Sonntag, 21. Juli 2019
Mittwoch, 8. Mai 2019

TORGAU

Süptitz' Kampf gegen den Krach

HIT Holz ist einer der größten Arbeitgeber in der Region Torgau und betreibt am Rande der Elbestadt eine große Holzverarbeitung. Foto: TZ/Archiv (Perz)

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Süptitz/Zinna. Zusammen mit HIT Holz möchte man eine Lösung für die Lärmsituation in Süptitz und Zinna finden. Seit mehr als 15 Jahren kommt es immer wieder zu Beschwerden wegen zu hoher Lärmbelastung.

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Der Konflikt zwischen der Firma HIT Holz und den Süptitzer Bürgern gleicht einer unendlichen Geschichte. Seit mittlerweile 16 Jahren kocht das Thema der Lärmbelästigung immer wieder hoch, sogar eine eigene Bürgerinitiative mit dem Namen „Wohnqualität für Süptitz“ sowie eine Ortsgruppe des BUND für Zinna und Süptitz wurde deshalb gegründet. Zuletzt kam der Kampf, wenn man ihn denn so nennen will, der Bürger gegen den Lärm der holzverarbeitenden Firma in der Dreiheider Gemeinderatssitzung zur Sprache, als sich unter anderem Mitglieder des BUND, der Bürgerinitiative sowie des Gemeinderats kritisch zu dem Thema äußerten.

Bemühungen tragen keine Früchte

„Circa ein Jahr ist es jetzt her, dass wir unseren Brandbrief an den Landrat persönlich übergeben haben, in dem wir die Zustände genauestens geschildert haben“, erklärt Ingbert Nitzsche, Mitglied der Süptitzer Ortsgruppe des BUND und Vorsitzender der Bürgerinitiative. „Dieser war unterschrieben von mir und von Bürgermeister Wolfgang Sarembe und der Oberbürgermeisterin Romina Barth. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns versichert, man wolle sich um die Zustände kümmern und uns Süptitzern wieder etwas Ruhe bringen.“

Die Forderung von Nitzsche und seinen acht Mitstreitern ist eine ganz einfache: Man will in Süptitz die Nächte wieder ruhig verbringen können. „Vorgeschrieben sind laut dem Immissionsschutzgesetz in unserem Süptitzer Wohngebiet 45 Dezibel in der Nacht, in Zinna sogar nur 40. Da liegen wir aktuell, wenn der Wind richtig steht, deutlich darüber.“ Er selbst habe schon, genauso wie seine Mitstreiter Jürgen Windrath aus Zinna, innerhalb des vergangenen Jahres nach 22 Uhr mit einem eigenen Gerät an die zehn Messungen durchgeführt und die Ergebnisse, allesamt zwischen 50 und im Einzelfall 60 Dezibel liegend, an das Landratsamt sowie HIT Holz gesandt. „Rückmeldung bekam ich jedoch bis heute keine.“

Die Behörde muss handeln

Der Unmut der Dreiheider Bürger richtet sich dabei jedoch nicht direkt an HIT Holz selbst, sondern vielmehr gegen das Landratsamt als kontrollierende Behörde. „Wenn die keine Auflagen verhängen, dann ist es ja logisch, dass sich bei HIT nichts tut. Das kostet Geld und macht Arbeit, das würde ich als Unternehmer auch nicht machen“, sagt Jürgen Windrath, ebenfalls Mitglied des BUND und der Bürgerinitative. „Wir möchten auf keinen  Fall gegen HIT Holz als Firma vorgehen oder irgendeinen Kleinkrieg anzetteln. Wir möchten gemeinsam mit der Firma und natürlich auch ihrem neuen Geschäftsführer Herr Pospiech eine Lösung finden, mit der wir Bürger gut und vor allem ruhig leben können.“

Der letzte persönliche Kontakt zwischen Gemeinderat, Bürgerinitiative, dem Landratsamt und der Firma HIT war am 30. Oktober 2018. Man traf sich in Eilenburg zu einer Beratung, in welcher zahlreiche Maßnahmen zur Lärmreduzierung ermittelt wurden. Diese fußen allesamt auf der Grundlage der Erkenntnisse der Experten von HIT. Ein sogenannter Lärmkataster, welcher im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben und aktuell, so zu lesen im offiziellen Statement der Holzverarbeitungsfirma, „durch ein spezialisiertes Ingenieurbüro aus Leipzig erstellt“ wird, soll tiefere Erkenntnisse bringen und Grundlage weiterer Maßnahmen sein.

„Aufgrund der aufwendigen Überarbeitungen der bisherigen schalltechnischen Untersuchungen und Modellierungen der HIT-Anlagen wird das Gutachten erst im Sommer 2019 erwartet.“

Ingbert Nitzsche (r.) in der vergangenen Dreiheider Gemeinderatssitzung.

HIT ist der gleichen Meinung

Und genauso wie die Mitglieder der Bürgerinitiative bestätigt auch HIT Holz selbst, dass sie an einer gemeinsamen Lösung interessiert ist.
„Die Firma HIT bedauert es, wenn der Betrieb zu Lärmemissionen und damit zu Beschwerden führt, die sich aufgrund der Betriebsgröße und der Betriebsart leider nicht vermeiden lassen“, heißt es zu Beginn der anderthalb Seiten umfassenden Stellungnahme.

Als größter Arbeitgeber der Region sei man auch unter der neuen Leitung bestrebt, das Unternehmen systematisch weiterzuentwickeln und Arbeitsplätze zu sichern sowie neue zu schaffen. „Gleichzeitig nehmen wir unsere Verantwortung im gesellschaftlichen Umfeld sehr ernst. Dazu gehört selbstverständlich auch das Thema Lärm. Hier sind – unabhängig von den Beschwerden – Investitionen geplant, um die Lärmemission so weit wie möglich zu reduzieren.“

Im Juli wird bei HIT umgebaut

Dies wird gegen Ende des Schreibens auch noch einmal konkretisiert. Eine Umgestaltung des Zinna und Süptitz zugewandten Rundholzplatzes sei für 2019 geplant und habe sogar schon einen konkreten Termin. Es sei, so HIT Holz im Statement, eine der umfangreichsten Maßnahmen zur Lärmminderung. Ein lärmreduzierter Entrinder, der zur weiteren Reduzierung auch noch eingehaust wird, soll angeschafft werden. Wie das Unternehmen weiter erklärt, wurden diese Maßnahmen bereits im letzten Jahr eingeleitet, in der 28. Kalenderwoche, also vom 8. bis 14. Juli, sollen die Umbauarbeiten dann über die Bühne gehen. „Im Rahmen eines umfangreichen Investitionsprogramms werden zudem in den nächsten Jahren weitere Umbaumaßnahmen geprüft, die auch zu einer deutlichen Reduzierung von Transportbewegungen führen sollen.“

Skeptik bleibt

Bei der Bürgerinitiative „Wohnqualität für Süptitz“ freut man sich zwar über den konkreten Termin für die geplante Umgestaltung, bleibt jedoch nach wie vor skeptisch. „Es könnte gut sein, dass dies der entscheidende Schritt zu einem ruhigeren Dorf ist, so richtig freuen werden wir uns aber erst, wenn offizielle Messungen dies auch bestätigen“, sagt Ingbert Nitzsche. Bis dahin wolle man sich weiterhin an das Landratsamt wenden und umfangreiche Überprüfungen in Verbindung mit entsprechenden Auflagen erwirken.

Auch einem erneuten gemeinsamen Termin mit der Firma HIT sowie dem Landratsamt blicken die Süptitzer Bürger, insbesondere natürlich die Mitglieder der Bürgerinitiative, entgegen. Dieser soll, das bestätigte auch HIT Holz, nach der Auswertung des Lärmkatasters durch die Behörde realisiert werden und sich um die Auswertungs-Ergebnisse drehen.

 

UPDATE

Nachdem der Beitrag bereits am 8. Mai in der Torgauer Zeitung erschienen war, erreichte die Redaktion nun auch ein Statement des Landratsamtes, genauer gesagt vom Dezernenten für Bau und Umwelt, Dr. Eckhard Rexroth. Dieser schreibt folgende Zeilen:

Das Problem der Lärmbelästigungen für die Bürger im Umfeld der Fa. HIT-Holz Torgau wird durch die Untere Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes Nordsachsen intensiv begleitet. Es wurden bereits Schallminderungsmaßnahmen von der Fa. HIT ausgeführt. Als Beispiel zu nennen ist die Errichtung eines Lärmschutzwalls. Die Neugestaltung des in Richtung Zinna und Süptitz gewandten Rundholzplatzes mit einem lärmreduzierten Entrinder ist in Arbeit. Weitere Maßnahmen befinden sich in Planung bzw. in Umsetzung.
Im Ergebnis verschiedener Abstimmungsrunden in der Vergangenheit und insbesondere mit den neuen Gesellschaftern der Fa. HIT wurden die weiteren Verfahrensschritte zur Minderung der Lärmemissionen abgestimmt.
 
Um signifikante, über die Beseitigung einzelner Lärmquellen hinausgehende Fortschritte für den Gesamtstandort zu erzielen, wurde die Erstellung eines Lärmkatasters durch ein qualifiziertes Gutachterbüro mit der Unteren Immissionsschutzbehörde abgestimmt und von der Fa. HIT in Auftrag gegeben. Das Lärmkataster wird die Grundlage für weitere Schallminderungsmaßnahmen bilden, die mit teilweise erheblichen Investitionen für Firma HIT verbunden sind und deshalb einer fundierten fachlichen Vorbereitung bedürfen.
 
Zwischen der Firma HIT und der unteren Immissionsschutzbehörde erfolgen regelmäßig Abstimmungen, die der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zum Lärmschutz dienen. Auch finden Gesprächsrunden mit dem Heimat- und Kulturverein „Süptitzer Höhen“ e. V. statt, der betroffene Bürger aus Zinna und Süptitz vertritt. Durch den neuen Geschäftsführer der Fa. HIT wurde zugesagt, im Interesse größtmöglicher Transparenz diese Informationsfluss aufrecht zu erhalten, um mittel- bis langfristig den berechtigten Interessen der Bürger stärker als bisher entgegen zu kommen.
 

 

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