Mittwoch, 21. August 2019
Montag, 29. April 2019

TORGAU

Ein Ort des Lebens - mit all seinen Facetten

Bischof Dr. Gerhard Feige aus Magdeburg segnet im Beisein von Einrichtungsleiterin Gabriele Krüger die Räumlichkeiten im neuen Hospiz. Foto: TZ/J. Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. "Ein Tag des Dankes" – so beschrieben Heimleiterin Gabriele Krüger und Bauherr Peter Leuwer die Eröffnung des neu gebauten stationären Hospizes im Röhrweg. Lesen Sie hier mehr dazu!

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Torgau. Als am vergangenen Freitag die Kirchenglocken Zwölf schlugen, bildete sich vor dem neu gebauten stationären Hospiz St. Josef im Torgauer Röhrweg bereits eine lange Schlange am Nebeneingang. Eine strahlende Gabriele Krüger nahm zahlreiche Glückwünsche und Geschenke zum Einzug entgegen – sie wird nun die Geschicke der Einrichtung, in der auch ein Palliativkompetenzzentrum und eine Hausarztpraxis eingerichtet wird, leiten. Sichtlich bewegt hatte sie in ihrer Eröffnungsrede zuvor all jenen gedankt, die sie auf dem Weg von der Idee bis zum ersten konkreten Plan für den Bau und bis hin zum Tag der Einweihung unterstützt hatten.
Auch Peter Leuwer, Geschäftsführer des Christlichen Sozialwerks und Bauherr des Projektes konnte seine Freude kaum in Worte fassen: „Gratulieren Sie nicht mir als Vertreter des CSW, sondern machen Sie sich bewusst, dass Ihnen allen hier dieses Mammutvorhaben gelungen ist! Jeder, der Geld gespendet, sich innerhalb einer der zahlreichen beteiligten Baufirmen im Rahmen der Arbeiten auf der Baustelle eingebracht oder aber das künftige Hospiz-Team um Frau Krüger bis hierher in den Planungen und Organisationsfragen unterstützt hat, hat unseren tief empfundenen Dank sicher.“

 

So unscheinbar – so großzügig

 

Zwei Menschen im Publikum dankte er ganz besonders eindringlich, obwohl diesen der Dank, wie er selbst bemerkte, am wenigsten wichtig sei. Die Schwestern Edith und Ina der St. Josefskongregation im bayrischen Ursberg lauschten still inmitten aller Gäste auf einer Bank ganz hinten den Grußworten, erhoben sich bei ihrer Erwähnung nur kurz und setzten sich gerade so schnell wieder hin, dass der Applaus ihnen nicht unangenehm werden konnte, so schien es.

Sie waren es, die schon „weit vor der Wende die ersten Bestrebungen in Sachen Behindertenhilfe unterstützten“ und damit maßgeblichen Anteil an der Gründung des CSW im Jahre 1992 hatten. Ihr Engagement auch im Bereich des Hospizwesens habe Leuwer stets beeindruckt und die sechsstellige Summe, die die Schwestern dem St. Josef-Hospiz zugute kommen ließen, sei auf dieser langen gemeinsamen Geschichte „das i-Tüpfelchen“ gewesen. Doch diese Spende floss nicht in die Baukosten, sondern wird Gabriele Krüger und ihrem Team zur Verwirklichung ganz besonderer letzter Wünsche zur Verfügung gestellt, versprach Leuwer und fügte mit einem Zwinkern hinzu: „So lange es sich nicht um eine Weltumsegelung handelt.“

 

Gabriele Krüger, Hospizleiterin:
„Ich kann einfach nur dankbar sein für alle, die uns unterstützt haben. Und mich darüber freuen, dass wir nach sechs Jahren der Planung heute hier stehen können.“

 

Der österliche Auftrag

 

In Vertretung für den erkrankten Schirmherrn des Hospizes, Altbischof Leo Nowak, war auch Bischof Dr. Gerhard Feige aus Magdeburg angereist, um dem Team, den Räumlichkeiten und allen Helfern den göttlichen Segen zu geben. Er erinnerte in seiner Predigt an den „österlichen Auftrag“, dem Leben zu dienen und zwar in all seinen Facetten.
„Der junge, gesunde, sportliche, hübsche und lustige Mensch“ stehe heute in Werbung, Medien und Gesellschaft oftmals verklärend im Mittelpunkt, werde gefördert, während „Kranke, Leidende und Behinderte oftmals Befremden und Distanz  auslösen“, stellte fest. Dabei erkenne man den Geist einer Gesellschaft doch erst daran, wie sie mit ihren schwächsten Gliedern umgehe. Gerade dann – und das sei auch die Botschaft des Heiligen Josef gewesen – sollte das oberste Gebot das der Menschlichkeit sein, der bedingungslosen Hilfsbereitschaft für jene, die bedürftig sind. Verstanden als das Bekenntnis zum Leben, stelle der Beistand für Sterbende einen wichtigen Teil des menschlichen Miteinanders dar, weil er der im christlichen Galuben als unsterblich geltenden Seele auf ihrem letzten irdischen Weg die Schwere nehmen könne.

 

Verantwortung für mehr als ein Haus

 

In die Riege der Gratulanten reihte sich auch Andreas Müller, Geschäftsführer des Landesverbands für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen ein. Er verband seine Glückwünsche mit einer mahnenden Bitte. Dieses Hospiz zu führen erfordere Haltung, umfassendes Wissen über die Palliativpflege und -medizin und die Begabung, die individuellen Bedürfnisse der Sterbenden zu erkennen und angemessen und einfühlsam darauf zu reagieren. Mit „Haltung“ meine er vor allem, sich als Team stets zu besprechen und transparent nach außen zu vermitteln, was das Haus und seine Mitarbeiter im Stande sind, für seine Gäste zu leisten. Und das sei nunmal vor allem die Linderung von körperlichen und seelischen Schmerzen und Beistand für die Betreuten und ihre Familien.
Auch Oberbürgermeisterin Romina Barth und Bundestagsabgeordneter Marian Wendt ließen es sich nicht nehmen, jeweils einige wenige Grußworte an die Anwesenden zu richten. Während die OBM  sich bewusst kurz fasste und ihre anhaltende Begeisterung für den Standort als Nachbareinrichtung des Kindergartens „Max und Moritz“ als Zeichen eines offenen Umgangs mit dem Thema des Älterwerdens und Sterbens lobte, betonte Wendt in seiner ebenfalls kurzen Ansprache die Verpflichtung der Politik, im Sinne des ersten Artikels des Grundgesetzes zu handeln. Projekte wie diesem so viele Steine wie möglich aus dem Wege zu räumen – vor allem finanziell –  und gleichzeitig alles dafür zu tun, dass sie in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erfahren, erfordere gesetzlichen Rückhalt, den die regierenden Parteien zu gewährleisten verpflichtet seien.

 

Willkommen im „Herzen“

 

Welche Dimensionen das Hospiz innerhalb der letzten Monate angenommen hat, konnten Eröffnungsgäste und erste Besucher am Freitag und am Wochenende im Rahmen von Besichtigungen erkunden. Neben acht Bewohnerzimmern, Sanitär- und Küchenräumen sind die Räumlichkeiten außerdem für die Hospizarbeit der ortsansässigen Vereine und für die medizinische Versorgung – zum einen im Hospiz, zum anderen im Rahmen der allgemeinärztlichen Praxis für alle Torgauer Bürger – eingerichtet worden. Ab Mitte Mai sollen nun, so Peter Leuwer, voraussichtlich die ersten Belegungen möglich sein. Bis dahin fänden noch kleinere Nacharbeiten im Gebäude statt. Wann die allgemeinärztliche Praxis von Dr. Ina Schmitzer eröffnet, werde zeitnah bekannt gegeben.

 

 

 

Kommentar: Wie nah lassen Sie den Tod an sich ran?


Hand aufs Herz: Wie gründlich haben Sie schon über Ihren eigenen Tod nachgedacht? Nicht darüber, woran, sondern viel mehr wie Sie sterben wollen würden, wenn Sie es sich wünschen könnten? Ob Sie nun „einschlafen“ oder „einfach umfallen“ wollten – schmerzfrei und nicht allein steht sicher auch auf Ihrer Liste ganz weit oben. Aber weil es in Zeiten der Volkskrankheiten Schlaganfall, Krebs und Co. mit dem Wünschen für die meisten von uns Essig sein wird, ist die Vorsorge und vor allem die ehrliche Unterhaltung über den Ernstfall inzwischen so wichtig geworden. In einem Gespräch am Rande der Eröffnungsfeier sprach jemand über den intuitiven und angstfreien Umgang kleiner Kinder mit dem Tod. Sie spürten, wenn Sterbende Nähe oder Distanz brauchten und reagierten entsprechend. Mit zunehmendem Alter wird das Beispiel der Erwachsenen um sie herum wichtiger: Zeigen sie Verständnis, Furcht oder gar Ablehnung, wenn die Großeltern gebrechlich, vergesslich werden? Reden sie über die Lücke, die jemand hinterlässt und darüber, wie er geht oder verschweigen sie lieber, was kaum zu ertragen, aber nicht unerklärlich ist? Das Hospizwesen des Landkreises brauchte dieses Haus. Die Sterbenden und ihre Familien seine Mitarbeiter. Was brauchen Sie, um in Ruhe alt werden und sterben zu können? Vielleicht nur ein Paar offener Ohren?


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