Samstag, 24. August 2019
Donnerstag, 1. August 2019

OSTELBIEN

Mit Beton und Spundwänden

Erdmassen bedecken bereits die Wand aus Beton und Stahl Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen hat die Deichbruchstelle von 2002 dauerhaft gesichert. Enormer Aufwand war nötig. Auch andere Baustellen in der Region stehen kurz vor der Fertigstellung. 

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Dautzschen. Hier war 2002 der größte Binnendeichbruch Deutschlands. Hier soll nie wieder etwas passieren! Die Landestalsperrenverwaltung schließt dieser Tage eine Großbaustelle ab, die von den Dimensionen her schlicht beeindruckend ist. Auf 500 Metern Länge wurden genau 656 Bohrpfähle mit exakt 88 Zentimetern Durchmesser in den Deich gesetzt. Eine Wand aus Beton. 13 Meter tief. Die Spezialfirma aus Ottendorf-Okrilla verbaute etwa 250 Tonnen Stahl in Form von Bewehrungskörben und 6500 Kubikmeter Beton. Rechts und links daneben schließt sich auf einer Länge von rund 1 000 Metern eine Spundwand an. Etwa acht bis neun Meter tief. Sie dient ebenfalls als Kerndichtung. 

 

Jetzt läuft der Endspurt. Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung Rötha: „Es sind  noch Erdarbeiten im Gange. Denn wir haben auch rund 55 000 Kubikmeter Boden heranfahren lassen.“ Das Material fällt beispielsweise beim Kiesabbau in Liebersee an. Teilweise erfolgten aber auch Transporte aus dem Nachbarland Brandenburg. Außerdem wird derzeit der Deichverteidigungsweg gepflastert. Noch im August will die Firma Heinz Lange das Großprojekt, das 2017 begann, abschließen. Dann ist die Bruchstelle, die im August 2002 so viel Leid über die Bevölkerung brachte, endlich dauerhaft sicher. Kosten: 6 Millionen Euro! Normalerweise rechnet der Freistaat für einen Kilometer Deichsanierung 1,5 bis 2 Millionen Euro ein. „Aber uns war wichtig mit aller Macht zu verhindern, dass die Elbe hier bei Hochwasser wieder ihr altes Bett sucht und geradeaus fließt“, machte Bobbe das Anliegen deutlich. Der Betriebsleiter gab einen Überblick über weitere Deichbaustellen  in der Region: 

 

Zwethau: Auch hier ist die Firma aus Ottendorf-Okrilla tätig. Im Abschnitt Zwethau bis zur Elbbrücke waren 1000 Meter Deich instand zu setzen. Fast auf der gesamten Länge kam eine Spundwand in den Boden. 14 Meter tief. Die Arbeiten sind fast fertig und werden bis Monatsende abgeschlossen. Aufsehen gab´s im Frühjahr 2019: Da stießen die Bauleute auf eine ziemlich intakte Flakstellung (siehe Begleittext). Ebenfalls im Abschnitt Zwethau bis zur Elbbrücke  folgt demnächst eine zweite Baustelle. 600 Meter lang. Start ist im September. „Wir werden bis August 2020 eine sieben Meter tiefe Spundwand in den Deich bringen“, erklärte Axel Bobbe. Schließlich gibt es im Abschnitt Zwethau/Elbbrücke einen dritten Bereich – nahe der Eisenbahnbrücke. Hier erhielt die Firma EZEL den Zuschlag und wird auf 1000 Meter Länge eine Spundwand setzen. Zehn Meter tief. Kosten: rund 3 Millionen Euro. Bis August 2020 soll es geschafft sein. 

 

Graditz: Diese Großbaustelle ist nahezu abgeschlossen. In wenigen Tagen erfolgt die Abnahme. Unter anderem wurde eine neue Spundwand gesetzt, elf Meter tief. Zuletzt entstand ein neuer Deichverteidigungsweg. Kosten: rund 2 Millionen. Den Auftrag führte die Firma Eurovia aus. 

 

Kamitz: Den Abschnitt von 1,5 Kilometer Länge stellt die Firma EZEL bis September fertig. „Wegen der angrenzenden Grundstücke haben wir uns für eine Spundwand entschieden, die mit Beton ummantelt wird und eine Sandsteinverkleidung erhält“, so Axel Bobbe. Die Kosten liegen bei 4,5 Millionen Euro. 

 

Köllitsch/Kathewitz: Auch ein Projekt mit großer Dimension. 11,5 Millionen Euro hat das Land veranschlagt. „Wir haben zwei Abschnitte zusammengelegt, die ingesamt drei Kilometer Länge umfassen. Davon erfolgt auf zwei Kilometer Länge eine Deichrückverlegung“, erläuterte Axel Bobbe. Derzeit findet der Erdbau für die neue Trasse statt. Dann ist im Herbst ein neues Siel in Kathewitz zu bauen. Bis September 2020 sollen die Arbeiten zum Abschluss kommen. Kurz zuvor erfolgt noch der Abriss des alten Deiches, der dann nicht mehr gebraucht wird. 

 

Loßwig: Bei großen Fluten war dieser Bereich immer das Sorgenkind. Denn ein Bruch hätte Torgau getroffen. Deshalb rückte hier auch stets Bundeswehr zur Unterstützung an. „Die Arbeiten bei Loßwig/Kranichau werden bis Oktober fertig. Es entsteht ein neues Siel. Anschließend wird der Elbedeich geschüttet und die Spundwand im Vorland, die die Baustelle schützt, ist dann wieder zu entfernen“, so der Betriebschef, der sich auch über dieses Projekt freut. „Der gesamte Deich Kranichau bis Hafen Torgau entspricht ab Oktober der DIN. Es gibt dann in dem Bereich keine offenen Flanken mehr. Alles ist nach aktuellem Standard instand gesetzt.“ 

Polbitz: Auch hier steht der letzte Abschnitt der Deichlinie Polbitz/Torgau-Glacis im Fokus. Kurz vor Polbitz sind 1000 Meter Deich grundhaft auszubauen. Das soll in vier Wochen beendet sein. Den Auftrag hatte EZEL. Es war ein üblicher Dreizonendeich zu errichten. Kosten: rund 2 Millionen Euro. „Wir haben dann auch die ganze Deichlinie von Torgau bis Polbitz abgearbeitet“, fasst Axel Bobbe zusammen.


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