Samstag, 24. August 2019
Montag, 5. August 2019

LOKALGESCHEHEN

Wo der Gestiefelte Kater (vielleicht noch) wohnt

Europäisches Kulturerbe: die Holländermühle von Straupitz, heute ein Erlebnisbauwerk für die ganze Familie. Foto: privat

Presseinformation

Straupitz. Ja hier, im kleinen Dorf am nördlichen Rand des Spreewalds könnte es sich einst zugetragen haben: Hier in Straupitz, umgeben von Wiesen, Feldern, Wäldern und Gewässern, könnte sich das Reich des Gestiefelten Katers befinden. Wer weiß?

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Vielleicht hat er genau hier bewiesen, dass im Leben nicht die Herkunft, sondern Mut, Klugheit und Fantasie wichtig sind, um Träume zu verwirklichen. Warum? Weil er an diesem Ort eifrige Nachfolger gefunden hat: Es sind die Frauen und Männer des Straupitzer Holländermühlenvereins, die nun wahre Wunder vollbringen.

Ein wahres Erlebnisdorf

Davon können sich kleine und große Besucher gleichermaßen überzeugen, wenn sie einen Tagesausflug dorthin unternehmen und schnurstracks von Torgau aus der B 87 entlang etwa 100 Kilometer über Herzberg und Luckau ins Biosphärenreservat Spreewald touren – hin nach Straupitz. Schon von Ferne sichtbar sind die Windmühlenflügel – und ein Bauwerk, das mindestens ebenso imposant erscheint: die Kirche mit ihren zwei Türmen – gebaut nach den Plänen des berühmten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Doch halten wir zunächst an der Mühle. Solche technischen Relikte aus den vergangenen Jahrhunderten werden vielerorts liebevoll erhalten, doch die Straupitzer können sich wahrlich rühmen, die letzte noch produzierende Dreifachwindmühle Europas zu präsentieren – mit Korn-, Öl- und Sägemühle! 1850 wurde die Holländerwindmühle anstelle einer vormals hölzernen Bockwindmühle erbaut. 1885 kam eine Sägemühle hinzu und 1910 eine Ölmühle. Schon 1924 wurde dann komplett auf Elektrobetrieb umgestellt, weil ein Blitzschlag die Flügel zerstörte.

Fast schien es, als würde das segensreiche Müller-Handwerk Mitte der 1960er-Jahre in Straupitz sein Ende finden, denn die Mühle wurde schrittweise stillgelegt und war dem Verfall preisgegeben. Doch 1984 wurde das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt, 1988 verkaufte die Müllerfamilie das gesamte Areal. 1994 begannen erste Restaurierungen – und nach der Jahrtausendwende wurde der gesamte Komplex saniert, sämtliche Maschinen generalüberholt und dem Mühlenturm eine neue Haube verpasst. Auch neue Flügel wurden anmontiert, sodass seitdem wieder alles voll funktionsfähig wurde – und ist. Eigentümer ist nunmehr die Gemeinde Straupitz, die den Betrieb an den gemeinnützigen Mühlenverein verpachtet hat. Die Mitglieder betreiben diese wahrlich mit Herzblut und auf eigene Kosten.

Uralt-Technik läuft und läuft

Die Führungen übernehmen allen voran die fünf Ölmüller. Mit ihnen geht es treppauf und -ab durch die Mühle. Wie ein Wunder erscheint es tatsächlich, dass nach wie vor ein (Zahn-)Rad ins andere greift, dass Riemen, Pressen und Walzen mit Windkraft – oder mit E-Motoren bei Windstille – aus Korn Mehl, aus Leinsamen Leinöl und aus Baumstämmen Holzbretter und Balken produzieren.

Auf allen Ebenen gibt es vieles zu erzählen. In fast alle Nischen des urigen Mühlenbaus dürfen die Besucher schauen, und manch einer kann beim Ölmüller auch ein kurzes „Praktikum“ absolvieren: zum Beispiel beim Pressen des flüssigen Spreewald-Goldes. Die meisten Leser dürften erahnen, dass es sich dabei um Leinöl handelt, denn auch in Nordsachsen wird eine äußerst beliebte Speise häufig damit veredelt: Pellkartoffeln mit Quark! Es ist gewissermaßen das Spreewälder Nationalgericht.

Gesundes Tröpfchen

Gepresst wird der Leinsamen in Straupitz wie vor mehr als hundert Jahren, und weil die Ölmüller den Leinsamen auch anrösten, schmeckt das Spreewaldgold-Leinöl tatsächlich anders als das Produkt anderer Ölmühlen – nussiger und weniger bitter. „Schonend gepresst bleiben auch die wichtigen Inhaltsstoffe erhalten. Besonders der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, allen voran die Omega-3-Fettsäuren, ist im Vergleich zu anderen Speiseölen überdurchschnittlich hoch. Damit leistet Leinöl einen wichtigen Beitrag zur ausgewogenen – auch veganen und vegetarischen – Ernährung (...)  Unser Bio-Leinöl ist durch die Fachgesellschaft Öko-Kontrolle mbH als ‚Ökologisches Erzeugnis‘ definiert worden“, so wird dazu auf der Mühlen-Homepage erläutert.

Die Besucher staunen beim Rundgang, wie mittels Handarbeit an Quetsche, Röstpfanne und Presseisen letztendlich das goldig schimmernde Öl gewonnen wird. Der Ölmüller legt Holz nach, leert die vollgelaufenen Öl-Eimer, zerbröselt den festgequetschten Ölkuchen als Restbestandteil aus den Leinsamen. Kostproben gibt es freilich für jedermann – und wer auf den Geschmack gekommen ist, kann das Öl im nebenstehenden alten Müllerhaus, heute ein Laden mit Imbiss, erwerben, ebenso Leinsamen, Ölkuchen anderes mehr. Was das beliebteste Gericht auf der Speisekarte ist, lässt sich leicht erraten: Pellkartoffeln, Quark und eben erst frisch gepresstes Leinöl – lecker und so gesund.

Gut gestärkt bietet sich eine Wanderung durch Straupitz geradezu an – hin zur bereits erwähnten Schinkelkirche, deren Türen für Besucher offen stehen. Und weiter geht’s zum historischen Kornspeicher, dem Kahnhafen und der Schlossanlage. 

 

Info:

Öffnungszeiten der Holländermühle im August:

Montags bis freitags 8  bis 18 Uhr, samstags 10 bis 18 Uhr, sonntags 10-18 Uhr. Nutzen Sie bitte die Homepage zur Information über die Öffnungszeiten in den anderen Monaten. Einlass zur Besichtigung ist stets bis eine Stunde vor Schließzeit.

http://www.windmuehle-straupitz.de

www.spreewald-insider.de/windmuehle-straupitz  www.straupitz.de


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Sommerakademie 2019: Online-Marketing
27.08.2019, 08:00 Uhr - 15:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Grundlagen der Buchführung
27.08.2019, 08:00 Uhr - 29.08.2019, 15:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Imagefilm für die Webseite
27.08.2019, 15:00 Uhr - 18:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Fachkräftemangel – Was tun?
27.08.2019, 16:00 Uhr - 19:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Betriebskostenabrechnung
28.08.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Das Teilhabechancengesetz
28.08.2019, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Plan B - Segel setzen
28.08.2019, 17:00 Uhr - 18:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Business-Knigge
29.08.2019, 08:00 Uhr - 16:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Richtig fördern, aber wie?
29.08.2019, 09:00 Uhr - 12:00 Uhr
Sommerakademie 2019: Betriebsprüfung im Lohn
02.09.2019, 10:00 Uhr - 12:00 Uhr
Aktuelle Entwicklungen im Gewerberaummietrecht
10.09.2019, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
11.09.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Stammtisch Life Science – Klinische Validierung
11.09.2019, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
Mehr Erfolg durch E-Commerce - nicht nur für Händler
12.09.2019, 16:00 Uhr - 18:30 Uhr
Treffpunkt für Unternehmen: Videomarketing
18.09.2019, 09:00 Uhr - 10:30 Uhr
Rechtssicher durch das Onlinegeschäft
19.09.2019, 10:00 Uhr - 14:00 Uhr
Unternehmerreise Sevilla / Spanien
25.09.2019 - 27.09.2019
26. Sachverständigentag in Leipzig
26.09.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Update Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)
26.09.2019, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
IHK-Umweltforum 2019
08.10.2019, 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
IX. Finanzmarktforum
08.10.2019, 13:00 Uhr - 18:15 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

Torgauer Stadtmagazin

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga