Freitag, 19. Juli 2019
Freitag, 21. Juni 2019

DOMMITZSCH

"Langfristig Qualität schaffen"

Steffen Hache: „Mein Dank gilt meinen Eltern und meiner Familie, die mich viele Jahre unterstützt haben“.Foto: Foto: SWB/HL

Henrik Landschreiber

Steffen Hache über Ehrenamt, Rentenpunkte und bekannte Gesichter

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Dommitzsch  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Steffen Hache vom Organisationsteam 100 Jahre Dommitzscher SV Grün-Weiß e.V, warum  er sich ehrenamtlich engagiert.

SWB: 100 Jahre Sportverein in Dommitzsch ist ein stolzes Jubiläum, das gefeiert werden muss. Sie waren viele Jahre Fußballer. Wann sind Sie das erste Mal sportlich in Erscheinung getreten, welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Steffen Hache:
Im Alter von sechs Jahren begann ich, aktiv Fußball im Verein bei Dynamo  Dommitzsch zu spielen. Mein Vater Horst und mein Onkel Heinz haben mich von Kindesbeinen an mit auf den Sportplatz genommen. Den Fußball damals kann man nicht mit dem von Heute vergleichen. Nach der Schule ging es zum Spielen auf eine Wiese oder einen freien Platz, als Tore dienten die Ranzen oder Kleidungsstücke. Diese Zeit mit Zusammenhalt und Gemeinschaft hat mich für mein ganzes Leben geprägt, auch im Beruf. Bei uns standen Tugenden wie Teamwork, Mannschaftsgeist, Zuverlässigkeit und Disziplin ganz oben.
Wie schwer oder leicht ist es heutzutage, einen Verein am Leben zu halten?
Ich bin in mehreren Vereinen tätig, auch als Sponsor. Sei es beim Dommitzscher SV, dem Kreissportbund, dem SSV 1952 Torgau, dem SC Hartenfels Torgau oder beim Förderverein „Groß stärkt klein“, der sich um die Kita und Grundschule in Dommitzsch kümmert. Nicht falsch verstehen: Ich möchte mich nicht selbst darstellen, sondern etwas – was ich in meiner Jugend selbst erfahren habe und was mich geprägt hat – zurückgeben. Ein Verein heute ist wie eine Firma zu führen. Wohlgemerkt im Ehrenamt. Von staatlicher Seite müsste das Ehrenamt viel mehr gestärkt  werden und mehr Aufmerksamkeit erhalten. Sei es der Feuerwehrmann, oder die Ehrenamtler im Sport- und Kulturverein. Wenn ich mir überlege, dass mein Vater Horst seit 1946 im Verein aktiv ist …
Hätten Sie einen Vorschlag zur Güte?
Das Nichtinteresse, sich zu engagieren, wächst mit der gesellschaftlichen Entwicklung. Von staatlicher Seite müsste der Nachwuchs mehr begeistert werden, Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich denjenigen, die sich über einen längeren Zeitraum ehrenamtlich engagieren, mehr Rentenpunkte zugestehen.
Sie sind seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig.
Richtig. Erst als ich älter wurde, begriff ich, welche Opfer meine Eltern damals brachten, damit ich Woche für Woche Fußball spielen konnte. Später ging es ohne den uneingeschränkten Rückhalt in der Familie nicht. Darauf bin ich stolz. Von 1975 bis 2004 spielte ich in mehreren Vereinen aktiv. Später war ich selbst zehn Jahre als Trainer beim SC Hartenfels tätig, engagiere mich heute in mehreren Vereinen. Ich würde mich freuen, wenn die großen, ortsansässigen Unternehmen Vereine im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen würden. Auf diese Weise könnte es vielen Vereinen besser gehen. Nicht nur in Dommitzsch.
Das Freizeitangebot heute, dazu Bundesliga-Fußball in Leipzig, „saugt“ den Nachwuchs aus den Vereinen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Wie mit allem im Leben gilt es, das richtige Maß zu finden. Ein Verein bietet nach wie vor viele Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen und Umgangsformen zu erlernen und zu pflegen.
War früher alles besser?
Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. In jeder Epoche gab es Negatives und Positives. Allerdings ist der Aufwand, einen Verein zu unterhalten und mit Leben zu erfüllen, um ein vielfaches größer geworden.
Zurück zum Hier und Jetzt. Mussten Sie lange um Mitstreiter für die Festvorbereitungen buhlen?
Zum Glück nicht, nein. Als wir uns im Oktober 2018 zur ersten Sitzung trafen, war klar, dass wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen können. Allerdings erwarten wir als Vorstand, dass sich die Mitglieder bei der Umsetzung von künftigen Vereinsprojekten noch mehr einbringen müssen.
Hätten Sie sich über noch mehr Unterstützung gefreut?
Alle haben an einem Strang gezogen, wir sind froh über die Sponsoren, welche unsere Festveranstaltung unterstützen.
Auf welche Höhepunkte können sich Mitglieder und Gäste vom 28. bis 30. Juni freuen?
Auf ein ausgewogenes Programm, welches am Freitag, dem 28. Juni, um 18 Uhr mit dem BrezelCup eröffnet wird. Im Mittelpunkt stehen Fußball und Unterhaltung, aber auch Tischtennis und Bauchtanz kommen nicht zu kurz. Am Samstag beginnt um 16 Uhr im Festzelt die große Festveranstaltung mit Vertretern vom DFB, dem Sächsischen Fußball-Verband, der Stadtverwaltung, vom Landratsamt und vielen mehr. Jeder, der sich mit unserem Verein verbunden fühlt, kann kommen. Der Eintritt ist an allen Tagen frei. Ich freue mich auf viele bekannte Gesichter und gute Gespräche.
Ist etwas Bleibendes geplant?
Es gibt eine Festbroschüre im A4-Format in Hochglanz. Auf 40 Seiten blicken wir chronologisch auf  100 Jahre Sport in Dommitzsch zurück. Es wird, ganz zeitgemäß, eine digitale Version der Broschüre geben.   
Gibt es etwas, worauf Sie sich besonders freuen?
Auf das Spiel der aktuellen Dommitzscher Mannschaft gegen eine Nordsachsenauswahl am Samstag um 14 Uhr. In dieser Auswahl stehen viele bekannte Gesichter regionaler Vereine wie Drabon, Erdmann, Meißner, mein Sohn Steven & Co.
Wann ist aus Ihrer Sicht eine Dommitzscher Mannschaft in der Lage, wieder höherklassig Fußball zu spielen?
Im Jahr 2050. (lacht) Nein, wenn  wir so weitermachen, haben wir in zwei, drei Jahren wieder die Chance. Um dahin zu kommen, müssen wir weiter unseren Nachwuchs stärken, die Sponsoren pflegen, Übungsleiter schulen sowie in Kitas und Schulen für unseren Verein werben, und vor allem Konstanz in die Arbeit bekommen, um langfristig Qualität zu schaffen.


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