Mittwoch, 16. Oktober 2019
Donnerstag, 27. Juni 2019

HISTORIE

Wer keine Eier lieferte, bekam keine Zuckerkarten

Beschaffung von Papier-Notgeld in Dommitzsch, 1920.Foto: Repro: TZ

Von Hermann Förster

Die Situation in der Stadt Dommitzsch in den Jahren 1918 und 1919

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Dommitzsch. 12. Juli 1918: Das Kriegsernährungsamt setzt fleischlose Wochen fest. 24. 7. Der Stadt Dommitzsch sind zur Lieferung innerhalb Jahresfrist 52.580 Stück Eier auferlegt worden. Nach Mitteilung der „Kreiseierstelle“ sind bisher 21.290 Stück Eier geliefert worden. Die Hühnerhalter, welche nicht abliefern, erhalten keine Zuckerkarten.

4. 11. 1918: Die Schule wird wegen zahlreicher Grippeerkrankungen geschlossen. Seit 20. 10. gab es im Ort schon 5 Todesfälle.
Am 16. 11. wird in Dommitzsch ein Arbeiterrat gewählt, der am 17. 11. eine öffentliche Versammlung im Schützenhaus abhält.
Am 18. 11. wird von ihm das Rathaus besetzt, die Rote Fahne gehisst und „die Arbeit von ihm aufgenommen!“ Als 1. Arbeit werden von ihm Stadtverordnetenkollegium und Schulvorstand aufgelöst. Der Krieg ist beendet. Noch lebende Soldaten sind zurückgekehrt oder befinden sich in Gefangenschaft. Aufgrund besserer Unterlagen können jetzt die Verluste Deutschlands bis zum 31. Oktober 1918 genauer angegeben werden. Deutschland hat 1.584.000 Tote zu beklagen und zwar 1.527.600 Mannschaften und 56.400 Offiziere. Als vermisst werden 260.000 Mannschaften gemeldet. Die Zahl der in Feindeshand befindlichen deutschen Gefangenen beträgt 490.000 Mann. Verwundet wurden 4.404.000 Mann, davon 3,8 Millionen Mannschaften und 107.000 Offiziere. (Der Krieg 1870/71 forderte dagegen nur 42.000 Tote, davon 14.000 an Krankheit Gestorbene.)
Auf der Strecke Torgau – Pretzsch verkehrt ab 21. 11. nur noch 1 Personenzug, der 2 Uhr Nachmittags hier ankommt und um 3 nach dort zurückfährt.

27. 11. Die geistliche Oberaufsicht über die Schulen wird aufgehoben. Kreis-
schulinspektoren werden eingesetzt. Da der Kaiser sich verzogen hat, braucht sein Name auch nicht mehr die Gaststätten zu schmücken. So wird der Gasthof „Zum Deutschen Kaiser“ umgetauft in „Deutsches Haus“.
Leider nehmen auch die Diebstähle wieder zu. Da nicht jeder die Möglichkeit hat, sich ordentlich satt zu essen, werden andere Möglichkeiten gesucht und öfters auch gefunden.

So wurden in der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 1918 in der Plaßschen Molkerei (früher Giesecke) 2 Fässer gestohlen, deren jedes 125 Pfund Butter enthielt. In derselben Nacht drangen Diebe in die Geschäftsräume der hiesigen Bahnhofsverwaltung ein, ohne eine nennenswerte Beute zu machen. In der Nacht zum 1. Dezember waren dem Schneidermeister W. ein gut genährter Ziegenbock und 5 fette Kaninchen gestohlen worden.
28. 12. 18 Polizei-Sergeant Kößling hat sein Amt nach dem Kriege wieder aufgenommen. Hilfspolizei-Serg. Kessel bleibt noch bis Februar 1919 im Amt. Im Krieg 1914/18 waren 96 Mitglieder des Turnvereins d. Ältere eingezogen, 24 davon sind gefallen. 1919: Dom. hat 651 Haushalte, 1088 ml. und 1287 wbl. Pers. zus. 2375 Einwohner.

12. 2. 19: Wegen Kohlenmangels und Mangel an Lokomotiven wurde die Personenzugverbindung Dommitzsch –Torgau vorläufig eingestellt.
12. 2. Antrag des Stadtverordneten Förster auf Erhöhung der Entschädigung für Feuerwehrleute bei Übungen und Wachen, von 30 Pfg. auf 1,- M je Std. Nach langem Streit fällt die Entscheidung, je Std. 70 Pfg. Im neuen Haushaltsjahr müssen die Steuerzuschläge um 20 % erhöht werden, da für den Arbeiterrat, >Antrag R. Bunk< 7.500,- M bereitgestellt werden sollen.
Am 22. 4. erfolgte die Ablehnung durch die Stadtverordneten, die Anfang Juni den Arbeiterrat auflösten.
2. 3. Gemeindewahl. Die bürgerlichen Parteien erhalten 8 Sitze, die Sozialdemokraten 4 Sitze. Bürgerliche: Ottmar Dirr, Wilhelm Grundmann, Paul Langner, Ferdinand Enge, Dr. René Hoelt, Wilhelm Brüggemann, Hermann Förster, Richard Wolfsteller. Sozialdemokraten: Oskar Bänisch, Robert Bunk, Klara Werner, Otto Schöchert.

Am 3. 5. wurde ein Verkaufsraum für Freibankfleisch errichtet, neben dem Gefängnis, mit Eingang von der Kirchstraße.
Ab 3. 5. wird die Kanalisation im „Hartmannschen“ Gässchen in den Mühlbach geleitet.
Am 23. 6. wird der „BCD“ „Ballspiel-Club-Dommitzsch“ gegründet.
19. 7. Die Heidelbeerernte erreicht den Höhepunkt. Ein Liter kostet 2,50 M, 1 Ei kostet 90 Pfg. Nach 4-jähriger Pause fand am 26. u. 27. 7. 1919 ein Schützenfest statt. Der Schützenmajor Busse feierte an diesem Tage sein 25-jähriges Jubiläum als Major. Schützenkönig wurde Franz Kitzig.
12. 9. Beschluss über Bauplätze für Wohngebäude, auf dem Kirchenacker an der Tonwarenfabrik. 5. 11. Antrag der Stadtverordneten über Beschaffung von Notgeld (Hartgeld). Für 2 TM -50 Pfg. Stücke, für 5 TM -10 Pfg. Stücke, für 2 TM -5 Pfg. Stücke.

Am 8. 12. 19 lehnt die Regierung den Antrag ab, da die  Anschaffung  zu teuer ist. 1920 wurde Papiergeld gedruckt.
08.08. Obstverpachtung. Gebote: Osterberg 460,- M, Torgauer Tor 1.060,- M, Fährstraße 255,- M, Merkwitzweg 835,-M, Weg Mahlitzsch–Drebligar 150,- M, Weidenhainer Str. 111,- M, Verbindungsweg 41,- M. Die Pächter wurden verpflichtet, Obst nur an hiesige Einwohner ab-zugeben. 2. 9. Viehzählung: 111 Pferde, 381 Rinder, 135 Schafe, 543 Schweine, 522 Ziegen, 994 Kaninchen, 3.333 Stck. Federvieh.
27. 9. Die diesjährige Kartoffelernte ist beschlagnahmt. Die Kartoffelkarten gelten 4 Wochen und berechtigen zur Entnahme von 7 Pfd je Woche.
Quellen: Kirchenbücher und Chronik


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