Freitag, 24. Mai 2019
Montag, 13. Mai 2019

BELGERN-SCHILDAU

"Überall wird's nacksch"

Entlang dieser Straße standen einmal Birken.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Sitzenroda/Schildau. Wiederholt sorgte die abgeholzte Birkenallee im Belgern-Schildauer Stadtrat für Kopfschütteln.

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Matthias Schulze ist hart im Nehmen. Zwischen seine Füße und Mutter Natur passt keine Schuhsohle. Doch allein schon das Wort Birke löst bei dem Schildauer allergische Reaktionen aus. Der Grünen-Stadtrat lässt im Falle einer abgeholzten Allee nicht locker. Mit Nachdruck arbeitet er das Verschwinden zwischen Sitzenroda und seinem Heimatort auf. „Ein Unding, was hier passierte“, sagte er nach der jüngsten Belgern-Schildauer Stadtratssitzung in der vergangenen Woche.

Im März hatte die Torgauer Zeitung bereits darüber berichtet, dass 27 Alleebäume entlang der sanierten Staatsstraße 23 der Kettensäge zum Opfer fielen. Das Landratsamt hatte daraufhin eingeräumt, dass im Vorfeld der Bauarbeiten keine Lösung gefunden werden konnte, wie mit den Bäumen hätte umgegangen werden sollen. Schon im November 2017 sei ein unzureichender Abstand von vier Birken und ein unzureichendes Lichtraumprofil bis hin zu Schrammspuren an den Stämmen festgestellt worden. Nach der Verkehrsfreigabe sei es dann erneut zu Anfahrschäden gekommen.

Als Ersatz für die gefällten Birken waren nach Angabe des Landratsamts zwischen Schildau und Staupitz 67 Vogelkirschen gepflanzt worden.

„Klingt sicherlich gut, ist es aber nicht“, fand Schulze, als die Thematik schon zum ersten Mal hochkochte. Denn dies als Ersatzpflanzung zu deklarieren sei einfach nur Schönfärberei. Schließlich hätten am Ausweichstandort einst auch Alleebäume gestanden. Die Forderung des Schildauers: Der Verschiebebahnhof müsse eingestellt werden.

Am vergangenen Mittwoch meldete er sich am Ende der Stadtratssitzung wiederholt zu Wort. Sicherheitshalber hatte er seinen Redebeitrag schon bei der Kontrolle der Tagesordnung angemeldet. Zwischen all den Beschlussvorlagen zückte er ein Schreiben hervor, das er seinen Ratskollegen vorstellte und nun an Uwe Schmidt, den Leiter des nordsächsischen Straßenbauamts, verschicken will. Darin heißt es: „Im Zusammenhang mit dem eingeschränkten Lichtraumprofil stellt sich mir die Frage, warum das nicht zum Zeitpunkt der Bauarbeiten festgestellt wurde und stattdessen die Bäume noch aufwändig vor den Bauarbeiten geschützt wurden, statt sie gleich zu fällen. Wobei hier unabhängig davon der Schutzstatus einer solch alten Allee noch im Raum steht und zu klären wäre. Zu dem angegebenen Ersatzstandort an der S 23 stellt sich mir die Frage, was Sie sagen würden, wenn an Ihrem Eigentum etwas zerstört würde und Sie als Ersatz dafür von Ihrer Versicherung die Leistung am Gebäude Ihres Nachbarn präsentiert bekämen?! Außerdem ist von Interesse, wo die Ersatzpflanzungen für die Alleebäume zu finden sind, die an dieser Straße vor Jahren gefällt wurden.“

„Für mich waren die von Straßenbauamt zuvor getätigten Erklärungen unzureichend“, schob Schulze im Anschluss an das Verlesen seines Schreibens nach. Bürgermeisterin Eike Petzold erklärte daraufhin, dass der Stadt entlang der Straße keine straßenbegleitenden Flächen zu Verfügung stehen, auf denen Ersatzpflanzungen hätten durchgeführt werden können. Zudem müsse beachtet werden, dass die Stadt dann auch mit der Verkehrssicherungspflicht betraut werden würde.

Stadtrat Martin Böttger (Freie Wähler) konnte dennoch nicht nachvollziehen, warum gleich beide Straßenseiten abgeholzt wurden. Hätte es auf Grund der Schräglage der Bäume – der Wind habe hier enorme Kraft – tatsächlich eine Einschränkung des Lichtraumprofils gegeben, dann hätte doch auch nur eine Seite in den Straßenkörper hineingeragt. Die andere Baumreihe hätte sich von der Straße weggeneigt. Der Kahlschnitt sei daher auch für ihn nicht nachvollziehbar. Vize-Bürgermeister Matthias Griem vermutete: „Ich habe den Eindruck, als wäre es von Anfang an geplant gewesen, dass alle Bäume wegkommen.“

Die vom Landratsamt angeführten Beschädigungen an den Bäumen könnten nach Meinung von Hans-Jürgen Hientzsch auch daher rühren, dass bei der Mahd unsachgemäß mit der Technik umgegangen worden sei. „Überall wird’s nacksch“, monierte der Sitzenrodaer, der ebenso wie Schulze viel mit dem Fahrrad in der Region unterwegs ist.

CDU-Stadtrat Peter Stracke gab jedoch zu bedenken, dass tatsächlich 69 Bäume neu gepflanzt wurden und von nacksch doch keine Rede sein könne. Zudem sei es doch widersinnig, an Stellen Bäume wieder anzupflanzen, an denen zuvor welche gefällt wurden.

Den Einwand von Bürgermeisterin Petzold, wonach bei Staatsstraßen das Landesamt für Straßenbau und Verkehr die Hoheit habe, wollte Matthias Schulze so nicht ganz gelten lassen. „Frau Bürgermeisterin, ich entlasse Sie nicht aus Ihrer Verantwortung, für lebenswerte Ortschaften zu sorgen!“


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