Samstag, 24. August 2019
Dienstag, 16. Juli 2019

DREIHEIDE

Die Spinner sind in Großwig angekommen

Die Brennhaare der Raupen des Eichenprozerssionsspinners sind für Menschen und Tiere gefährlich und können allergische Reaktionen hervorrufen. Foto: Christian Fischer

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Großwig. Das Großwiger Paradiesbad ist von Eichenprozessionsspinnern befallen. Die Gemeinde und das Landratsamt haben angesichts der giftigen Plage bereits reagiert und Maßnahmen eingeleitet.

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„Deutschlands giftige Plage“ überschrieb Spiegel Online vor knapp zwei Wochen einen Beitrag, der sich mit der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners befasste. Und auch die Heimatzeitung selbst hatte Ende Juni auf ihrer Titelseite darüber berichtet, dass die Tiere in Thüringen und Sachsen die Wälder und Gärten kahl fressen und mit einem Anstieg der Population weiter zu rechnen ist. Nun wurden die Tiere auch in Großwig festgestellt und die Gemeinde zog direkt die Konsequenzen.

Gemeinde zieht die Konsequenzen

„Vor knapp zwei Wochen hat die Untere Forstbehörde rein zufällig bei uns im Paradiesbad in Großwig festgestellt, dass die dortigen Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen sind“, erzählt Dreiheides amtierender Bürgermeister Hans-Jürgen Fink gelassen. „Im näheren Umfeld befinden sich insgesamt 16 Eichen, die wohl allesamt davon betroffen sind.“ Die Gemeinde zog direkt Konsequenzen. Nicht nur Warnschilder, die vor dem Befall und seinen Auswirkungen auf den Menschen (massive Hautreizungen und gefährliche allergische Reaktionen; Anm. d. Red.) warnten, wurden aufgestellt, sondern auch das Feriencamp des Hortes, welches bereits seit letzter Woche läuft, wurde vom Großwiger Paradiesbad auf den Weidenhainer Sportplatz verlegt.

Welche nachhaltigen Maßnahmen gegen die giftigen Raupen unternommen werden sollen, darüber war man sich jedoch bis zum Ende der vergangenen Woche noch uneins. Zwei Möglichkeiten standen zur Auswahl, weiß Hans-Jürgen Fink, die man am Freitag in einem Vor-Ort-Treff miteinander abgewogen hatte. „Eine Option wäre die Beauftragung einer Spezialfirma mit ganz spezieller Technik zur Bekämpfung der Tiere gewesen. Die wäre dann im Paradiesbad angerückt und hätte sich daran gemacht, die Nester der Prozessionsspinner abzusaugen. Das wäre zum einen sehr kostenintensiv geworden und zum anderen kann die Firma auch keine Garantie geben, tatsächlich auch alle Nester in den 16 riesigen Bäumen zu finden. Außerdem hätte dazu dann auch noch das Bespritzen der Bäume mit einer Art Vertreibungsmittel gehört, was sich aufgrund der Nähe zum Teich äußerst problematisch gestaltet hätte.“

Ein Schild am Eingang des Paradiesbades warnt bereits vor der Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner.

Lockfallen statt teurer Absaugung

Die zweite Möglichkeit, für die man sich  dann auch am Freitag entschied, ist die Kooperation mit dem Landratsamt, welches auf eigene Kosten Lockfallen für die Tiere in den Bäumen aufhängt. „Der Befall ist bei uns im Bad ja noch nicht akut, da müsste der Einsatz von solchen Fallen erst einmal ausreichend sein“, sagt Fink. „In Kombination mit den Schildern haben wir damit unserer Pflicht als Gemeinde Genüge getan. Die Vernichtungsaktion hätte uns nur enorm viel Geld gekostet, welches nicht im Haushalt eingeplant ist, und eine Erfolgsgarantie hätten wir auch nicht gehabt.“

Mit dieser Entscheidung steht Hans-Jürgen Fink als aktuelles Oberhaupt der Gemeinde  nicht allein da. Die Mitglieder des neu gewählten (aber noch nicht konstituierten; Anm. d. Red.) Großwiger Ortschaftsrates gingen bei seiner Entscheidung einstimmig mit, genauso wie Dreiheides Bürgermeister Wolfgang Sarembe, welcher sich zwar momentan noch im Krankenstand befindet, von Fink jedoch ebenfalls in die Entscheidungsfindung einbezogen wurde.

Bereits Ende vergangener Woche wurden in Großwig die Lockfallen der Unteren Forstbehörde aufgehangen, um die ersten männlichen Falter, die nach dem Ende der so genannten Puppenruhe in dieser Woche, anzulocken. An der Anzahl der gefangenen Falter kann man dann, so die Aussage der Unteren Forstbehörde, auf die Stärke des Befalls schließen. Eine Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner-Raupen erfolgt jedoch durch die Fallen nicht, diese kann nur im Frühjahr mit Pflanzenschutzmitteln erfolgen. Außerhalb dieses Zeitfensters müssen die Raupennester mit Spezialstaubsaugern entfernt werden.

Ab wann das Paradiesbad wieder völlig bedenkenlos betreten werden kann, konnte auch die Untere Forstbehörde nicht genau beantworten. „Die Raupenhaare können mehrere Jahre aktiv sein“, lautete die Aussage der Experten des Landratsamtes.

Zu sehen sind die feinen Härchen in den Bäumen im Paradiesbad zwar nicht, wie die Gemeinde jedoch mitteilte, seien alle Eichenbäume dort befallen. Mit Lockfallen soll nun die Population der Nachtfalter ermittelt werden. Fotos: TZ/Leukhardt

 

Info

Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter. Er bevorzugt warm-trockenes Klima und breitet sich aufgrund der Klimaveränderungen immer stärker in Deutschland aus. Die Brennhaare der Raupen sind für Mensch und Tier gefährlich und lösen allergische Reaktionen aus.
Als Insekt des Offenlandes kommt er vor allem in warm-trockenen Regionen vor und bevorzugt Einzelbäume, Bestandsränder und lichte Eichenwälder. In Trockenjahren kann es zu Massenvermehrungen kommen und dann befällt er auch jüngere Bäume und große geschlossene Waldgebiete.
In Deutschland sind in Folge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) kommt an allen Eichenarten vor, neben der Stiel- und Traubeneiche  auch an der amerikanischen Roteiche.
Quelle: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft


Tipps für den Schutz

  • Generell dürfen Raupen und ihre Nester auf keinen Fall berührt werden. Schon bei Verdacht eines Gifthaarkontakts können folgende Maßnahmen helfen.
  • Kleidung umgehend im Freien (!) wechseln, Schuhe nass reinigen
  • Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen
  • Sichtbare Raupenhaare mit einem Klebstreifen entfernen
  • Gründliche Dusche mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser
  • Betroffene Gegenstände, wie das Auto, waschen und saugen
  • Bei Hautreaktionen sollte der Hausarzt aufgesucht werden, bei Atemnot sofort den Rettungsdienst alarmieren
    Quelle: ECARF (Europäische Stiftung für Allergieforschung)

 

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