Montag, 27. Mai 2019
Freitag, 26. April 2019

OSTELBIEN

Hartnäckigkeit, Glück und Lokalpatriotismus

Minister Gemkow bei seiner Rede Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Hochrangige Gäste kamen am gestrigen Donnerstag zur Neu-Einweihung des Panzer-Denkmals in den Beilroder Park. Auch zahlreiche Einwohner wollten den großen Moment nicht verpassen. 

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Beilrode. „Es sind immer die einfachsten Ideen, die außergewöhnliche Erfolge haben.“ Mit diesem Zitat von Tolstoi, dem berühmten russischen Schriftsteller, begann René Vetter seine Rede. Und der Bürgermeister machte damit auch gleich deutlich, welche Dynamik das Beilroder Panzer-Projekt in den vergangenen Jahren bekommen hatte. 

Schließlich ging es ja am Anfang im Oktober 2015 lediglich darum, dem rostbehafteten T-34 einen neuen Farbanstrich zu verpassen. Der erste Aufruf scheiterte: Es fanden sich keine freiwilligen Helfer. Doch dann nahm die Initiative langsam Fahrt auf. Das Wahrzeichen und dessen Bedeutung rückte immer mehr in den Fokus. Den langen Schluss-Akkord setzte Bürgermeister René Vetter höchstselbst, indem er die Denkmal-Sanierung zur Chefsache erklärte. Die einfache Idee waren drei Briefe –  an das Russische Generalkonsulat, die Russische Botschaft und das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur. „Der außergewöhnliche Erfolg steht hinter mir - und dieser kann sich wahrlich sehen lassen! Tolstoi hatte also Recht – aber ganz so einfach war es leider nicht“, so das Oberhaupt voller Stolz. 

Vetter machte nochmal die einzelnen Schritte deutlich, die zum jetzigen  Ergebnis führten. 2017 war es gelungen, zunächst mit dem Engagement regionaler Firmen und Eigenmitteln der Gemeinde, den Panzer vom Rost zu befreien und einen neuen Farbanstrich zu geben. Doch die Gelder reichten für weitere Maßnahmen nicht aus. Durch die über Jahre bestehenden engen Verbindungen zu Generalkonsul Dronov sowie Attache Dmitry Baskakov vom Russische Generalkonsulat in Leipzig kam der Kontakt zur Russischen Botschaft und zum Russischen Haus in Berlin zustande. „Wir baten um Hilfe“, so der Bürgermeister.  Mit Jury Metelev, dem  stellvertretenden Leiter der Föderalen Agentur Rossotrudnitchestwo und Herrn Pavel Izvolskiy, Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin, fand man zwei engagierte Persönlichkeiten, die das Beilroder Anliegen unterstützen und die entsprechenden Kontakte nach Russland herstellten. Als Ende letzten Jahres der erste telefonische Kontakt mit der privaten Stiftung des Kriegshistorischen Museums „Erbe“ aus Wolgograd zu Stande kam, sei es dann recht schnell gegangen. 

„Glauben Sie mir, es ist wirklich nicht alltäglich, wenn man einen Anruf aus Russland und eine damit verbundene Spendenzusage in fünfstelliger Höhe erhält. Ja da kommt auch ein Bürgermeister mal ins Schwitzen und Staunen“, führte René Vetter aus. 

Im gemeinsamen Treffen, Ende Januar, wurde die Zusammenarbeit und finanzielle Unterstützung in einem Spendenvertrag schriftlich festgehalten und beschlossen. „Letztendlich ist es uns mit einer ergänzenden Spende der Sparkasse Leipzig und weiteren finanziellen Mittel der Gemeinde Beilrode gelungen, dieses gemeinsame Projekt vollständig umzusetzen“, so das Oberhaupt, der allen Beteiligten ein großes Dankeschön aussprach. Auch die bauausführenden Firmen, die Mitarbeiter des Bauhofes und der Gemeindeverwaltung, sowie der stellvertretende Bürgermeister Jochen Pulver wurden in diesem Zusammenhang lobend erwähnt. 

74 Jahre nach dem historischen Zusammentreffen der Alliierten auf der zerstörten Elbbrücke bei Torgau und 44 Jahre nach der Einweihung des Denkmals der Befreiung hier in Beilrode könne man nun feierlich zusammen das sanierte Denkmal und auch den neu gestalteten Parkbereich freigeben. „Es ist ein besonderer und ein bewegender Augenblick! Lassen Sie mich zum Ausdruck bringen, dass wir Ihre Anwesenheit, gerade für uns als kleine Gemeinde, sehr zu schätzen wissen“, richtete Vetter seine Worte an die zum Teil prominenten und hochkarätigen Gäste, darunter der Sächsische Justizminister Sebastian Gemkow, die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg, Susanna Karawanskij und die Vizepräsidentin der Landesdirektion ,Andrea Staude. 

„Es ist richtig und wichtig, dass wir an dieses entscheidende Datum für unsere Gemeinde und Region mit diesem Denkmal erinnern! Das Denkmal ist für uns alle ein Ort des Gedenkens, im Sinne von „denk mal nach“ über das, was geschehen ist“, versuchte das Oberhaupt auch Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die dem Panzer-Projekt von Anfang an wenig wohlgesonnen gegenüber standen und das Geld lieber an anderer Stelle gesehen hätten. 

„Das Denkmal ist viel mehr als nur ein Teil der Erinnerung, sondern soll für unsere zukünftigen Generationen eine eindringliche Mahnung und Aufforderung sein, sich immer wieder für Menschenrechte, Frieden und Demokratie einzusetzen – hier in Deutschland und darüber hinaus!“, sagte Vetter. Rückblickend auf das gemeinsame Projekt könne er feststellen, dass manchmal eine gewisse Hartnäckigkeit, manchmal Lokalpatriotismus und manchmal auch etwas Glück hilft. In diesem Fall sei es von jedem etwas gewesen.

 

Aus der Gästeliste 

Es kamen der Botschafter der Russischen Föderation, Sergej J. Netschajew,  der Sächsisische Justizminister Sebastian Gemkow, die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg, Susanna Karawanskij, die Vizepräsidentin der Landesdirektion ,Andrea Staude, der Direktor des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur, Pavel Izvolskiy, Generalkonsul Andrey Yurevich Dronov, der stellv. Leiter der Föderalen Agentur Rossotrudnitchestwo, Jury Metelev, der Vorsitzende der Stadtduma Wolgograd, Andrey Kosolapov, der Leiter der privaten Stiftung des Kriegshistorischen Museums „Erbe“, Viktor Vasilevskii, der Beigeordnete  Jens Kabisch (Landratsamt Nordsachsen), Dr. Cornelia Ernst (Europäisches Parlament),  der Abgeordnete Frank Kupfer, der Geschäftsführer „Russische Seasons“ Herr Lebedev, , eine Abordnung der russischen Nachtwölfe 

 

- Neben zahlreichen Reden, der Enthüllung einer Info- Tafel und dem Pflanzen einer Friedenseiche gestaltete die Kinderoase ein Programm aus Liedern und Tänzen

- Gerald Ermel vom Verein Militärhistorische Rad- und Kettenfahrzeuge Torgau kam stilecht in Jeep und russischer Uniform

- zahlreiche Fernsehteams filmten das Ereignis. Der russische Sender Zvezda will am 22. Juni einen Film präsentieren, das ein Millionenpublikum zu Gesicht bekommt

- sogar russische Briefmarken zieren künftig das Beilroder Panzerdenkmal 

- für die musikalische Umrahmung sorgten Natasha Tarasova und Alexey Wagner

- Staatsminister Gemkow kam während seines Urlaubs und brachte seine Tochter mit 

 

- eine Bildergalerie zeigte Originalfotos vom Errichten des Denkmals im April 1975 und das Auffahren des Panzers auf das Monument. Der T 34 kam aus Ostritz


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