Freitag, 19. Juli 2019
Donnerstag, 13. Juni 2019

TORGAU

Erneutes Bangen um Alte Elbe

Die Grube Anfang dieser Woche. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbern. Zu Wochenbeginn hatte sich das „Wasserproblem“ in der Alten Elbe in Döbern erneut zugespitzt. Zwar brachten Niederschläge jetzt ein wenig  Entspannung, aber das eigentliche "Wasserproblem" bleibt. 

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Döbern. Rolf Wilsdorf schaut hoffnungsvoll gen Himmel. „Am besten noch so ein Wolkenbruch wie Montag- und Dienstabend, dann hätten wir es vielleicht geschafft.“ Der Vorsitzende des Angelvereins „Angelfreunde Petri Heil Döbern/Neiden e.V.“ hat dabei einzig und allein das Wohl und Weh der Alten Elbe Döbern im Blick. Denn noch zu Wochenbeginn sah es düster aus. Die Grube stand erneut kurz vor dem Austrocknen. Weite Teile des Areals waren bereits gänzlich ohne Wasser. 

Nach 2015 und 2018 bahnte sich gerade die nächste Katastrophe für die Angler der Region an. 65 Liter Regen pro Quadratmeter sorgten zwischenzeitlich für leichte Entspannung und für ein Durchatmen bei den Verantwortlichen. Die für gestern Abend vorher gesagten Niederschläge noch nicht berücksichtigt. War vor vier Jahren das Entsetzen groß – berichteten sogar überregionale Medien über das Fischsterben in Döbern und über das Wasserproblem – so ist die Beachtung mittlerweile sehr gering. Auch von Einsätzen der Angler ist nichts mehr zu hören. „Das liegt daran, dass es offenbar kaum noch Fische in der Alten Elbe gibt. Man sieht jedenfalls keine Kadaver am Ufer wie damals“, sucht Rolf Wilsdorf eine Erklärung. Und zum Glück steht im vorderen Teil der Grube noch Wasser. „Wir hoffen mal, dass sich die Fische dorthin gerettet haben“, meint der Vereinschef. Mit Unterstützung des Anglerverbandes Leipzig hatte man im Herbst und Frühjahr gerade erst wieder Karpfen zugeführt. Damit sollte der Totalverlust von 2018 ausgeglichen werden. Wie es um diesen Bestand steht, könne bislang noch niemand einschätzen. 

„Wir haben auch diesmal kein Angelverbot ausgesprochen wie 2015. Es ist ohnehin kaum etwas zu holen. Ich bin in diesem Jahr vielleicht erst zwei oder drei Anglern hier begegnet“, meint Wildsdorf. Das einstige Fischparadies ist nicht mehr das, was es mal war. Und daran sei aus Sicht der Petrijünger nicht nur das Wetter Schuld. „Das liegt einfach am unzureichendem Wassermanagement der Behörden“, sagt er. Daran habe sich nichts geändert. 

Auf den Offenen Brief der Angler, den unsere Zeitung zusammen mit einem Statement des Landratsamtes abdruckte, gab es keine weiteren Reaktionen. Der Ministerpräsident, der das Schreiben ebenfalls erhielt, habe lediglich an die Ämter vor Ort verwiesen. „Aber wir geben die Grube nicht auf“, erklärte der Vereinschef. Man hat bei den zuständigen Stellen erneut eine Genehmigung zum Anstauen des Schwarzen Grabens/Weinske beantragt, um den Wasserbedarf zu sichern. Abgelehnt wurde im vergangenen Jahr auch eine andere Aktion. „Wir wollten ein paar tiefere Stellen in der Grube schachten, um bessere Rückzugsräume für die Fische zu schaffen“, kommt Wilsdorf nochmal auf das „alte Thema“ zu sprechen. 

Die rund 120 Mitglieder des Vereins gehen derzeit überwiegend in der Stromelbe angeln. Wie lange es dauert, dass sich die Grube Döbern wieder dauerhaft von Wassermangel und Dürre erholt, ist offen. „Es ist traurig. Wir sehen auch keine Eisvögel und Schwarzstörche mehr in Döbern. Es gehen nicht nur unsere Fische, sondern auch viele schützenswerte Tierarten verloren“, macht der Vereinschef deutlich, dass das Wasserproblem noch viel größere Folgen für die Region hat.


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