Sonntag, 20. Oktober 2019
Mittwoch, 3. Juli 2019

DOMMITZSCH

Viel Hitze, viel Wind, wenig Wasser

Mähdrescher der Landwirtschaftlichen Eigentümergemeinschaft Dommitzsch im Einsatz. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Große Staubwolken steigen gen Himmel. Das Dröhnen der PS-starken Motoren ist weithin hörbar. Die Männer der Landwirtschaftlichen Eigentümergemeinschaft Dommitzsch kommen schnell voran mit ihren Mähdreschern.

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Torgau. Große Staubwolken steigen gen Himmel. Das Dröhnen der PS-starken Motoren ist weithin hörbar. Die Männer der Landwirtschaftlichen Eigentümergemeinschaft Dommitzsch kommen gut und schnell voran mit ihren Mähdreschern. Nicht lange, dann ist auch dieser Schlag bei Vogelgesang vom Halm. Ein Vorteil der Trockenheit. So geht es Feld für Feld. Schon Montagabend können die Dommitzscher stolz verkünden: Geschafft. Zumindest die Wintergerste ist unter Dach und Fach. Nur sieben Tage hat es gedauert. Rund 400 Hektar waren zu ernten. Das Korn ist ausschließlich für den Verkauf gedacht. In ein paar Tagen soll es im Betrieb mit dem gleichen Schwung weitergehen: Dann sind rund 330 Hektar Winterweizen zu dreschen. Über Erträge will man im nördlichen Teil des Landkreises lieber nicht öffentlich sprechen. Das Thema Trockenheit sei allseits bekannt. Dafür gibt Christine Richter, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Torgau, etwas mehr Einblick. Schon am 19. Juni hätten die ersten Betriebe im Raum Torgau mit der Getreideernte auf den leichten Standorten (laut Bodenwertzahl d. Red.) begonnen. Nicht ganz so zeitig wie im Dürre-Jahr 2018, aber trotzdem noch früher als üblich. Normalerweise fällt in der letzten Juni-Woche in der Region Torgau der Startschuss für die Mähdrescher. Mittlerweile hat ein großer Teil der Landwirte die Wintergerste vom Feld. Die Hoffnungen, dass sich bis zur Ernte wettermäßig noch etwas bewegt, haben sich leider nicht erfüllt, so Christine Richter. Im Gegenteil: Nicht nur die extreme Hitze, sondern auch der starke Wind wirkte sich auf die Kulturen negativ aus. „Im Schnitt müssen wir jetzt schon von mindestens zehn Prozent Verlust zu normalen Erträgen ausgehen“, prognostiziert die Geschäftsführerin. Das Katastrophenjahr 2018 möchte sie dabei mal bewusst ausklammern. Es fehlte erneut das Wasser. Die Niederschläge, die noch im Mai beziehungsweise Juni gefallen waren, hielten nicht lange vor. Der ständige Wind ließ die Flächen rasch austrocknen. „Und für Temperaturen am Rande der 40-Grad-Marke sind unsere Pflanzen einfach nicht geeignet“, so Christine Richter. Die Körner sind viel zu klein. Grob geschätzt dürften die Erträge im Durchschnitt bei 50 bis 60 Dezitonnen je Hektar liegen. In guten Jahren ernte man um die 70 Dezitonnen, erklärt sie. Weil das Wetter weltweit Kapriolen schlägt, spiele auch der Tagespreis verrückt. Er gehe mal hoch und mal runter. Wer sein Korn abliefert, könne eben Glück oder Pech haben. Insgesamt sei das Preisniveau nicht ganz schlecht, formuliert es die Geschäftsführerin vorsichtig. Ein Teil der Betriebe habe ohnehin Vorverträge mit den jeweiligen Abnehmern zu Festpreisen. Andere Landwirte versuchen wiederum, das Getreide einzulagern und ein bisschen zu pokern, also auf bessere Erlöse zu warten. Der Rest brauche das Korn selber für die Futterversorgung. 

Ein ähnliches Bild zeichneten Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt und Landesbauernverbands-Präsident Wolfgang Vogel bei der Erntepressekonferenz bei Grimma: Die Trockenheit der letzten Tage habe den Regen der Wochen zuvor wieder wettgemacht. Der Blick auf manche Felder verursacht Sorgenfalten. Trotzdem hoffe man weiterhin auf eine gute diesjährige Ernte, hieß es. Beide Amtsträger machten keinen Hehl daraus, dass die Erwartungen nach dem Dürre-Jahr 2018 eigentlich höher waren. Nach regelmäßigen Niederschlägen im Winter und Frühjahr rechnete man zumindest auf ein durchschnittliches Erntejahr 2019. „Das Niederschlagsdefizit aus 2018 ist allerdings noch immer nicht ausgeglichen und mittlerweile durch die Hitzewelle wieder vergrößert worden“, so Schmidt. Obwohl die Bestände gut entwickelt seien, rechnet der Sächsische Landesbauernverband auf sandigen Böden mit Ertragseinbußen von bis zu zehn Prozent – vor allem aufgrund von Trockenschäden. Das Weizenangebot werde voraussichtlich höher als im Vorjahr sein, da die Anbaufläche gestiegen ist. Das Rapsangebot hingegen ist wegen der ungünstigen Bestellbedingungen im Jahr 2018 und der Umbrüche gesunken (rund 20 Prozent geringere Anbaufläche). Bei Körnermais und Kartoffeln kann bisher keine verlässliche Prognose getroffen werden. Beide Kulturen befinden sich bislang überwiegend in einem guten Entwicklungszustand.  „Ich hoffe sehr, dass sich eine Notsituation wie im vergangenen Jahr nicht wiederholt“, sagte der Staatsminister. „Idealerweise würden die Landwirte aus der diesjährigen Ernte die Verluste des vergangenen Jahres ausgleichen. In guten Jahren könnten dann Rücklagen für schlechtere Jahre gebildet werden. Leider lehnte der Bund bisher eine steuerlich begünstigte Risikoausgleichsrücklage ab, die uneingeschränkt für alle Betriebe gilt. Es muss dringend gehandelt werden, denn ad-hoc-Zahlungen wie im vergangenen Jahr bei Witterungsschäden sind keine Dauerlösung“, hieß es.


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