Samstag, 24. August 2019
Freitag, 9. August 2019

OSTELBIEN

"Das liegt in meinen Genen"

Karl-Friedrich Dierkes: „So wenig wie möglich, soviel wie nötig“.Foto: Foto: SWB/HL

H. Landschreiber

Karl-Friedrich Dierkes über Wasser bis zum Hals, ein neues Feindbild und Chancen

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Großtreben  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Karl-Friedrich Dierkes, Inhaber des Landguts Dierkes in Großtreben, warum er mit Leib und Seele Landwirt ist.

SWB: Helfen noch Stoßgebete gen Himmel für Regen, Herr Dierkes?
Karl-Friedrich Dierkes:
Ein bisschen, ja. Würden jetzt ausreichend Niederschläge fallen, wäre das gerettet, was noch auf dem Halm steht. Ein anderes, wichtigeres Problem sehe ich darin, dass die ausstehende Ernte 2020 in Gefahr ist. Bei der momentanen Trockenheit ist es nicht möglich, Raps anzubauen. So wie übrigens im Jahr 2018 auch schon nicht.
Konnten Sie den Dürresommer 2018 irgendwie überspielen und kaschieren?
Wir hatten im Vorjahr den Vorteil, dass die Preise für Gerste und Weizen aufgrund der Mangelsituation recht hoch waren. Dadurch ließen sich die Schäden einigermaßen kompensieren. Dieses Jahr sind die Erträge für Gerste gleich geblieben, beim Weizen deutlich niedriger als im letzten Jahr, aber die Preise schlechter.  Wissen Sie, was die Leute jetzt wieder denken?
Dass die Bauern nur am Jammern sind?
Genau. Ärgerlich ist zudem, dass der Bauernverband im Frühjahr allzu optimistische Prognosen aufgestellt hat. Meiner Meinung nach kann man nicht vorher von zu erwartenden Erträgen sprechen. Das ist nicht möglich. Die seit zwei Jahren anhaltende Notsituation bringt viele Betriebe an den Rand der Existenz. Ihnen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals, obwohl das Wasser ja fehlt.
Als Landwirt benötigt man eine große Portion Optimismus, ist Ihr Glaube nach der neuerlichen Hitzewelle erschüttert? Sind Sie noch gerne Landwirt?
Wenn ich nicht optimistisch wäre, hätte ich längst aufgegeben. Nicht nur wegen des Wetterproblems, sondern vor allem wegen der Politik. Die Landwirtschaft scheint das neue Feindbild zu sein, soll an allem Schuld sein wie Klimawandel, belastete Lebensmittel, Luftverschmutzung und Grundwasserverunreinigung. Dazu kommt der unsägliche Kampf mit den Behörden und Ämtern.  Wir Landwirte haben keine Lobby. Dennoch bin ich mit Leib und Seele Landwirt.  
Sind die diesjährigen Schäden schon mess- und bezifferbar?
Ja. Die Schäden sind immens, betragen wie im Vorjahr eine sechsstellige Summe. Langsam geht es an die Existenz! Vom Gesetzgeber ist keine Hilfe zu erwarten. Man müsste Risiko-Rücklagen bilden dürfen, um sich aus diesem Depot bedienen zu dürfen. Das Gegenteil ist der Fall!
Die Finanzspritze 2018 der Bundesregierung ging mit einem hohen bürokratischen Aufwand einher. Was müsste aus Ihrer Sicht besser laufen?
Wer hat denn Entschädigungen  bekommen? Betriebe, die schlecht wirtschaften. Unser Problem war: Wir hatten in den letzten drei Jahren Gewinne über eine gewisse Summe hinaus erwirtschaftet, sodass wir von den Entschädigungen ausgenommen waren.
Was können Sie tun, um die Ausfälle abzufedern?
Wir wissen es noch nicht: Ich habe keine Vorstellungen, wie wir es diesmal schaffen sollen. Im Land Sachsen gibt es eine Notfall-Richtlinie für in Not geratene Unternehmen. Vielleicht können wir uns damit über Wassrr halten. Im Vorjahr hatte sich der Bund eingemischt. Dieses Jahr stehen die Chancen gut. Trotzdem schwebt die Existenzbedrohung über allem.
Haben Sie Vergleichbares schon erlebt?
Witterungsbedingte Ausfälle, da braucht man nur mal in die Geschichtsbücher zu gucken, sind immer wieder vorgekommen, aber nicht in diesen Größenordnungen. Früher waren die Betriebe breiter aufgestellt. Eine ähnliche Trockenheit gab es in den Jahren 1991, 1992 und 2003 nach dem großen Hochwasser. Trotz aller Probleme damals hatten wir eine normale Ernte. Das Hauptproblem heute sind die ausgetrockneten Böden, weil die Bodenfeuchte nach dem Winter fehlte.
Unsere Region wird schon scherzhaft als „Sahelzone“ bezeichnet. Ist die Landwirtschaft hierzulande auf Dauer überlebensfähig?
Ja, weil wir trotzdem alle Möglichkeiten haben. Unsere Region liegt bekanntlich im Regenschattengebiet des Harzes. In der Landwirtschaft gibt es eine Faustregel: Sieben fetten Jahren folgen sieben magere Jahre. Wenn es danach geht sind wir jetzt im zweiten mageren Jahr. Wir stellen uns darauf ein, müssen neue Sachen anstrengen und uns an den Klimawandel anpassen. Auf das Bla Bla der Politik kann man nichts geben.
Wie sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus?
Wegen des fehlenden Marktes ist es nicht möglich, sich breiter aufzustellen. Der Staat hat uns bei den Bio-Kraftstoffen stiefmütterlich behandelt. Und der Verbraucher ist nicht bereit, vernünftige Preise für vernünftige Lebensmittel zu bezahlen. Das ist in Deutschland ein Phänomen und irgendwie schizophren, weil angeblich 80 Prozent der Verbraucher Bio-Produkte kaufen. Das ist aber ein krasser Widerspruch dazu, was an billigen Produkten in den Einkaufswagen landet.
Wird die Schlacht an der Supermarktkasse entschieden?
Die Schlacht entscheidet einzig und allein der Handel. Die reichsten Deutschen kommen aus der Lebensmittelbranche. Das ist kein Zufall. Wenn für alle Lebensmittel die gleichen Grundvoraussetzungen gelten würden, dürften 80 Prozent der Lebensmittel-Importe nicht nach Deutschland. Das beste Beispiel ist die Erdnuss, die genmanipuliert ist.
Wie bewahren Sie sich trotz aller Hindernisse und Hürden ihren Optimismus?
Der Optimismus liegt in meinen Genen. So bin ich aufgewachsen und erzogen worden. Ein Landwirt denkt in Generationen und nicht in Jahren. Unser Betrieb ist einer der wenigen, der Hybrid-Landwirtschaft betreibt. Beim Unkraut setzen wir sowohl auf mechanische, als auch chemische Bekämpfung. Aber immer nach dem Grundsatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wichtig ist, einen gesunden Mittelweg zu finden. Wir bauen schon hitzebeständige Kulturen an, und wir tolerieren keine Gentechnik. Mittlerweile sind wir einer der größten Soja-Anbauer Sachsens.  Es ist immer wichtig eine Nische und andere Wege beispielsweise in Sachen Beregnung und veränderter Fruchtfolge zu finden.


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