Freitag, 6. Dezember 2019
Dienstag, 23. April 2019

TORGAU

Erinnerungen an Torgauer Jugendknast

Norbert SachseFoto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau/Heidelberg. Nicht nur der Info-Abend zum Strafvollzug in der ehemaligen DDR war der Renner. Auch das Buch „Heute: Haus der Erziehung – Der Strafvollzug der DDR in Torgau 1950 bis 1990“ wird stark nachgefragt.

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Einer, der an jenem Abend, an dem das Buch der Öffentlichkeit präsentiert wurde, im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) im Podium saß, war Nobert Sachse. Der ehemals politische Häftling erlebte zwischen ’71 bis ’72 in Torgau die schlimmste Zeit seines Lebens. Bereits am Vormittag hatte er den beiden neunten Klassen der Torgauer Oberschule Nordwest Einblicke in seine Haftzeit gegeben. Am Nachmittag ging es auf die Suche nach seiner ehemaligen Zelle in die JVA.

Geboren 1953 in Zschopau, wuchs Sachse in einem kommunistischen Elternhaus auf. Der Weg zur Kadettenschule der NVA schien mustergültig vorgezeichnet. Doch Meldungen im „Feindradio“ über die Niederschlagung des Prager Frühlings hatten den jugendlichen Norbert Sachse zum Umdenken bewegt. Mit 15 beschmierte er sowjetische Militärfahrzeuge mit Hakenkreuzen – einer damals gerade im Ostblock gängigen Kritik am rigiden Vorgehen Moskaus. Mit 16 verteilte er sogar Flugblätter, was ihm 1971 in Karl-Marx-Stadt die Verhaftung wegen staatsfeindlicher Hetze einbrachte. Zwei Jahre und neun Monate auf Bewährung lautete das Urteil.

Über mehrere Stationen wurde er am 13. August 1971 in den Torgauer Jugendstrafvollzug verlegt (dieser wurde 1975 aufgegeben), wo ihn für kleinste Vergehen drakonische Strafen – die auch das DDR-Strafrecht nicht vorsah – erwarteten. Nach seiner Freilassung 1973 stellte Sachse vergeblich drei Ausreiseanträge. Am 27. Mai 1974 deutete er auf dem Berliner Alexanderplatz gar eine Selbstverbrennung an, wurde von Passanten rechtzeitig gelöscht. Am 25. Juni 1975 durfte Sachse schließlich mit 30 Gefangenen die DDR in Richtung Bundesrepublik verlassen. Dem Arbeiter- und Bauernstaat brachte dieser Handel mit der BRD 1,5 Millionen D-Mark an Devisen ein.

Dass Sachse, der später ein erfolgreicher Unternehmer wurde, seine Torgauer Haftzeit als extrem schlimm empfand, habe nicht nur an sadistischen Wärtern gelegen. Torgau wartete damals mit einem sehr hohen Gewaltpotenzial auf.
Der von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten nun herausgegebene Band zum DDR-Strafvollzug mit Torgau als Schwerpunkt dokumentiert das abgeschottete Leben der Häftlinge, erläutert die politischen Ziele des DDR-Strafvollzugs und dessen Wirkung auf die Inhaftierten.

Das Fort Zinna war von September 1945 bis zum Herbst 1948 von der Sowjetunion als Speziallager des Innenministeriums genutzt worden. Im Januar 1950 kamen 1500 Gefangene aus dem einstigen sowjetischen Speziallager Nr. 7 in Sachsenhausen hierher. Die hohe Sterblichkeitsrate in den Anfangsjahren ergab sich nach Angabe von DIZ-Leiter Wolfgang Oleschinski aus vielen aus der Lagerhaft resultierenden Krankheitsfällen sowie einer überaus großen Härte der Volkspolizei gegenüber den Gefangenen. Allein im ersten Jahr starben in der Torgauer Einrichtung 115 Gefangene.


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