Freitag, 19. Juli 2019
Samstag, 15. Juni 2019

OSTELBIEN

Er wird fehlen

Heinz KeidelFoto: TZ/Archiv Ch. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Großtreben. Der ehemalige Schuldirektor, Ortschronist und Heimatpreisträger Heinz Keidel ist mit 93 Jahren verstorben. Eine Tatsache, die viele Einwohner in der Gemeinde Beilrode betroffen und traurig macht. 

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Großtreben. Sein verschmitztes Lächeln. Seinen Humor, den er sich bis zum Schluss bewahrt hat. Seine vielen Ideen: Man wird Heinz Keidel in Großtreben schmerzlich vermissen. Am 4. Juni ist der ehemalige Schuldirektor, Ortschronist und Heimatpreisträger im Alter von 93 Jahren verstorben. Eine Tatsache, die viele Einwohner in der Gemeinde Beilrode betroffen und traurig macht. Die Verdienste von Heinz Keidel sind groß. 

Jahrzehntelang hat er sich für das Dorfleben engagiert. Hat dafür gesorgt, dass so manche Veranstaltung wie die 775-Jahr-Feier zu einem tollen Erfolg wurde. Hat mit der geschichtlichen Aufarbeitung und der Erstellung von Jahrbüchern sicher gestellt, dass nichts in Vergessenheit gerät und alles für nachfolgende Generationen seinen geordneten Platz im Dorfarchiv findet.

 Aber in den letzten Monaten war auch schon deutlich zu spüren, dass seine Kräfte immer weiter nachließen. Die gesundheitlichen Probleme überwogen. Stärker, als der Großtrebener nach außenhin zeigen wollte. „Nach dem Oberschenkelhalsbruch seiner Frau Christa (89) zog er Anfang des Jahres gemeinsam mit ihr ins Pflegeheim nach Annaburg um. Sein großes Ziel war, unbedingt noch das Jahrbuch 2018 für die Gemeinde Beilrode zu beenden. Das hat er geschafft. Und er wirkte regelrecht glücklich, als sich mit Sarah Pankrath aus Zwethau schließlich ein junger Mensch fand, der dieses Werk fortsetzen möchte“, schildert seine Tochter Hannelore Simon. Das zeigte ihm zugleich, dass seine Arbeit geschätzt und beachtet wird. Die Ortschronik stellte Heinz Keidel bereits seit 1956 zusammen. Ursprünglich nur für die Dörfer Dautzschen, Last und Großtreben. Dabei bediente er sich stets den örtlichen Zeitungen, die das Geschehen in der Region lückenlos wiederspiegelten. Seit 2009 erschien das sogenannte Jahrbuch für die Regionen Großtreben bis Beilrode. Eine umfangreiche Sammlung von Artikeln und Fotos. Ein Schatz für jene, die sich für das Gemeindeleben und für die Historie interessieren. Mit Einnahmen aus dem Verkauf konnten Unkosten für Druck und Papier ausgeglichen werden. Der Großtrebener arbeitete sehr genau und akribisch an diesen Werken, ließ selbst im hohen Alter fast keinen Tag unverstrichen, um sich nicht damit zu befassen. Ein hoher Zeitaufwand war damit verbunden. Stunden verbrachte der Senior am Schreibtisch, erst im Heimatarchiv im Dautzschener Bürgerhaus, später – als es die gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr zuließen – daheim im Arbeitszimmer. Unterstützung erhielt er dabei von Katrin Zass. 

Doch die Chronik war nur ein Teil seiner Verdienste. Heinz Keidel hatte Organisationstalent und konnte auch seine eigenen Talente mit einbringen, das kulturelle Leben in der Gemeinde zu bereichern. „Er liebte die Musik, spielte zahlreiche Instrumente, trat oft mit seiner Frau oder anderen Freunden zusammen auf“, sagt Hannelore Simon und präsentiert zahlreiche Fotos aus jüngeren Jahren. Die Lebensfreude, das vielseitige Interesse, habe er sich bis ins hohe Alter bewahrt. Noch vor der Wende gelang es ihm, eine starke Ortsgruppe der Volkssolidarität aufzubauen. „Er hat sich sehr gekümmert, es gab viele Veranstaltungen. Das Leben der Rentner lag ihm sehr am Herzen“, beschreibt seine Tochter. 

Geboren und aufgewachsen ist Heinz Keidel in Staritz. Er bewarb sich nach dem Krieg als Junglehrer, lernte später in Züllsdorf seine zukünftige Ehefrau Christa kennen. Das Paar harmonierte perfekt, ging fortan gemeinsam durch dick und dünn. Nächstes Jahr hätten sie Gnadenhochzeit gefeiert. Nach einer Zwischenstation in Schirmenitz zogen die Keidels 1956 nach Großtreben und blieben Ostelbier. Bis zur Wende arbeitete er als Lehrer und Schuldirektor. Eine der größten Ehrungen für Heinz Keidel war 2006 die Verleihung des Heimatpreises. Gleichzeitig eine Anerkennung für seine Lebensleistung. Zur Familie gehören drei erwachsene Kinder, sieben Enkel und 4 Urenkel. 

Heinz Keidel hat Spuren hinterlassen. Ein vielseitiger und aufrechter Mann, der seinen Weg nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere ging und Menschen begeistern konnte. Er hat eine Lücke gerissen, die schwer zu schließen ist. Er wird fehlen. Vielen Dank für alles Herr Keidel!


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