Mittwoch, 16. Oktober 2019
Donnerstag, 27. Juni 2019

HISTORIE

Aus dem Schwarzen Bach wurde Wasser für Dampfloks entnommen

Hier wurde Wasser für die Lokomotiven entnommen. Foto: H. Liebmann

Von Harry Liebmann

Gemeindevertreter von Oberaudenhain entschieden über Kleinbahn Schildau-Mockrehna im Gemeindegebiet

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Audenhain. Vor nunmehr fast 50 Jahren wurde die Kleinbahnstrecke Schildau – Mockrehna stillgelegt. Seitdem wurde schon des Öfteren über die Geschichte dieser Bahn berichtet, auch darüber, dass die Gemeindevertreter von Niederaudenhain im Jahre 1913 die geplante Streckenführung durch ihr Gemeindegebiet ablehnten.

Das Komitee zum Kleinbahnbau von Schildau nach Mockrehna, unter Leitung des Schildauer Bürgermeisters Martell, suchte nach dieser Absage jedoch weiterhin nach einer Lösung und nahm Verbindung mit der Gemeinde Oberaudenhain auf. So wurde in einer Sitzung der Oberaudenhainer Gemeindevertretung am 16. 3. 1914 ein Schreiben des Schildauer Eisenbahnkommitees zur Eisenbahnangelegenheit verlesen, in welchem die Gemeinde ersucht wurde, zu der am
18. 3. zu Schildau angesetzten Sitzung einen Gemeinderatsbeschluss einzureichen und darin nahezulegen, welches Interesse die Gemeinde Oberaudenhain daran hat sich an den Vorarbeiten zu beteiligen. Noch in dieser Sitzung stimmten die Gemeindevertreter diesem Antrag zu und bewilligten gleichzeitig 50 Mark zu diesen Vorarbeiten. Dieser Beschluss wurde eiligst nach Schildau gebracht, wo auch die bewilligten 50 Mark unter Aushändigung einer Quittung übergeben wurden. Wie aus Protokollen der Gemeinde Oberaudenhain ersichtlich ist, gingen trotz des Beginns des 1. Weltkrieges die Vorarbeiten zum Bau dieser Strecke weiter.
Am 11. 11. 1914 schon wird in der Eisenbahnsache durch die Gemeindevertretung Oberaudenhain die Zusicherung zur Übernahme von 10 000 Mark Aktien durch die Gemeinde garantiert. Der Gemeindevorsteher wird ermächtigt, das Protokoll zu unterzeichnen und an den Bürgermeister der Stadt Schildau abzuschicken.

Ein weiterer Schriftwechsel erfolgt erst wieder im Jahre 1917. In einem Schreiben des Bürgermeisters Martell aus Schildau vom 9. 3. 1917 an die Gemeinde Oberaudenhain bittet dieser die Gemeinde, 1/5 der entstehenden Kosten für den Landerwerb zum Bahnbau zu übernehmen. Daraufhin verpflichtet sich die Gemeinde für das Kleinbahnunternehmen Schildau Mockrehna nach Maßgabe der landespolizeilich und eisenbahntechnisch festgestellten Pläne, einschließlich der Abänderungen in den ersten drei Jahren nach der Betriebseröffnung 1/5 der Kosten des für den Bahnbau erforderlichen Grund und Bodens, einschließlich der Zinsen zu zahlen und der Stadt Schildau zu erstatten, falls der Kreis die Kosten nicht trägt.
Der seit 1914 tobende Weltkrieg führte sicherlich zu weiteren Kostenerhöhungen beim Bau der Strecke, so musste im März 1919 der Aktienanteil der Gemeinde Oberaudenhain von 10 auf 15 000 Mark erhöht werden. Die Zahlung der übernommenen Anteile erfolgte dann ab 1. 12. 1919 in drei Raten. Bis zum Februar 1920 wurde durch die Gemeindevertreter die vollständige Abzahlung bewilligt. Gemeindevertreter Hermann Tauchnitz wurde als Bevollmächtigter für die Abwicklung dieser Zahlungen ernannt. Er hatte die hierzu erforderlichen Gelder von hiesigen Besitzern zu besorgen, welche dazu schon ihre Zusage gegeben hatten. Alle beliehenen Gelder wurden durch Garantie der Gemeinde Oberaudenhain gesichert. In Anbetracht der starken Belastung von Gemeindeausgaben wurde durch den Gemeindevorsteher angeregt, um eine Beihilfe aus Kreismitteln nachzusuchen.

Im Februar 1920 wurde dann endlich von Mockrehna beginnend mit dem Bau der Bahnlinie begonnen. Nach einem Jahr erreichte man Wildschütz und am
30. 4. 1921 erfolgte die landespolizeiliche Abnahme dieses Abschnittes. Erster Nutzer dieses 5 km langen Abschnittes wurde die Firma Kirchhof und Wolf, welche nun ihre Steintransporte über die fertiggestellte Strecke abwickeln konnte. Um die Strecke bis Schildau vollenden zu können, musste jedoch das Aktienkapital noch einmal aufgestockt werden. Für die Gemeinde Oberaudenhain bedeutete das noch einmal eine Nacherhebung des Aktienanteils um 5000 Mark.

Die zum Betrieb der Dampfmaschinen (Lokomotiven) benötigten Betriebsstoffe wie Kohle und Wasser auf der bisher fertiggestellten Strecke bis Wildschütz wurden zu Anfang sicherlich in Mockrehna in manueller Arbeit ergänzt. Aber schon vier Wochen nach Eröffnung stellte die Eisenbahnverwaltung Schildau an die Gemeinde Oberaudenhain einen Antrag zur Errichtung einer Wasserstation im Bachbett des Schwarzen Baches, zur Speisung der Dampfmaschinen an der Kreuzungsstelle der Kleinbahn mit dem Bach. In einem Vertrag verpflichtete man sich, jährlich 5 Mark, jedes Mal am 1. Juli in die Gemeindekasse zu zahlen. Zu diesem Zwecke wurde ein Betonrohr von 1 m Durchmesser in die Bachsohle gesenkt und in welches ein Saugrohr, befestigt am Widerlager der Brücke, hineinragte. Im Vertrag wird diese Entnahmestelle für den Betrieb zwischen Mockrehna und Wildschütz als Hauptwasserstation und für den späteren durchgehenden Verkehr bis Schildau als Aushilfswasserstation bezeichnet. Die Befestigungseisen am Widerlager der Brücke sind übrigens heute noch vorhanden.
Die feierliche Eröffnung der 10 km langen Strecke bis Schildau fand dann am
27. 8. 1922 statt.


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