Freitag, 19. Juli 2019
Mittwoch, 3. Juli 2019

TORGAU

Starthilfe für Glascampus

In Liebersee hatte sich Ministerpräsident Kretschmer im Mai nicht nur über Interpane sondern auch über den Glascampus informiert. Foto: TZ/Stöber ?

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Torgau. 420 000 Euro will der Freistaat Sachsen als Anschubfinanzierung für den Torgauer Glascampus locker machen. Wofür das Geld genutzt wird und wann es wirklich losgeht, lesen Sie hier:

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Dresden/Torgau. Diese Nachricht war gleich zwei Pressemitteilungen aus Dresden wert. Sowohl das Sächsische Wirtschaftsministerium als auch die Staatskanzlei informierten am Mittwochmittag darüber, dass der Freistaat bis 2022 insgesamt 420 000 Euro als Anschubfinanzierung für das Projekt Glascampus Verfügung stellen wird.

„Damit ist die Anschub-Finanzierung gesichert, die ersten Kurse können noch in diesem Jahr starten. Und in Zukunft soll sich der Glascampus dann selbst tragen“, freute sich Nordsachsens Landrat Kai Emanuel über die Nachricht.

Das Geld werde folglich nicht in Beton, sondern in Köpfe investiert. Die passenden Räume findet der Glascampus im Berufsschulzentrum Torgau, Lehrkräfte und wissenschaftliches Know-how kommen vom Partner TU Bergakademie Freiberg, kündigte er an.

Der vom Landkreis Nordsachsen initiierte Glascampus wird künftig praxisnahe, an den Bedarfen der Unternehmen der Glas-, Keramik- und Baustoffindustrie ausgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen anbieten. Im „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ ist der „Glascampus Torgau – Professional School“ als wichtiges Vorhaben des Strukturwandels im Mitteldeutschen Braunkohlerevier enthalten.

„Der Strukturwandel wird aber nur gelingen, wenn die hier bereits verankerten Glas-, Keramik- und Baustoffunternehmen gut ausgebildetes Personal vor Ort finden, dieses halten und weiter qualifizieren können. Dafür benötigen sie oftmals spezifische Weiterbildungsangebote“, erklärt Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD).

Er betont: „Der Glascampus kann einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der mitteldeutschen Glas-, Keramik- und Baustoffwirtschaft sowie des ländlichen Raumes in Nordsachsen insgesamt leisten.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich im Mai im Rahmen eines Unternehmensbesuchs beim Verbundglashersteller Interpane in Liebersee über das Projekt Glascampus und die Hürden auf dem Weg zur Realisierung informiert.

Denn die Kohlekommission hatte das Projekt Glascampus zwar durchweg für Beispielhaft befunden, eine direkte Finanzierung aus den Milliarden für den Strukturwandel in den Braunkohleregionen war jedoch nicht möglich. Es fehlten und fehlen die entsprechenden Förderrichtlinien des Bundes, um dieses Geld für entsprechende Projekte abzurufen. In Liebersee hatte Kretschmer seine Unterstützung bei der Finanzierung in Aussicht gestellt.

„Der Glascampus ist eine kluge Chance für die ganze Region. Landrat Kai Emanuel hat sehr für das Projekt geworben. Gute Arbeit braucht starke und innovative Betriebe. Wir wollen die Glasindustrie stärken. Durch die Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg stärken wir Nordsachsen“, so Kretschmer am Mittwoch.

Der Glascampus wird praxisnahe, an den Bedarfen der Unternehmen ausgerichtete Weiterbildungsangebote unterbreiten. „Wir haben dieses Bildungsangebot konsequent von unten nach oben aufgebaut, zunächst mit 34 Unternehmen der Glas-, Keramik- und Baustoffindustrie gesprochen und dann das Projekt Glascampus ganz klar an deren Bedürfnissen ausgerichtet“, so Kai Emanuel.

Die stark nachgefragte Weiterbildung von Fachkräften sieht der Landrat als ersten Schritt. Hinzu komme die Berufsausbildung. Und Ziel müsse schließlich auch sein, eine akademische Ausbildung zu ermöglichen, welche dem Wissenstransfer zwischen den Unternehmen und der Bergakademie bei Forschung und Entwicklung zugute kommt.

Die nun beschlossene Anschubfinanzierung soll nach Informationen aus der Staatskanzlei auf die Jahre 2019 bis 2022 verteilt werden:

38 000 Euro im Jahr 2019,

128 000 Euro im Jahr 2020,

127 000 Euro im Jahr 2021 und

127 000 Euro im Jahr 2022.

Abgefedert werden können damit:

- Personalkosten in der Koordinierungsstelle am Standort Torgau;

- Sachausgaben für die Ausstattung und den Betrieb der Koordinierungsstelle;

- Sachausgaben für die Beschaffung der für die Durchführung der Weiterbildungen erforderlichen zusätzlichen Ausstattung am Beruflichen Schulzentrum Torgau wie Medientechnik und Lehrausstattung;

- Sachkosten für Dienstleistungen zum Beispiel zur Ausarbeitung von Lerninhalten und -unterlagen, Erstellung von Informationsmaterialien, Marketing, Zertifizierung von Kursen, Durchführung von Lehrveranstaltungen.

Im August soll die Koordinierungsstelle in Torgau ihren Dienst aufnehmen können. Deren Hauptaufgabe wird es neben der materiellen Präsentation des Glascampus sein, Interessenten für die angebotenen Kurse zu gewinnen, die im Herbst starten.

Landrat Emanuel plant bereits die Schritte nach Inbetriebnahme des Glascampus: „Glas steht für Transparenz, Schärfe und Nachhaltigkeit. Das ist ein guter Maßstab für die Zukunft. Gern möchte ich die Campus-Idee auch auf andere Industriezweige im Landkreis erweitern, um so die heimische Wirtschaft zu stärken und die regionale Entwicklung positiv zu fördern - nicht nur für Nordsachsen, sondern für ganz Mitteldeutschland.“
 


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