Sie wies auf die Folgen der Klimakrise für Mensch und Tier hin, wenn man nicht bald wirkungsvolle Maßnahmen dagegen ergreife. „Extinction Rebellion“ ist eine weltweite, aktive Bewegung, die sich für den Schutz von Klima, Umwelt und Natur einsetzt. Mit ihren Worten im Ohr und dem Bild von hunderten, sich tot stellenden Menschen vor Augen, wurde einem die Ernsthaftigkeit und das Ausmaß der Klimakrise noch ein mal ganz deutlich bewusst.

 

Die Route verlief weiterführend über den Wilhelm-Leuschner-Platz bis zum Simsonplatz, auf dem das Bundesverwaltungsgericht steht. Hier fand die Demonstration ein Ende.

 

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Klimafreundlicherer Alltag zählt

 

 

Dass Demonstrieren alleine nicht hilft, wissen die jungen Klimaaktivisten. Ein Großteil legt Wert auf einen klimafreundlicheren Alltag. In Gesprächen erzählten uns viele, dass sie unverpackte Waren einkaufen gehen, alles, was Plastik ist, meiden und sogar auf Fleisch verzichten. Wasser zu sparen und das Licht auszumachen, wenn man einen Raum verlässt, ist für sie selbstverständlich. Kürzere Strecken werden gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren und für Längere nutzt man öffentliche Verkehrsmittel. Einige Familien gehen sogar so weit, auf WhatsApp und andere Soziale Netzwerke gänzlich zu verzichten. Zusätzlich zu den Demonstrationen treffen sich Leipziger Schüler an ihren freien Nachmittagen, um Parks zu entmüllen.

 

 

Die Bedeutung der Schulstreiks

 

 

Auch am Karfreitag und während der Osterferien sollen die „Fridays for Future“- Demonstrationen stattfinden. Vor allem in den Ferien erhofft man sich große Teilnehmerzahlen, da man nicht auf eine Freistellung der Schule angewiesen ist.

 

Die „Fridays for Future“- Demonstrationen finden mittlerweile in allen großen Städten Deutschlands, und auch weltweit statt. Da die Schüler während der Schulzeit auf die Straße gehen, bekommen sie viel Aufmerksamkeit von den Schulen und der Politik. Genau das ist es, was die Klimaaktivist*innen erreichen wollen: man soll sie wahrnehmen, ihnen zuhören, aktiv werden und dem Klima zuliebe etwas ändern. Sei es im persönlichen Haushalt oder in der internationalen Politik. Durch die Schulstreiks und ihre Forderungen üben sie Druck auf die Politiker aus und zwingen diese, aktiv zu werden. Und sie geben keine Ruhe, bis etwas passiert. Dieser Ehrgeiz, und der Wunsch, die eigene Zukunft vor den irreparablen Folgen der Klimakrise zu retten, dürfte Erfolg mit sich bringen.

 

Das Interesse am Klimaschutz nimmt immer mehr zu, die Teilnehmerzahlen an den Demonstrationen aber ab. Der Grund dafür könnte sein, dass viele Schulen aufhören, die Schüler vom Unterricht freizustellen. Die Schulleitung des Johann-Walter-Gymnasiums hat gemeinsam mit dem Schülerrat beschlossen, dass Schüler dieser Schule die Möglichkeit haben, einen Antrag zur Freistellung an den jeweiligen Klassenleiter oder Tutor zu stellen. Sollte dieser Antrag genehmigt werden, können sie entschuldigt an der Demonstration teilnehmen, ohne einen Vermerk auf dem Zeugnis befürchten zu müssen. Die vergangenen Freitage nahmen etwa 40 Schüler an der „Fridays for Future“- Demo teil, größtenteils aus den Klassenstufen 9-11. Der Schulleiter Herr Nowack steht der Sache zweigespalten gegenüber. Als umweltliebender Bürger findet er die Streiks einerseits gut, da die jungen Menschen viel Aufmerksamkeit auf sich und die Aufforderung zu einem besseren Klimaschutz ziehen. In seiner Rolle als Schulleiter kritisiert er andererseits den Verstoß gegen die Schulpflicht, wenn Schüler unentschuldigt nicht zur Schule kommen.

 

Unser Fazit

 

Abschließend kann man sagen, dass die Teilnahme an einer „Fridays for Future“- Demonstration uns ungemein zum Nachdenken anregte. Vor allem durch die Redebeiträge wurden uns die Augen geöffnet, wie ernst es wirklich um unsere Erde und das Klima steht. Wenn man in der Schule nichts über diese Problematik lernt und sich in der Freizeit weniger mit der Klimakrise beschäftigt, sind die Fakten ziemlich erschreckend. Es ist jedoch schön zu sehen, wie viele Menschen sich für eine bessere Zukunft einsetzten, und wie viel Herzblut sie in diese Leidenschaft stecken. Besonders beeindruckt hat uns die Bandbreite an Teilnehmern und ihr starker Wille, die Politik zum Handeln zu treiben."


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